Norderstedt

Totalausfall – wilhelm.tel-Chef entschuldigt sich

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Burkhard Fuchs
 Wilhelm.tel-Chef Theo Weirich: „Dieser Fehler hätte nie passieren dürfen.  Dafür können wir uns nur entschuldigen.“

Wilhelm.tel-Chef Theo Weirich: „Dieser Fehler hätte nie passieren dürfen.  Dafür können wir uns nur entschuldigen.“

Foto: Burkhard Fuchs

75.000 Glasfaser-Kunden konnten sich wegen eines Software-Problems nicht ins Internet einwählen. Das sagt der wilhelm.tel-Chef.

Norderstedt.  Das war ein regelrechter Super-Gau für das Norderstedter Telekommunikationsunternehmen wilhelm.tel, sagt Geschäftsführer Theo Weirich. „Wir hatten einen totalen Zusammenbruch unseres Internetsystems zur Zeitumstellung am letzten Oktober-Wochenende.“ Einen solchen Komplettausfall habe es in der 25-jährigen Geschichte des Norderstedter Unternehmens noch nicht gegeben. 75.000 Anschlüsse seien betroffen gewesen und für mehrere Stunden ohne Internetzugang geblieben.

Aufgetreten sei das Problem genau zur Zeitumstellung in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober, erklärt Weirich. Da hätten sich die IP-Adressen der wilhelm.tel-Kunden ganz normal in das System einwählen sollen. Doch jenen 75.000 Kunden, die dies zwischen 2 Uhr nachts und 11 Uhr am Vormittag aus Norderstedt, Hamburg, Quickborn, Pinneberg und dem weiteren Umland über den wilhelm.tel-Provider probiert hätten, sei dies auch mehrmals nicht gelungen, so Weirich. „Sogar Wacken war betroffen.“

Totalausfall bei wilhelm.tel: Chef entschuldigt sich

Der Fehler habe eindeutig bei seinem Unternehmen gelegen, erklärt der wilhelm.tel-Chef. „Es war ein Software-Problem, mit dem wir nicht gerechnet haben und das auch nicht hätte auftreten dürfen. Das hatte keiner auf der Uhr.“ Die Techniker hätten sofort, noch in der Nacht zum Sonntag versucht, den Fehler zu beheben. „Doch das hat lange gedauert“, sagt Weirich. Die Problemlösung und die Aufarbeitung ihrer Nachwehen und Kollateralschäden hätte einige Stunden intensiver Bearbeitung in Anspruch genommen. Alle Server seien „überlastet“ gewesen. „Dieser Fehler wird nicht wieder vorkommen, mit Sicherheit nicht in den nächsten 50 Jahren“, verspricht Weirich. „Das ist natürlich keine Entschuldigung. Der Fehler hätte nicht passieren dürfen.“

Natürlich habe es eine Vielzahl an Beschwerden und Nachfragen der Glasfaserkunden gegeben, sagt Weirich. „Das war eine fünfstellige Zahl an Kunden.“ Dafür könne er sich nur bei den Betroffenen entschuldigen.

Nicht ins Netz gekommen seien alle diejenigen, die sich in dieser Zeit der Störung ins Internet einwählen wollten. Wer vorher schon drin war, habe Glück gehabt und konnte weiter im weltweiten Datennetz surfen, chatten oder Filme streamen.

Ausfall bei wilhelm.tel: Fünfstellige Zahl an Kunden betroffen

„Wir sind natürlich nicht begeistert darüber“, gesteht Weirich ein. Das verhagelt wilhelm.tel die ansonsten gute Jahresbilanz. Im gesamten Jahr habe es nur Ausfälle von vielleicht insgesamt vier Stunden gegeben. Von dieser Großstörung sei dagegen jeder dritte wilhelm.tel-Glasfaser-Kunde betroffen gewesen. Wie hoch der finanzielle Schaden ausfallen wird, könne er noch nicht sagen. Schadenersatzforderungen gebe es bislang noch nicht.

Das 100-prozentige Stadtwerke-Unternehmen wilhelm.tel erwirtschaftet mit knapp 130 Mitarbeitern rund 75 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Im Jahr 2019 hat wilhelm.tel mit rund elf Millionen Euro Gewinn nach Steuern den Löwenanteil des Stadtwerke-Gewinns ausgemacht, der 2019 insgesamt 14,4 Millionen Euro betrug.

Zum Jahresabschluss des Geschäftsjahrs hieß es noch von der wilhelm.tel-Geschäftsführung: „Ein in sich geschlossenes, internes Risikofrüherkennungssystem ist implementiert. Das Risikohandbuch wird laufend aktualisiert. Es regelt die Prozesse der Risikoidentifikation, der Risikobewertung und -analyse, der Risikokommunikation und der Risikosteuerung.“

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