Volkstrauertag

Mahnmal im Kreis: Zwischen Gedenken und Gegenwart

| Lesedauer: 10 Minuten
Frank Knittermeier
An der Grundschule Harksheide-Nord in der Straße Weg am Denkmal erinnert die „dankbare Gemeinde Harksheide“ an die „Helden“, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Die Liste der Toten des Zweiten Weltkrieges ist in der Chronik der Gemeinde Harksheide nachzulesen.

An der Grundschule Harksheide-Nord in der Straße Weg am Denkmal erinnert die „dankbare Gemeinde Harksheide“ an die „Helden“, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Die Liste der Toten des Zweiten Weltkrieges ist in der Chronik der Gemeinde Harksheide nachzulesen.

Foto: Frank Knittermeier

Zum Volkstrauertag – ein Überblick zur Erinnerungskultur und den teilweise umstrittenen Mahnmalen im Kreis Segeberg

Kreis Segeberg.  Der Volkstrauertag, der am kommenden Sonntag, 14. November, deutschlandweit begangenen wird, ist seit 99 Jahren ein staatlicher Gedenktag. Ursprünglich gedachte man der getöteten deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg (9,4 Millionen), inzwischen wird an die Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft aller Nationen erinnert. In vielen Orten finden an diesem Tag Gottesdienste statt, in denen der Toten gedacht wird, anschließend werden Kränze an den Ehrenmalen niedergelegt.

1934 machten die Nazis den Volkstrauertag zum Heldengedenktag, fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges führte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge den Gedenktag für die Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft wieder ein. Dazu zählen auch die Opfer rassistischer Übergriffe. Heute gilt er auch als ein Symbol für Frieden und Versöhnung.

Die in den Dörfern und Städten stehenden Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes aufgebaut oder in eigene Grünanlagen integriert. Um einige Gedenkstätten ranken sich interessante Geschichten. Wer sich die Mühe macht, die verschiedenen, teilweise sehr versteckt liegenden Gedenkstätten aufzusuchen, stellt erhebliche Unterschiede fest: Es gibt Gedenkstätten, die scheinen aus der Zeit gefallen zu sein. Und es gibt durchaus moderne Anlagen.

Unter der Vielfalt der Anlagen gibt es auch bedenkliche Stätten. Zum Beispiel in der Gemeinde Nahe, die vor Jahrzehnten eine große Fläche dafür hergerichtet hat. Die Straße wurde sogar danach benannt: Beim Gedenkplatz. Es gibt viel Platz für die Namen der Gefallenen der beiden Weltkriege. Halbkreisförmig sind auf Feldsteinen beiderseits des Denkmals die Gefallenen des Ersten Weltkriegs verzeichnet. Erstaunlich ist die Inschrift auf dem großen Gedenkstein: „Deutsch sein heißt treu sein.“ Darunter: „Und wer den Tod im heilgen Kampfe fand, ruht auch in fremder Erde im Vaterland.“ Darüber prangt mit dem Eisernen Kreuz das bekannteste Symbol des Dritten Reiches. In der rechtsextremen Szene wird das Eiserne Kreuz teilweise als Substitut für das Hakenkreuz genutzt. Eine extrem rechte Deutung ist allerdings nicht zwingend. Seit dem 6. März 2008 wird das Eiserne Kreuz von der Bundeswehr für „außergewöhnlich tapfere Taten“ wieder verliehen.

Die Gemeindepolitiker in Nahe sind sich durchaus bewusst, dass dieses Ehrenmal kontrovers diskutiert wird. „Es gab natürlich Stimmen, die die Inschrift ändern wollten“, sagt Manfred Hoffmann (CDU), stellvertretender Bürgermeister in Nahe, der diese Änderung selbst aber nicht befürwortet: „Das Ehrenmal ist nach dem Ersten Weltkrieg gestaltet worden, alte Häuser werden ja auch nicht ohne Weiteres abgerissen.“ Gleichwohl kann er sich vorstellen, dass im gemeindlichen Kulturausschuss noch einmal darüber diskutiert wird.

