Gedenken

Mahnmal für die alte Segeberger Synagoge eingeweiht

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Heike Linde-Lembke
Torben Miehle, Ljudmila Budnikov, Walter Blender und Asea Filatova von der Jüdischen Gemeinde Bad Segeberg mit Landesrabbiner Isak Aasvestad vor dem Davidstern des Mahnmals.

Torben Miehle, Ljudmila Budnikov, Walter Blender und Asea Filatova von der Jüdischen Gemeinde Bad Segeberg mit Landesrabbiner Isak Aasvestad vor dem Davidstern des Mahnmals.

Foto: Heike Linde-Lembke

Eine stählerne Konstruktion erinnert an das verschwundene jüdische Gotteshaus.

Bad Segeberg.  Etwa 300 Bürgerinnen und Bürger nahmen am Dienstag mit großer Anteilnahme an der Einweihung des Mahnmals für die alte Synagoge in Bad Segeberg teil. „Das Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland hat uns bewogen, auch das ehemalige jüdische Leben wieder sichtbar zu machen, und wir wollen an diesem historischen Ort eine Bau- und Wissenslücke schließen“, sagte Walter Blender, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Segeberg.

Das Mahnmal ist eine stählerne Nachbildung der Fassade der alten, abgerissenen Segeberger Synagoge. Man betritt es durch eine Tür und kommt in einen Raum ohne Dach und Wände, ohne Schutz. Ein herabgestürzter Davidstern symbolisiert die Zerstörung durch die Nazis. An einer angrenzenden Mauer stehen auf Tafeln die Lebensdaten der ehemaligen Jüdinnen und Juden, auf einer weiteren Tafel steht die Geschichte der ehemaligen Synagoge.

Kultur-Staatssekretär Oliver Grundei vertrat die Landesregierung bei der Einweihung: „Das ist ein ganz besonderes Denkmal, denn es schließt eine Lücke und weist auf den Holocaust hin, aber auch darauf, dass jüdisches Leben wieder zu uns gehört.“ Segebergs Bürgervorsteherin Monika Saggau (CDU) sagte: „Jüdisches Leben und Kultur sind wieder ein fester Bestandteil unseres Lebens, doch rechtes Gedankengut wird wieder lauter, und wir müssen alle dafür einstehen, unsere Werte zu erhalten.“ Segebergs Bürgermeister Toni Köppen forderte: „Die Erinnerung darf nicht enden, sie muss auch der Gefahr der Wiederkehr des Holocausts entgegenwirken.“ Landrat Jan Peter Schröder sagte: „Nun kommt an diesem Platz niemand mehr vorbei.“

Für Probst Daniel Havemann macht die Installation aus dem bisherigen Schandfleck wieder einen guten Ort. „Das Denkmal mahnt uns, wachsam zu sein und gegen jede Form von Antisemitismus und Ausgrenzung aufzustehen, doch wir blicken auch mit Zuversicht in die Zukunft“, sagte Landesrabbiner Isak Aasvestad und sprach das Kaddisch, das jüdische Totengebet. Das jüdische Gotteshaus an der Lübecker Straße, Ecke Kirchstraße, schändeten die NS-Schergen in der Nacht vom 9. auf den 10. November, der Reichs-Pogromnacht. Die Ruine machte die Stadt 1962 endgültig dem Erdboden gleich. Doch um die Jahrtausendwende kamen Jüdinnen und Juden nach Bad Segeberg, gründeten 2002 eine neue jüdische Gemeinde und bauten eine neue Synagoge. Diese Gemeinde war es, die das Mahnmal für die geschändete Synagoge initiierte. Vorher war an deren Standort zwar der obere Teil einer Mikwe, des Tauchbads, zu sehen, und Namenstafeln erinnerten an Segebergs verfolgte und ermordete Juden, doch war diese Erinnerungsstätte überwuchert, kaum jemand nahm sie wahr.

( lin )

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