Schleswig-Holstein

Corona: Ärztekammer fordert das geordnete Impfen

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Professor Henrik Herrmann, Vorsitzender der Ärztekammer Schleswig-Holstein.

Professor Henrik Herrmann, Vorsitzender der Ärztekammer Schleswig-Holstein.

Foto: ÄKSH / HA

Erwartungshaltung der Patienten führt zu Frust und Ärger in den Praxen. Was die Ärztekammer konkret fordert.

Bad Segeberg.  Die Ärztekammer Schleswig-Holstein (ÄKSH) mit Sitz in Bad Segeberg fordert jetzt eine geordnete Impfkampagne. Sie kritisiert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der sich für Impfauffrischungen auf breiterer Front eingesetzt hat, die laut Impfverordnung generell für alle möglich sein soll. Das schüre Erwartungen und befeuere eine Anspruchshaltung bei Patientinnen und Patienten, die in den Praxen zunehmend zu Frust und Unzufriedenheit führen, teilt die Ärztekammer mit.

Ärztekammer fordert geordnete Impfkampagne

Die Impfempfehlungen müssten sich an wissenschaftlicher Expertise orientieren und nicht dem „politischen Aktionismus“ folgen. Die ÄKSH ruft zur Solidarität auf und spricht sich für eine geordnete Impfkampagne für die Auffrischungs- sowie noch ausstehende Erst- und Zweitimpfungen aus. In den Praxen wachse der Frust: „Die Ärztinnen und Ärzte in den Praxen haben zusammen mit den Medizinischen Fachangestellten während der gesamten Pandemie enormes geleistet“, sagt Professor Henrik Herrmann, Präsident der ÄKSH.

Die durch die Politik befeuerte Erwartungshaltung führt in vielen Praxen zu einem aufgeheizten verbalen Umgangston gegenüber Ärztinnen und Ärzten und dem Praxispersonal, das in den Praxen als erstes mit den Patientinnen und Patienten in Kontakt kommt. Viele Fachangestellte (MFA) schreckt der zunehmend raue Umgangston am Tresen ab, sodass sie Wege in andere Berufsfelder ohne direkten Patientenkontakt suchen oder das Gesundheitssystem als Arbeitsfeld sogar ganz verlassen.

„Selbstverständlich haben die Ärztinnen und Ärzte in Schleswig-Holstein Verständnis für die Ängste und den Willen, sich rasch impfen zu lassen. Doch die Impfkampagne muss geordnet vonstatten gehen. Zumal die Arztpraxen ihrem Versorgungsauftrag für all ihre Patienten nachkommen müssen“, sagt Herrmann.

Ärztekammer: Corona-Impfungen mit großem Aufwand verbunden

Würden nun durch die geschürte Erwartungshaltung die Praxistelefone übermäßig beansprucht, sodass keine anderen Patienten mehr durchkommen, könne das fatale Folgen für die Versorgung haben. Wie bereits bei den Erstimpfungen ruft die ÄKSH auch bei den notwendigen Booster-Impfungen zur Solidarität jedes Einzelnen auf. „Wichtig ist, wie beim Start der Impfkampagne Anfang des Jahres, dass die Booster-Impfungen geordnet und nach Priorisierungen durchgeführt wird“, sagt Herrmann. Generell gilt, dass die Auffrischungsimpfung frühestens nach sechs Monaten empfohlen wird. Eine Impfung direkt nach dem Stichtag ist nicht erforderlich. „Die Impfung verliert nicht nach sechs Monaten von einem Tag auf den nächsten ihre Wirkung. Ein Grundschutz bleibt auch nach dieser Zeit gegeben“, so Herrmann.

Anders als bei anderen Impfstoffen, bedarf es bei den Corona-Impfstoffen eines höheren Organisationsaufwandes. Da die Impfampullen nach Anbruch schnell verfallen, müssen Impftermine so gelegt werden, dass die angebrochenen Ampullen nacheinander verimpft werden können. Seit Oktober wurde der Bestellablauf in den Praxen jedoch geändert: Konnten die Praxen zuvor ihre Impfstoffbestellungen für die darauf folgende Woche aufgeben, werden die bestellten Impfstoffe aktuell nur noch zweiwöchentlich geliefert. Für eine bessere Planbarkeit müssen die wöchentlichen Bestellungen und Lieferungen wieder aufgenommen werden und bürokratische Hürden abgebaut werden.

Die strukturierte Impfempfehlung nach Altersgruppen sowie für vulnerable und besonders exponierte Personengruppen sollte möglichst schnell umgesetzt werden. Darüber hinaus können mobile Impfteams und eine kleine Anzahl von Impfstellen für die Patienten, die keinen Hausarzt haben oder ansonsten weite Strecken auf sich nehmen müssten, sinnvoll sein.

( abm )

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