Norderstedt

Das Blumenhaus Köhnke ist gerettet

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Nachfolger gefunden: Christine Preusser übernimmt das Blumenhaus Köhnke von Astrid Krellenberg, die schwer krank ist.

Nachfolger gefunden: Christine Preusser übernimmt das Blumenhaus Köhnke von Astrid Krellenberg, die schwer krank ist.

Foto: Miriam Opresnik

Die ehemalige Mitarbeiterin Christine Preusser übernimmt den Laden, dem wegen einer Erkrankung der Besitzerin die Schließung drohte.

Norderstedt. Manchmal hat sie sich gefragt, was sie wohl anders machen würde, wenn sie einen eigenen Laden hätte. Wenn sie die Chefin wäre und alles bestimmen könnte. Ein paar Mal hat sie sich vorgestellt, wie sie den Laden einrichten würde und welche Blumen es bei ihr gebe. Besonders sollte es sein. Modern und stylisch, aber nicht abgehoben. Klassisch, aber nicht veraltet. Es sind Gedanken, die vielen Angestellten mal kommen. So war es auch bei Christine Preusser (34), wenn sie in den vergangenen Jahren einen Blumenstrauß gebunden hat und immer mal wieder über das „Was wäre wenn“ nachgedacht hat. Trotzdem, oder gerade deswegen: Sie hat nie vorgehabt, sich selbstständig zu machen, nie Immobilienanzeigen studiert, nie nach einem Laden gesucht. Bis er plötzlich einfach da war. Ein gutlaufender Blumenladen, für den dringend ein Nachfolger gesucht wird. Und es ist nicht irgendein Laden. Es ist das Geschäft, in dem sie vor Jahren als Aushilfe gearbeitet hat.

Drei Jahre ist es jetzt her, dass Christine Preusser im Blumenhaus Köhnke an der Ulzburger Straße auf 400- Euro-Basis gejobbt hat. Sie hätte dort gerne fest gearbeitet, doch es gab keine freie Stelle. Daher suchte sie sich irgendwann etwas anderes – blieb aber mit ihrer alten Chefin Astrid Krellenberg über Facebook im Kontakt. Als sie eines Tages einen Eintrag las, dass eine Nachfolgerin für das Blumengeschäft gesucht wird, war da plötzlich ein Kribbeln im Bauch. Das Gefühl hat sie überrascht, überrannt. Gedanken im Kopf aufgeworfen, die zuvor nie gewesen zu sein schienen: Wäre das etwas für sie?

Sie will nicht von Schicksal sprechen, klingt irgendwie zu abgedroschen und spirituell. Und doch sagt sie heute, dass es einfach kein Zufall gewesen sein kann. In ihrer Erinnerung schrumpfen die vergangenen Monate auf wenige Momente zusammen: die Gespräche mit ihrem Mann, die Pro- und Contraliste, die sie erstellt. Die erste E-Mail an die Inhaberin Astrid Krellenberg und ihr erstes Gespräch. Die Sehnsucht, die plötzlich aufkeimt. Das Hoffen – und Bangen, ob alles klappt.

Es hat geklappt. Seit ein paar Wochen ist Christine Preusser die neue Inhaberin des Blumenhauses Köhnke, am Montag eröffnet sie das Geschäft nach längerer Schließzeit wieder. Schon seit Tagen wird ausgemistet und gestrichen, umgeräumt und neu dekoriert. An vielen Tagen ist sie mit ihrem Mann Michael bis 22 Uhr im Laden – oder bindet zu Hause bis spät nach Mitternacht Adventsgestecke. Sie will, dass alles perfekt ist, jeder Kranz, jede Schale soll ein Unikat sein, alles besonders und einzigartig. Vor zwei Wochen ist die Mutter eines dreijährigen Sohnes das erste Mal auf den Großmarkt gefahren, morgens um 4 Uhr, und hat sich bei den Händlern vorgestellt. Die meisten haben bereits auf sie gewartet, Astrid Krellenberg hat sie über die Übernahme informiert.

Es hat sich rumgesprochen, dass sie das Traditionsunternehmen an der Ulzburger Straße übernimmt. Wenn sie im Laden steht und Schalen bepflanzt oder Gestecke bindet, kommen immer wieder Kunden rein, um Vorbestellungen aufzugeben oder mit ihr zu quatschen. „Die Reaktionen sind überwältigend“, sagt Christine Preusser. Auch wenn es schon einige Jahre her ist, dass sie in Norderstedt gearbeitet hat, kennt sie noch immer viele Kunden – und viele Kunden kennen sie. „Die Verbundenheit mit den Kunden hat mich gereizt“, so die Jungunternehmerin. „Ich hätte nie einen neuen Laden an einem neuen Standort eröffnen wollen. Das wäre mir zu unsicher gewesen. Hier weiß ich, dass alles stimmt.“

Immer wieder in den letzten Wochen hat sie Nachrichten und Fotos aus dem Laden an die ehemalige Inhaberin Astrid Krellenberg geschickt. Christine Preusser möchte sie teilhaben lassen. Ihr das Gefühl geben, immer noch Teil des Ladens zu sein, auch wenn sie ihn selbst nicht mehr betreiben kann. 21 Jahre lang hat Astrid Krellenberg den Familienbetrieb geleitet. Für sie war das Geschäft nie nur ein Laden, nie nur ein Lohnverdienst. Es war ihr „Baby“. Als sie Anfang des Jahres schwer erkrankte, hat sie lange versucht, den Betrieb vom Krankenhaus aus weiterzuführen. Bis feststand, dass sie einen Nachfolger braucht – oder das Traditionsunternehmen nach 30 Jahren geschlossen werden muss.

Sie ist froh, dass ihr Lebenswerk in gute Hände kommt. Dass Christine Preusser das Geschäft in ihrem Sinne weiterführt. Seit ein paar Wochen ist Astrid Krellenberg endlich wieder zu Hause. Sie hofft, dass sie es ihr wieder so gut geht, dass sie mal in den Laden kann. Irgendwann. Das ist ihr wichtig.

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