Besonders auffällig ist auch das Ehrenmal in der Parkanlage Am Ehrenhain in Kaltenkirchen: Ein Backstein-Monument, die Inschrift („Denen die für uns starben“) in goldenen Großlettern aufgesetzt. Zu Füßen des Monuments an der Westseite ein größerer Findling mit geschliffener Oberfläche und der Inschrift „1914 (Eisernes Kreuz) 1918 / Dem Andenken unserer Gefallenen/Die dankbare Gemeinde“. Links und rechts davon zwei Steine mit je 16 Namen. 40 Meter westlich von diesem Backsteinmonument steht ein Marmor-Obelisk auf zweistufigem Sandsteinsockel, die Plastik eines Adlers mit ausgebreiteten Flügeln.

In Alveslohe steht an der Kaltenkirchener Straße eine Stele aus hellem Granit mit Kupferplatten, die die Namen und Todesdaten der Gefallenen des Ersten Weltkrieges tragen. 1954 wurden zwei helle Granitblöcke mit eingravierten Namen, Geburts- und Sterbedaten für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges hinzugefügt. Die Gemeinde gedenkt der „gefallenen Helden“, geht aber auch mit der Zeit und gab vor einigen Jahren eine weitere Inschrift als zeitgemäße Ergänzung in Auftrag: „Im Gedenken an alle Opfer von Gewaltherrschaft, Verfolgung und Vertreibung.“

In Norderstedt gab es für kurze Zeit vier Gedenkplätze, inzwischen sind es nur noch drei. Das Denkmal auf dem HSV-Gelände an der Ulzburger Straße existiert nicht mehr. Es wurde dort im Jahre 2000 hergerichtet, nachdem es ursprünglich auf der Sportanlage des HSV an der Rothenbaumchaussee gestanden hatte und dort nach dem Verkauf des Gelände 1996 abgerissen worden war.

Gedenkplätze gibt es in Norderstedt noch auf dem Friedhof in Garstedt („Unseren Helden zur Ehre 1914 - 1918/1939/1945. Unseren Toten in der Heimat zum Gedächtnis. Bund der Heimatvertriebenen Ortsverband Garstedt“), auf dem Friedhof Glashütte („Ihren im Weltkriege 1914-18 Gefallenen, die dankbare Gemeinde Glashütte. Dem Gedenken unserer im Weltkriege 1939-1945 Gefallenen“) und an der Grundschule Harksheide-Nord an der Straße Weg am Denkmal. Dort erinnert die „dankbare Gemeinde Harksheide“ an die „Helden“, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind.

Ein besonderes Kapitel ist das weitläufige Gedenkgelände im Bürgerpark Henstedt-Ulzburg. Hier handelt es sich um ein umstrittenes Erbe aus der NS-Zeit, das einst als monumentaler Fest- und Aufmarschplatz mit neu errichteten Hünengräbern, diversen Findlingen, darunter einem 1938 aufgestellten Gedenkstein zum 90. Jahrestag der Schleswig-Holsteinischen Erhebung („Blutstein“), ausgebaut worden ist. Der Ort ruft trotz der nach 1945 versuchten Umgestaltung widersprüchliche Gefühle hervor und provoziert polarisierende Meinungen. In den vergangenen Jahrzehnten gab es hier häufiger Protestkundgebungen.

Ende der 1990er-Jahre kam es zum Beispiel zu lautstarken Protesten, an denen neben den örtlichen Jusos auch linke Gruppen aus dem Kreis Segeberg und Hamburg beteiligt waren. Sie störten sich am „Heldengedenken“ und stellten dem die Aussage entgegen: „Deutsche Täter sind keine Opfer“. Der „Blutstein“ mit der Aufschrift „Es gilt das Blut als heilige Saat, aus Gräbern wächst die Kraft zur Tat“ wurde auf Beschluss des Ältestenrates der Gemeindevertretung vom Platz entfernt. Jetzt liegt er irgendwo vergraben auf dem Beckersberggelände - wo genau, weiß angeblich niemand. Für die Opfer des Zweiten Weltkrieges und alle anderen Opfer von Gewalt und Willkür sind nach 1945 zwei große Findlinge mit Inschriften als Gedenksteine aufgestellt worden.

