1300 Wohneinheiten

Vorschusslorbeeren für die „Grüne Heyde“

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Burkhard Fuchs
47 Hektar groß ist das Baugebiet zwischen Schulweg, Mühlenweg, Gewerbegebiet Harkshörn und der Harckesheyde.

47 Hektar groß ist das Baugebiet zwischen Schulweg, Mühlenweg, Gewerbegebiet Harkshörn und der Harckesheyde.

Foto: Burkhard Fuchs

Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen zeichnet Norderstedts Vorzeigebaugebiet nördlich der Harckesheyde aus.

Norderstedt.  Es ist ein Langzeitprojekt für die Stadtentwicklung Norderstedts. Noch ist keine der geplanten 1300 Wohneinheiten auf diesem 47 Hektar großen Areal nördlich der Harckesheyde errichtet worden. Das soll erst in vier Jahren losgehen, sagt Baudezernent Christoph Magazowski. Aber die Vorschusslorbeeren für das bisher wohl umweltfreundlichste Baugebiet Norderstedts, die „Grüne Heyde“, sind gewaltig: Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat die Pläne für „die letzte neue, große Wohnbaufläche in Norderstedt“ mit ihrer höchsten Auszeichnung vorab geehrt: der Platin-Zertifizierung.

Das Flächenmanagement, das Energiekonzept, die Baumaterialien und die Angebote zur Mobilitätswende für die künftigen 4000 bis 5000 Neubürger habe die Jury voll überzeugt, sagte DGNB-Vizepräsident Hermann Horster bei der Preisverleihung im Rathaus. Die Ideen und Angebote für zukunftsträchtige und nachhaltige Wohnformen seien hier zwischen Schulweg, Mühlenweg, Gewerbegebiet Harkshörn und der Harckesheyde so vorbildlich und zahlreich gestaltet, dass die DGNB nicht umhingekommen sei, diese Auszeichnung auszusprechen. Die DGNB ist ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht habe, nachhaltiges Bauen und das Betreiben einer nachhaltigen Umwelt zu fördern.

Ein Blockheizkraftwerk, Solarthermie und Erdwärme sollen vor Ort Strom erzeugen und die Wohnungen, Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser mit erneuerbaren Energien beheizen, erklärte Stadtbaurat Magazowski. Rad- und Fußwege würden das gesamte Gebiet großzügig erschließen und im Süden direkt in den benachbarten, 75 Hektar großen Stadtpark führen.

Autos und andere Kraftfahrzeuge sollen dagegen weitgehend verbannt werden. An den Ein- und Zugängen des Baugebiets müssen die Fahrzeuge der Anwohner und Besucher in Tiefgaragen geparkt werden, da an der Oberfläche nur noch ein Pkw-Stellplatz für fünf Geschosswohnungen zur Verfügung stehen werde, erklärte Magazowski. Stattdessen sollen die Anwohner mit Car- und Bike-Sharing-Angeboten, wozu auch das Ausleihen von Bollerwagen gehören soll, sowie Kleinbussystemen zum „autoarmen Wohnen“ erzogen werden.

„Wir fangen hier etwas Neues an und wollen die Verkehrswende in Norderstedt aktiv gestalten“, erklärt der Zweite Stadtrat Magazowski. Zudem solle ein großer Teich im Neubaugebiet als Puffer bei künftigen Starkregen-Ereignissen dienen und so das Kanalnetz entlasten.

Gemeinschaftliches Wohnen soll gefördert werden

Für ein gutes soziales Klima im Quartier sollen Innenhöfe und andere Begegnungsräume sorgen, so Magazowski. Ziel ist es, das gemeinschaftliche Wohnen und generationenübergreifende Miteinander zu fördern.

Für die Realisierung eines solchen innovativen städtebaulichen Konzepts bedürfe es eines langen Atems bei allen Beteiligten, Verwaltung, Politik, Interessenten und Investoren, sagt Bosse. Der langjährige Baudezernent Norderstedts und Amtsvorgänger Magazowski war es, der bereits vor zehn Jahren das Neubauvorhaben „Grüne Heyde“ auf den Weg brachte. „Damals waren sich alle einig, dass wir so ein Leuchtturmprojekt in Norderstedt realisieren wollen“, sagte der Initiator im Ruhestand.

Er könne sich noch gut an eine der ersten Bürgeranhörungen zur „Grünen Heyde“ mit Anwohnern erinnern, erzählte Bosse. Da habe ein junger Familienvater geklagt: „Ihr nehmt uns hier die letzte grüne Wiese weg. Dabei will ich doch in Ruhe von meiner Terrasse aus den Sonnenuntergang genießen.“ Doch wenn von 2025 an die ersten Häuser hier errichtet werden sollten, machten dessen Kinder Abitur, und er sei womöglich Großvater, wenn die „Grüne Heyde“ Mitte der 2030er-Jahre komplett bebaut sein wird, betonte der Ex-Baudezernent. „Das hier ist ein Lernprojekt für die Stadt, das lange Zeiträume braucht und viel Vertrauen und Kommunikation mit den Anwohnern erfordert.“

Zurzeit liefen die Grundstücksverhandlungen mit den Eigentümern, erklärte Amtsnachfolger Magazowski. Aus den ehemals 40 verschiedenen Eigentümern seien noch etwa sechs verblieben, zumeist professionelle, institutionalisierte Investoren und Projektentwickler, mit denen sich aus Sicht der Stadt besser planen und verhandeln ließe. Ein Viertel des Geländes gehöre ohnehin bereits der Norderstedter Entwicklungsgesellschaft (EGNO). Mitte nächsten Jahres soll das Bauleitverfahren abgeschlossen sein.

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