Kreis Pinneberg

Arboretum soll „einer der zehn schönsten Gärten werden“

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Katja Engler
Herwyn Ehlers (54) aus Hamburg-Niendorf ist der neue Leiter des Arboretums in Ellerhoop. Er will den Winter nutzen, um den Park kräftig zu pflegen.

Herwyn Ehlers (54) aus Hamburg-Niendorf ist der neue Leiter des Arboretums in Ellerhoop. Er will den Winter nutzen, um den Park kräftig zu pflegen.

Foto: Katja Engler

Herwyn Ehlers ist der neue Leiter im Arboretum Ellerhoop. Was der 54-Jährige mit Baumpark und Gartenschau vorhat.

Ellerhoop.  Das Arboretum hat einen neuen Leiter. Nach Jahrzehnten des engagierten Erhaltens und Gestaltens hat Hans-Dieter Warda diese Aufgabe an Herwyn Ehlers (54) übergeben, der sich mit Herzblut ehrenamtlich in dem Ellerhooper Park einbringen will. Das tut er nebenbei, denn in Hamburg behält er seine Firma für Gartenbau, -architektur und -gestaltung. „Ich kenne das Arboretum seit 31 Jahren“, sagt der rotblonde Mann, der im Niendorfer Gehege aufgewachsen ist und den der Hauch eines Naturburschen umweht.

Arboretum: Neuer Leiter will Charakter des Parks erhalten

sDer Schatten von Hans-Dieter Warda, der noch immer im Münsterhof wohnt, ist lang und breit, er hat den Park über Jahrzehnte geprägt, für sein Weiterbestehen gekämpft, seine Eigenheiten ausgebildet. Warda hat Ehlers’ Diplomarbeit betreut, so lange kennen sich die beiden. „Ich habe nicht vor, den Park in seinem Charakter zu verändern“, sagt Ehlers.

Niemals würde er die duftende Narzissenwiese und andere Heiligtümer antasten. Aber Pflegebedarf, den sieht er durchaus. Über den Winter will er überall den Grundschnitt machen und Pflanzen freistellen. Aber zuvor werden 1000 Tulpenzwiebeln gesetzt, damit die Besucher schon im Frühling im Rausch der Farben und Kelche schwelgen können.

Arboretum: Mehr Veranstaltungen geplant, aber kein Disneyland

„Es ist eine spannende, reizvolle Aufgabe für mich als Gärtner. Mein Ziel ist es, dass das Arboretum zu den zehn schönsten Gärten in Deutschland wird“, sagt Herwyn Ehlers. Es mache ihm Spaß, nach draußen zu tragen, was im Arboretum alles passiere, sei es in der Schulbildung oder in der Pflege der Bäume. Veranstaltungen wie das Lichterfest, davon solle es künftig mehr geben. Ein Disneyland mit Gartenambiente – das dürfe es aber auf keinen Fall sein.

Über den Norden hinaus ist die Norddeutsche Gartenschau wenig bekannt, obwohl sie „das schönste gärtnerische Ausflugsziel in Schleswig-Holstein“ sei. Das Arboretum könne mehr Besucher haben und neue, davon ist Ehlers überzeugt. Für Kinder möchte er mehr tun und den Mitgliedern des hoch geschätzten Förderkreises mehr anbieten. Den möchte er verjüngen, stärker einbeziehen und binden – durch Fachvorträge oder besondere kleine Veranstaltungen.

Sein Metier hat Ehlers von der Pike auf gelernt. Nach seiner Ausbildung zum Landschaftsgärtner in Hamburg studierte er zunächst Landespflege und schloss später noch ein Studium der Landschaftsarchitektur an. Nach der Wende war er eine Weile in Dresden und Sachsen unterwegs, eine kurze Zeit in Wien – und dann kam er zurück nach Hamburg. Die Philosophie seiner eigenen Firma beschreibt er so: „Mein engagiertes Team und ich versuchen, neben den rein fachlichen Ausführungen im Garten- und Landschaftsbau auch die Elemente Harmonie, Farbe, Jahreszeit, Kunst und Ästhetik in unsere Arbeiten einfließen zu lassen.“

Arboretum: Ehlers schwärmt für wildromantische Gärten

Seit seiner Kindheit arbeite er im und für den Garten – und hält die Nase in den Wind: „Auf vielen Gartenreisen nach England, Italien, Frankreich, Österreich und in Deutschland haben wir Gärten gesehen und ihre Geschichte und Architektur studiert.“

Seine Favoriten liegen – wenig erstaunlich – in England. Der Mottisfond Abbey Garden, insbesondere der für alte Rosen, sei wunderschön, die zwischen Garten, wilder Natur und Teich eingebettete Gresgarth Hall oder der teils durchgeformte, teils wilde Park von Highgrove, wo Prinz Charles wohnt – Ehlers könnte ewig weiter schwärmen, insbesondere dann, wenn es wildromantisch wird. Denn das mag er besonders. In Deutschland sind ihm der Schwetzinger Schlossgarten, die Insel Mainau oder die Parks in Bad Muskau (Fürst Pückler) und Bad Kromlau besonders lieb.

Das Arboretum habe jetzt schon eine Menge zu bieten, viele verschiedene Pflanzen, eine Blühkette von Februar bis Mitte November. „Das ist attraktiv, und das möchte ich ergänzen und weiter entwickeln und dabei auch die Sträucher einbeziehen“, sagt der Landschaftsarchitekt. Den ersten Monat, seit er sein neues Ehrenamt innehat, war er gefühlt jeden Tag hier, „man sieht und erfährt immer mehr über die Intentionen in den verschiedenen Bereichen.“

Arboretum: Mehr Aufmerksamkeit durch Soziale Medien

Der Park habe „ein tolles Gärtnerteam“, und er habe das Ziel, „begeisterte Leute ranzuholen und eventuell auch Lehrlinge auszubilden“, so Ehlers. Es gelte, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen, „und es hat einen unglaublichen Reiz, hier zu arbeiten“. Ein erster Schritt war für Herwyn Ehlers, die sozialen Netzwerke zu nutzen, einen Instagram- und einen Facebook-Account einzurichten. Dadurch seien plötzlich andere Leute gekommen, „das funktioniert. Und kostet erst mal kein Geld.“

Zu den Ambitionen, das Deutsche Baumschulmuseum in unmittelbarer Nähe des Arboretums anzusiedeln, sagt er: „Ich verstehe die Idee, Gartenthemen und -institutionen als Cluster zu ballen. Man muss gucken, was man daraus macht. Es muss passen. Aber egal was und wie – das Arboretum muss im Zentrum einer zukünftigen Lösung sein.“ Es sei ein perfektes Naherholungsziel, „und das muss publik gemacht werden“.

Überdies ist der neue Chef im Aroboretum der Meinung, dass die Identität der Holsteinischen Heimat und Landschaft ein Wert sei, der erhalten werden müsse.

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