Agenda 2022

Die wichtigsten Projekte in Henstedt-Ulzburg und dem Umland

| Lesedauer: 10 Minuten
Christopher Herbst
Die Henstedt-Ulzburger Bürgermeisterin Ulrike Schmidt vor dem Rathaus.

Die Henstedt-Ulzburger Bürgermeisterin Ulrike Schmidt vor dem Rathaus.

Foto: Thorsten Ahlf

Die Serie über die großen Projekte der wichtigsten Städte, Ämter und Kommunen im Kreis Segeberg

Henstedt-Ulzburg.  Das neue Jahr wird in Henstedt-Ulzburg von den Planungen für das neue Alstergymnasium, die Entwicklung neuer Wohngebiete wie am Schäferkampsweg und von gefördertem Wohnraum sowie der Beratung über ein „Haus des Sports“ geprägt sein. Auch ein Konzept für eine Feuerwache auf dem Rhen soll erarbeitet werden.

1. Neubau Alstergymnasium: Politik, Verwaltung und Schule haben sich auf einen Standort für das neue Alstergymnasium geeignet – im Prinzip wird die jetzige Fläche nach Norden erweitert. Eine externe Bauberatung soll den Prozess begleiten, die Projektsteuerung muss vergeben werden. Die Schule wird ein Bedarfskonzept entwickeln. (Planungskosten für 2022: 228.400 Euro). Die Sanierung der Decken und der Beleuchtung (170.700 Euro) wird im Sommer abgeschlossen, im Frühjahr werden die Trinkwasseranlagen in den Sporthallen saniert (200.000 Euro).

2. Neue Feuerwache: Es ist über zwei Jahre her, dass die Gemeinde eine Fläche im Bereich Kiefernweg/Norderstedter Straße für den Bau einer neuen Feuerwache erworben hat. Nach dem Wechsel in der Wehrführung wird die Bedarfsplanung überarbeitet, das betrifft das Raumkonzept, das Außengelände, aber auch die Akquise von Einsatzkräften. Von der Wache soll der Ortsteil Rhen abgedeckt werden können, da die gesetzlichen Hilfsfristen derzeit nicht immer eingehalten werden können. Die Norderstedter Feuerwehr leistet hier Amtshilfe, der entsprechende Vertrag wurde um drei weitere Jahre verlängert.

3. Wohnquartier Schäferkampsweg: Der B-Plan 98 für die Umwandlung der SVHU-Sportfläche am Schäferkampsweg in ein Wohnquartier dürfte 2022 Satzungsreife erlangen. Sowohl geförderte als auch frei finanzierte Wohneinheiten (insgesamt 100) sind vorgesehen – als Doppel-, Reihen- und Mehrfamilienhäuser.

4. Neubau Haus des Sports: Während der SV Henstedt-Ulzburg sein „Sportland“ mit eigenen Mitteln sanieren wird, laufen die Planungen für den mittelfristigen Neubau eines „Haus des Sports“. Die dafür anvisierte Eigentumsübertragung muss allerdings noch steuerrechtlich abgesichert werden, da dem Verein ansonsten der Verlust der Gemeinnützigkeit droht. Ausgeschlossen ist, dass die Gemeinde einen hohen Kaufpreis zahlt.

5. Sanierung Abwassersystem: Zwischen Edisonstraße und Dammstücken wird der Schmutzwassersammler ausgebaut (1,9 Mio. Euro), Kanalsanierungen auf dem Rhen und in Henstedt kosten rund 700.000 Euro, der hydraulische Vollausbau diverser Bereiche (Rhen und Ulzburg-Süd) insgesamt rund 3,8 Millionen Euro.

6. Neue Schlappenmoorbrücke: Im Naturschutzgebiet Oberalsterniederung wird für 110.000 Euro – 60.000 Euro sind Fördermittel der Aktivregion Alsterland – eine neue Schlappenmoorbrücke in Holzbauweise errichtet.

7. Neue Bike+Ride-Anlage: Für 260.000 Euro wird im vierten Quartal am Bahnhof Ulzburg-Süd eine Bike+Ride-Anlage mit mehreren Dutzend geschützten Abstellplätzen gebaut. Bis zu 75 Prozent könnten über den Verkehrsverbund Nah.SH gefördert werden.

8. Notstromversorgung: Für den Katastrophenfall sollen das Rathaus, die Feuerwachen an der Maurepasstraße und in Götzberg sowie der Baubetriebshof mit Notstromversorgung ausgestattet werden (472.100 Euro).

