Gastronomie

Corona-Welle bringt Gastwirte in Bedrängnis

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Claas Greite
Christl El Kailani, Inhaberin des Norderstedter Restaurants "Flame". Wegen der Corona-Krise hat das Lokal Umsatzverluste.

Christl El Kailani, Inhaberin des Norderstedter Restaurants "Flame". Wegen der Corona-Krise hat das Lokal Umsatzverluste.

Foto: Claas Greite

Die Tische bleiben leer, die Stammgäste fern. Im Kreis Segeberg halten viele Gastronomen finanziell nicht mehr lange durch.

Norderstedt.  Die Omikron-Variante des Coronavirus sorgt derzeit für Rekordzahlen bei den Ansteckungen in der Region - und auch für leere Restauranttische. Gastwirte in der Region klagen über einen massiven Rückgang bei den Gästezahlen und über hohe finanzielle Verluste. Der Grund: Viele Stammgäste seien verunsichert, sorgten sich um ihre Gesundheit oder fänden es zu umständlich, vor einem Restaurantbesuch extra ein Testzentrum aufzusuchen. Vielen Restaurantbetreibern, die im Sommer 2021 schon auf ein Ende der Corona-Dauerkrise hofften, macht das große Sorgen.

Wenn der Gastraum leer bleibt, wird um 20.30 Uhr dicht gemacht

„Die Leute bleiben im Moment weg. Wir haben Umsatzrückgänge von mindestens 50 Prozent“, sagt Christl El Kailani. Sie ist die Inhaberin des Norderstedter Restaurants „Flame“, das üblicherweise viele Stammkunden besuchen. Unter dem Restaurant befindet sich ein Kegel- Bowlingcenter, das El Kailanis Sohn Thomas Dahncke betreibt – Freunde, Familien und andere Besuchergruppen kombinieren in besseren Zeiten den Kegelabend mit einen Restaurantbesuch. Doch derzeit ist kaum etwas los im Flame. „Abends, wenn überhaupt niemand kommt, schließen wir schon mal um halb neun“, sagt Christl El Kailani.

80 Prozent weniger Gäste sind nicht die Ausnahme

Ganz ähnlich schildern es auch andere Norderstedter Gastwirte. „Wir haben im Moment viel weniger Kunden. An manchen Abenden sitzen nur an zwei oder drei Tischen Gäste“, sagt Raffaele Claudio, Inhaber des Restaurants „La Piazza“. Von „deutlichen Besucherrückgängen“ spricht Suntke Garbe, Geschäftsführer der Mehrzwecksäle Norderstedt GmbH, die das Brauhaus „Hopfenliebe“ betreibt. Peter Henkel, Geschäftsführer des „Schweinske“-Lokals in Norderstedt, spricht von „70 Prozent Umsatzverlust in der letzten Zeit“. Und Petros Triantis, Geschäftsführer des Restaurants „Syrtaki“, sagt: „Hier fehlen im Moment ungefähr 80 Prozent der Gäste.“

Das Problem betrifft den gesamten Kreis gleichermaßen, wie Lutz Frank sagt. Er ist Besitzer des „Restaurants am Ihlsee“ in Bad Segeberg und auch Vorsitzender des Kreisverbandes Segeberg des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Er sagt: „Das Problem haben im Moment eigentlich alle Kollegen im Kreis. Der Umsatzrückgang ist oft größer als 50 Prozent“. Auch sein Lokal sei betroffen, viele Kunden blieben derzeit zu Hause.

Die Kunden sitzen verunsichert zu Hause – auch wenn sie geboostert sind

Zu den Gründen sagt Frank: „Viele Menschen sind einfach verunsichert und machen sich Sorgen um ihre Gesundheit. Sie hören im Radio und im Fernsehen, dass sie wegen der Omikron-Welle ihre Kontakte reduzieren sollen und verzichten dann auf den Restaurantbesuch - auch, wenn sie geboostert sind.“ Zudem

verstünden manche die aktuellen Regeln nicht und wüssten gar nicht, ob sie überhaupt in ein Restaurant gehen dürfen. Wieder andere, die zweimal geimpft seien, blieben wegen der Testpflicht zu Hause. Denn sie müssen vor dem Restaurantbesuch einen aktuellen PCR-Test oder einen Antigen-Schnelltest vorlegen (siehe Infokasten). „Manche wollen da natürlich nicht extra einen Termin machen oder in der Schlange stehen. Die machen sich dann lieber zu Hause ein paar Bratkartoffeln“, sagt Frank.

Er bemängelt auch, dass es viel zu wenig Testzentren gebe. „Wir im Dehoga stellen fest, dass es in der Fläche daran einfach fehlt, im Kreis Segeberg und auch in anderen Regionen. Wenn jemand zwölf Kilometer mit dem Auto zu einem Testzentrum fahren muss, nur um bei sich um die Ecke essen zu gehen, dann lässt er das natürlich.“

Die derzeitigen Probleme treffen die Gastronomen zur Unzeit – denn nach den coronabedingten Schließungen der vergangenen Jahre sahen viele im Sommer erstmals wieder Licht am Ende des Tunnels. „Die Gäste waren zurückgekehrt. Es ging auch im Herbst wieder bergauf und wir waren optimistisch“, sagt Suntke Garbe. Doch dann gab es im Dezember wieder coronabedingte Einbrüche, viele der für das Geschäft so wichtigen Weihnachtsfeiern wurden abgesagt. Ganz ähnlich schildern es andere Gastronomen.

Schließungen würden Kurzarbeit bedeuten

Wegen der derzeitigen Lage haben einige Hamburger Restaurants für eine Weile ganz zugemacht – ein bekanntes Beispiel ist die „Bullerei“ des Fernsehkochs Tim Mälzer. Christl El Kailani möchte hingegen eine Schließung vermeiden. Einer der Hauptgründe: „Dann müsste ich meine Angestellten in Kurzarbeit schicken, die verdienen dann weniger. Und die haben alle Familie.“ Lutz Frank: „Rein wirtschaftlich betrachtet, müsste man überlegen, die Öffnungszeiten einzuschränken. Aber ich möchte meine Mitarbeiter behalten. Wegen Corona sind schon viel zu viele ganz aus der Branche abgewandert.“

Suntke Garbe betont: „Wir haben ein tolles Team und wollen auf gar keinen Fall jemanden verlieren.“ Aber er sagt auch: „Es gibt den Punkt, an dem ein Betrieb nicht mehr wirtschaftlich ist. Irgendwann müssten wir in Erwägung ziehen, zu schließen.“ Wie viele Gastronomen hoffe er sehr, darum herum zu kommen. So sieht es auch Raffaele Claudio: „Im Moment machen wir weiter und behalten die normalen Öffnungszeiten bei. Aber natürlich müssen wir auch sehen, wie sich die Situation entwickelt.“

Erst einmal bleibt nur die Hoffnung, dass sich die Lage bald bessert. „Ich baue darauf, dass der Laden irgendwann wieder brummt wie früher. Aber wenn das noch ein Jahr so weiterginge, würde ich aufhören“, so Petros Triantis. Christl El Kailani sagt: „Zwei, drei Wochen halten wir das noch durch. Aber dann muss es sich normalisieren.“

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