Kaltenkirchen

MSC will weiter für Motocross-Platz kämpfen

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Burkhard Fuchs
Die Bürgerinnen und Bürger von Kaltenkirchen stimmten gegen den Motocross-Sport in ihrer Stadt. Doch der MSC Kaltenkirchen gibt nicht auf.

Die Bürgerinnen und Bürger von Kaltenkirchen stimmten gegen den Motocross-Sport in ihrer Stadt. Doch der MSC Kaltenkirchen gibt nicht auf.

Foto: Thorsten Ahlf

Verein will sich nach verlorenem Bürgerentscheid nicht auflösen – Wie ADAC und Landespolitiker helfen sollen.

Kaltenkirchen.  Der Motorsportclub Kaltenkirchen gibt noch nicht auf. „Wir werden im nächsten Jahr noch einmal einen zweiten Anlauf starten, um einen Motocross-Übungsplatz für unseren Verein zu bekommen“, sagt der damit betraute Projektleiter beim MSC, Jörn Schüle.

Motorsportclub Kaltenkirchen will sich nicht auflösen

Nach dem verlorenen Bürgerentscheid vor einem Monat war die Befürchtung groß, der Kaltenkirchener Traditionsverein könnte sich ausgerechnet im 70. Jahr seines Bestehens auflösen. Doch eine spontan einberufene Mitgliederversammlung hat das verhindert. „Das Stimmungsbild der 80 Mitglieder vor Ort war eindeutig“, sagt die Vereinsvorsitzende Monika Henning, deren Vater Wilhelm Henning den Verein 1952 gegründet hatte. „Wir sollen weitermachen. Das sind wir auch jenen 2282 Bürgern schuldig, die beim Bürgerentscheid für uns gestimmt haben.“

Zwar sei etwa ein Dutzend Mitglieder aus Frust ausgetreten, erklärt Monika Henning. Nun gehörten noch etwa 180 Mitglieder dem Verein an. Aber keines der anwesenden Mitglieder, die in ein Lokal nach Hartenholm eingeladen waren, hätte sich dafür ausgesprochen, den Verein aufzulösen, sagt die Vereinsvorsitzende erleichtert. „Die Hoffnung ist groß, dass wir jetzt woanders etwas Geeignetes finden.“ Konkrete Alternativen gebe es allerdings noch nicht.

Mut macht den MSC-Verantwortlichen auch die Unterstützung aus der Kaltenkirchener Politik und der Motorsportverbände. So hätten die Spitzenvertreter von CDU, FDP und AfD, die von Anfang dafür waren, westlich des Autobahn-7-Rastplatzes Moorkaten-West einen „Mehrzweck-Offroadpark für Motorradfahrer, Biker und Quad-Fahrer einzurichten. „Die haben alle gesagt, dass sie weiter hinter uns stehen.“

Motorsportclub sucht Unterstützung auf Landesebene

Gegenüber dem Abendblatt hatten dies – wie berichtet – die Fraktionschefs Kurt Barkowsky (CDU) und Katharina Loedige (FDP) bestätigt. Loedige sagte: „Wenn wir einen Kunstrasenplatz für 1,3 Millionen Euro an der Johannes-Kelmes-Sportanlage ausgeben können, hat der MSC auch seinen Platz verdient.“

Der MSC will sich jetzt weitere starke Mitstreiter auf Landesebene suchen, kündigt Projektleiter Schüle an. Ein erstes Gespräch habe es dazu jetzt beim ADAC in Kiel gegeben, was Thorsten Schulz, Abteilungsleiter für Jugend und Sport beim ADAC in Schleswig-Holstein, auf Nachfrage bestätigt. „Wir unterstützen den MSC Kaltenkirchen bei seinem Vorhaben, eine ortsnahe Trainingsstrecke zu bekommen“, sagt Schulz. Landesweit gebe es etwa 3000 Motorradsportler. Grundsätzlich sei es aber Sache des Vereins, wie er sich nun aufstellt, sagt Schulz. Aber deren Inklusionskonzept, auch sportbegeisterte Radfahrer mit Handicaps in den Gelände-Parcours zu integrieren, halte er für „zielführend“, so der ADAC-Funktionär zum Abendblatt.

Motorsportclub will weiter für Übungsplatz kämpfen

Der Verein möchte auch Vertreter der Landespolitik von seiner Idee überzeugen, kündigt Schüle an. Erste Gesprächstermine mit Vertretern der verschiedenen Landtagsfraktionen seien ausgemacht. Auch das Innenministerium möchte der Verein für sein Nutzungskonzept gewinnen, sagt Schüle. „Wir würden gern erreichen, dass ein politischer Wille da ist, der uns unterstützt.“ Es sei aber noch zu früh, um irgendwelche Ergebnisse präsentieren zu können. Das Ziel aber sei es, im weiteren Umland von Kaltenkirchen ein Gelände zu finden, das für das Offroad-Projekt in Frage käme.

Ob das alles trotz des verlorenen Bürgerentscheids in absehbarer Zukunft gelingt, kann auch Schüle nicht sagen. Er persönlich ist nach dem Rückschlag skeptisch. „Ich sehe da im Moment ziemlich schwarz. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.“ So hatte er sich auch mit der Aussage verschätzt, der Verein stehe nach dem Bürgerentscheid vor dem Aus. „Einfach wird es nicht. Aber wir probieren es jetzt noch einmal“, macht er sich selbst ein wenig Mut.

Unterdessen hat Reinhard Bundschuh, einer der Initiatoren des Bürgerentscheids gegen die Motocross-Strecke in Kaltenkirchen, nach dem Bericht im Abendblatt die Vertreter von CDU und FDP als „schlechte Verlierer“ gescholten. Seit 1990 bestehe in Schleswig-Holstein die Möglichkeit für die Bevölkerung, mit Hilfe eines Bürgerbegehrens mit nachfolgendem Bürgerentscheid politische Beschlüsse in ihrem Sinne zu korrigieren. „Wer diesen demokratischen Vorgang in Frage stellt, zeigt damit, welche Einstellung er zu ernsthafter Beteiligung der Bürger am politischen Entscheidungsprozess hat“, so Bundschuh.

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