9. Mehr Personal im Rathaus: Die Umstrukturierung der Verwaltung wird abgeschlossen. Über 20 neue Stellen sollen besetzt werden, die Mehrkosten betragen 1,5 bis 1,7 Millionen Euro. Vakant war zum Jahreswechsel weiterhin der wichtige Posten des Büroleiters/der Büroleiterin.

10. Kisdorf: Die gemeindeeigene Fläche im Bereich Winsener Straße/Am Stocksberg soll erschlossen werden, hier wird voraussichtlich 2023 eine neue Feuerwache gebaut. Die Erweiterung des Kindergartens steht bevor – von den Gesamtkosten (3,5 Mio. Euro) werden 1,1 Millionen Euro gefördert. Der Schulverband plant eine neue Sporthalle (4 Mio. Euro). Die Straße Ton Hogenbargen wird für 500.000 Euro teilsaniert.

11. Wakendorf II: Die Grundschule wird zu einer Offenen Ganztagsschule. Parallel zum historischen Altgebäude ist eine einstöckige Erweiterung vorgesehen. Die Kosten betragen rund 825.000 Euro. Weil die Gemeinde Einnahmen aus Grundstücksverkäufen einplanen kann, muss kein Kredit aufgenommen werden.

12. Oersdorf: Im Bereich nördlich des Rosenwegs entsteht ein neues Baugebiet. Im zugehörigen Bebauungsplan soll unter anderem eine Mindestgröße der Grundstücke von 600 Quadratmetern sowie eine maximale Firsthöhe von 8,50 Metern festgelegt werden.

13. Winsen: Die Freiwillige Feuerwehr möchte ihr 29 Jahre altes Tragkraftspritzenfahrzeug ersetzen, da es an Angeboten von Ersatzteilen für Reparaturen mangelt. Kostenpunkt: 350.000 Euro (inklusive möglicher Fördermittel des Kreises).

14. Struvenhütten: Im Bereich zwischen Hasenmoor und Struvenhütten ist ein Bürgerwindpark geplant mit sechs Anlagen – jeweils drei auf dem Gebiet der beiden Orte. Hierfür könnte in Struvenhütten eine Bürgerenergie-Gesellschaft gegründet werden, wenn es Interesse aus der Bevölkerung gibt.

15. Sievershütten: Die Gemeinde überarbeitet den Flächennutzungsplan, dazu läuft parallel das Verfahren zum Ortsentwicklungskonzept – hier haben Bürger die Möglichkeit, Potenzialflächen zu benennen. Beraten wird auch über die Einführung eines Dörpsmobils, das im Sinne des Carsharing der Gemeinde und der Bevölkerung zur Verfügung stehen könnte.

16. Stuvenborn: 15 von 17 Grundstücken im Neubaugebiet Ruhlowwiese sind Ende 2021 verkauft worden. Die Bauanträge sind bereits gestellt. An der Kalten Weide laufen die Planungen für ein neues Feuerwehr-Gerätehaus inklusive Station für den Rettungsdienst der RKiSH. Und für die zusammen mit Hüttblek und Sievershütten betriebene Kita sowie die Grundschule, die eine Offene Ganztagsschule werden soll, stellt sich jeweils die Frage, in welchem Umfang eine Sanierung noch Sinn macht, oder ob auch hier ein Neubau ratsam ist.

Seit Juni 2020 ist Ulrike Schmidt (48) Bürgermeisterin von Henstedt-Ulzburg. Im Interview mit dem Hamburger Abendblatt spricht sie über die Ziele der Großgemeinde im neuen Jahr.

Frau Schmidt, die in mancher Hinsicht so unterschiedlichen Ortsteile sollen mit dem Integrierten Gemeinde-Entwicklungskonzept (IGEK) jeweils einen Leitfaden für die Zukunft erhalten. Werden Sie hiermit 2022 fertig?

Wir rechnen schon damit, dass das auch im Herbst abgeschlossen sein wird und wir mit einer großen Veranstaltung an die Öffentlichkeit gehen können. Wir haben noch zwei Arbeitskreise nachzuholen, da geht es noch mal um die Themen Betreuung und Wohnen. Dann folgt eine Ausschusssitzung, wo wir die zentralen Bestandteile des gesamten Konzepts dann abstimmen, aber auch für eine Bürgerbeteiligung noch einmal vorbereiten wollen. Mit dieser wollen wir verschiedene Personengruppen einbeziehen und uns mit einer Rückmeldung absichern für den Prozess, inwiefern der dann noch aktuell ist und den Wünschen und Vorstellungen der Bevölkerung entspricht.