Im Gegensatz zu Henstedt-Ulzburg liegt die Gedenkstätte in Wakendorf II mitten im Ort, an der Kreuzung Wilstedter Straße/Naher Straße/Götzberger Straße. „Es starben für Deutschland“ lautet der schlichte Hinweis. Dann folgt die Auflistung der Gefallenen beider Weltkriege.

„Verweile in stiller Ehrfurcht, sie starben für dich“ steht auf dem Gedenkstein in Kayhude. „Vergiss, mein Volk, die teuren Toten nicht“ lautet die Inschrift in Kisdorf. In Wiemersdorf sind am Gedenkstein Kanonenkugeln zu sehen, in Hitzhusen eine Granate auf dem Stein, in Weddelbrook ein Metalreif mit Stahlhelm und Seitengewehr. Auf dem Gedenkstein für die Opfer des Zweiten Weltkrieges gibt es dort in kleiner Schrift noch einen Nachsatz, der nachdenklich stimmen sollte: „ ...Brüder, wie klein ist der Streit.“

Besonders viel Mühe hat man sich in der Gemeinde Hagen gegeben. Dort werden nicht nur die Namen der Gefallenen und Vermissten aufgelistet, sondern auch deren Schicksale. Am Eingang der kleinen eingezäunten Anlage mit drei Findlingen werden ihre Namen mit Fotos und Altersangaben gezeigt.

In der Namensliste der Opfer von Heidmoor tauchen auch zwei Frauen auf, was vermutlich einzigartig ist: „Dorothea Menken, geb. Götsch, und Edith van Riesen, geb. Grohnert“. Dorothea Menken wurde bei einem Tieffliegerangriff getroffen, Edith van Riesen, so heißt es, ist sehr wahrscheinlich auf der Flucht im damals ostpreußischen Königsberg verstorben.

Am Sonntag, 14. November, gibt es im Kreis Segeberg diverse Gedenkveranstaltungen:

Norderstedts Stadtpräsidentin Kathrin Oehme und Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder rufen alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, an der zentralen Veranstaltung am Sonntag, 14. November, von 13 Uhr an, im Plenarsaal des Rathauses teilzunehmen (3-G).

Kränze werden an folgenden Mahnmalen niedergelegt: Mahnmal Friedrichsgabe, 10.45 Uhr; Mahnmal Friedhof Glashütte, 11 Uhr; Mahnmäler auf dem Friedhof Garstedt, 11.15 Uhr; Mahnmal Weg am Denkmal, 11.30 Uhr; Mahnmal Friedhof Harksheide und Mahnmal Kirchenplatz, 11.45 Uhr; Mahnmal „Berliner Mauer“ 12 Uhr; Gedenkstätte Wittmoor, 15 Uhr.

In Henstedt-Ulzburg werden am Sonntag Kränze niedergelegt: Im Ortsteil Henstedt um 11.15 Uhr (im Anschluss an den Gottesdienst) vor dem Ehrenmal auf dem Friedhof Henstedt und im Ortsteil Ulzburg nach der Gedenkfeier um 14.30 Uhr vor dem Ehrenmal auf dem Beckersberggelände.

In Kaltenkirchen hält Pastor Tilman Fuß in der Michaeliskirche, von 11 Uhr an, einen Gottesdienst ab. Gegen 12.30 Uhr geht es zur Kranzniederlegung auf dem Friedhof am Heidland. Teilnehmen werden unter anderem Bürgervorsteher Hans-Jürgen Scheiwe, Bürgermeister Hanno Krause, Mitglieder der Stadtvertretung und Vertreter des Seniorenbeirats, der Jugendstadtvertretung sowie Hans-Jürgen Kütbach, dem Vorsitzenden des Vereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen. Auch am Ehrenhain und an der KZ-Gräberstätte in Moorkaten werden Kränze niedergelegt. Im Anschluss an die Zeremonie auf dem Friedhof gibt es im Dokumentenhaus der KZ-Gedenkstätte Kaffee und Kuchen sowie einen Gedankenaustausch.

In Bad Segeberg gibt es am Sonntag einen Empfang in der Kirchengemeinde Bad Segeberg. Die Feierstunde beginnt um 15 Uhr auf dem Ehrenfriedhof am See. Die Ansprache hält Pastorin Christina Cremonese.

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