Schröters Wochenschau

Etwas weniger Erleuchtung, bitte!

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Jan Schröter
Kolumnist Jan Schröter.

Kolumnist Jan Schröter.

Foto: Sophie Labyk

In der Norderstedter Stadtvertretung plädier die Linken für die Einsetzung eines oder einer „Lichtschutzbeauftragten“. Fand ich spontan super...

Dieser November ist sowas von trübe, da wäre es durchaus wünschenswert, dass sich mal jemand um optimierte Belichtung kümmert. Außerdem erwog ich sofort, mich um diesen völlig neuen Posten zu bewerben. Lichtschalter anknipsen, das kriege ich gerade noch hin.

Bei näherer Ansicht des Jobprofils ergab sich jedoch, dass es den Antragstellern nicht um mehr Licht geht, sondern um weniger. Weniger Licht als im November geht kaum noch, weshalb viele viel Licht anmachen. Straßen werden beleuchtet, Lagerhallen, Fabriken, Geschäfte, Parks und Gärten. Nicht nur, damit man sie sieht. Sondern auch, damit man sieht, wer sich darin umsieht. Schließlich gilt die dunkle Jahreszeit als Hochsaison der Diebe & Einbrecher.

Auch Privatleute verleihen gerne ihrem Grundstück mittels handelsüblicher Halogenfluter einen Hauch von Hochsicherheitstrakt, was komplette Straßenzüge taghell erleuchtet, wenn wieder eine dödelige Spitzmaus den Sensorbereich der Bewegungsmelder kreuzt. Und das alles hat Folgen. Wissenschaftler der Uni Mainz haben errechnet, dass an deutschen Straßenlaternen pro Nacht eine Milliarde Insekten sterben. Weil sie so lange um die Kunstlichtquelle schwirren, bis sie vor Erschöpfung sterben – also, nicht die Wissenschaftler, sondern die Insekten. Die kleinen Flatterviecher ticken demnach ähnlich wie Techno-Jünger auf einem Dauer-Rave: Solange die Lightshow läuft, wird gezappelt, als gäb’s kein Morgen.

Halogenfluter des Nachbarn mit dem Luftgewehr erledigt

Diese Analogie zwischen Tier und Mensch ergäbe vielleicht auch ein interessantes Forschungsthema, aber in dieser Kolumne geht es ja um den Antrag der Norderstedter Linken-Fraktion. Den ich, nach reiflicher Überlegung, unbedingt unterstütze. Ebenso wie das hehre Ziel, die Heimat nach 21 Uhr um mindestens 25 Prozent dunkler zu machen. Dergleichen klappt nur, wenn wir alle mitmachen. Deshalb habe ich bereits letzte Nacht zwei Halogenfluter im Nachbargarten per Luftgewehr erledigt. Außerdem wird das defekte, rechte Fahrlicht an meinem Pkw nicht ersetzt. Ein Scheinwerfer genügt, das reicht bei Motorrädern schließlich auch. Den Rest muss die oder der Lichtschutzbeauftragte richten, zum Beispiel mit der dezidierten Ausarbeitung einer Fassadenbeleuchtungsverordnung. Hunderttausende vor dem Dauertanz-Erschöpfungstod geretteter Insekten werden es uns danken.

Womit auch immer.

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