Wird das IGEK eine klare Anleitung liefern, was geplant, organisiert oder gebaut werden darf?

Wir wollen einen konkreten Maßnahmenkatalog. Das sind ganz klare Vorgaben. Das ist für uns gut, für die Verwaltung, für die Politik und für die Bürgerschaft. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir uns praktisch nicht nur eine Mehrheit abholen, sondern das fast einstimmig gestalten.

Muss Henstedt-Ulzburg wachsen? Nicht alle Bürger wollen das.

Ein Wachstum ist natürlich ganz normal. Dem kann man gar nicht entgegenwirken, auch wenn man es möchte vielleicht. Wir haben hier ja eine große Herausforderung, dass unsere jungen Menschen hier auch ihren Lebensmittelpunkt haben wollen, und das müssen wir auch mit der zugehörigen sozialen Infrastruktur möglich machen. Wir brauchen weiterhin sozial geförderten Wohnungsbau. Die Kinderbetreuung muss gewährleistet sein. Wir brauchen Ausbildungsplätze, Vereine, Verbände, die ärztliche Versorgung.

Wo entsteht geförderter Wohnraum?

Wir haben immer noch den Bedarf an 500 Wohneinheiten, vielleicht hat sich das sogar ein bisschen nach oben angehoben. Im Virchowring haben wir zu 100 Prozent geförderten Wohnungsbau, im Schäferkampsweg werden wir fast 60 Prozent haben mit 57 Wohnungen. In der Norderstedter Straße sollen auch noch einmal zwölf geförderte Wohnungen dazu kommen, im Dammstücken und im Spatzenwinkel jeweils zehn. Und wir haben den Grundsatzbeschluss von mindestens 30 Prozent gefördertem Wohnungsbau bei neuen Baugebieten oder B-Plan-Änderungen.

Verglichen etwa mit Norderstedt, verfügt Ihre Gemeinde über weniger Bauland.

Wir müssen da tatsächlich auch in Zukunft über andere Konzepte nachdenken. Wir haben sehr viele Senioren und Seniorinnen, die ganz alleine in ihren Häusern wohnen. Natürlich schon ihr Leben lang. Es gibt sicher viele, die ausziehen möchten, aber die keine andere Möglichkeit haben, die müssen wir natürlich erstmal herstellen. Daher ist es eben wichtig, dass wir sozial geförderten Wohnungsbau vorantreiben, aber vielleicht auch überlegen, einen Wohnungstausch herzustellen.

Die Politik hat 21 Vollzeitstellen für Ihre Verwaltung bewilligt. Bekommen Sie diese besetzt?

Wir werden einen ganzen Schwung neuer Leitungspositionen ausschreiben. Wir stellen uns neu auf, es ist spannend, weil man viele Gestaltungsmöglichkeiten hat, wenn man neu anfängt als Fachbereichsleitung.

Die Konkurrenz unter den Kommunen ist groß.

Das ist ja ein bisschen Segen und Fluch unserer Region. Das gibt uns viele Möglichkeiten, ist aber auch ein strammer Wettbewerb. Und gerade Fachkräfte werden ja überall gesucht, da müssen wir uns positionieren. Vieles ist tariflich geregelt. Wo ist der Spielraum? Das Arbeitsumfeld spielt schon eine große Rolle. Das Arbeitsklima muss einfach stimmen. Das ist schon ein Anreiz, hier zu bleiben oder sich im negativen Falle eben weg zu bewerben. Auch ein gutes Gesundheitsmanagement, Sportförderung, Anreize wie E-Bikes, eine Mitgliedschaft im Fitnesscenter. Und wie gesagt, die soziale Infrastruktur muss stimmen.

Welche Prioritäten wollen Sie darüber hinaus setzen?

Eines der großen Ziele ist, Begegnungsorte zu schaffen. Das soll ein Bürgerpark bieten. Eine Priorität ist der Radverkehr. Aber wir wollen auch die Kommunikation verbessern mit den Bürgern, uns in der Außendarstellung neu aufstellen – mit Social Media, vielleicht einem Gemeindeblatt, das in alle Haushalte flattert. Auch im Bürgerservice wollen wir besser werden. Ideen haben wir viele, aber wir brauchen Personal.

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