Schröters Wochenschau

Segeberger Geheimnis im Nebel der Geschichte

| Lesedauer: 2 Minuten
Jan Schröter
Unberührte Natur: So sieht es auf der Insel im Neversdorfer See aus.

Unberührte Natur: So sieht es auf der Insel im Neversdorfer See aus.

Foto: Frank Knittermeier

Jan Schröter hat, inspiriert vom Kollegen Knittermeier, im eigenen Garten nach Schätzen gesucht. Und ist fündig geworden.

Kreis Segeberg.  Auf der Suche nach dem Kolumnenthema der Woche stoße ich auf den Beitrag meines Kollegen Frank Knittermeier aus der Serie „Segeberger Geheimnisse“. Es geht um eine kleine Insel im Neversdorfer See. Das Eiland steht unter Naturschutz, Betreten verboten. Selbst vom Ufer aus erhaschen Spaziergänger kaum Einblick, weil der größte Teil der an den See grenzenden Grundstücke Privatbesitz ist und ein ufernaher Rundweg fehlt.

Eine Insel, die niemand betritt. Über deren Vergangenheit bloß dunkle Gerüchte kursieren. Es gab hier vielleicht mal ein Kloster. Eine Burg oder einen Ringwall. Gräber, Schätze, einen Pavillon oder einen romantischen Park.

Kollege Knittermeier war dort (mit offizieller Genehmigung!) und sah nichts davon. Was auch gut so ist. Dann bleibt das Rätsel unbeschädigt. Es bleibt eine unerforschte Insel in unserer engen, besiedelten, durchstrukturierten Welt.

Nicht irgendwo in der Karibik oder in den Weiten des Stillen Ozeans, sondern hier. Bei uns, vor der Haustür im Kreis Segeberg. Wir brauchen solche Geheimnisse, damit unserer Fantasie Flügel wachsen. Sonst wird uns rasch langweilig und wir werden träge.

Bei sich zuhause kennt man ja alles. Glaubt man zumindest. Aber wer sich auf den Gedanken einlässt, dass das Alltägliche (Straße, Haus, Garten), zwar momentan da ist, aber die längste Spanne der gewesenen Zeit dort noch nicht war – dann kommt man ins Grübeln.

Oft muss man nur ein Spatenblatt tief graben und die vermeintlich sichere Realität der eigenen Zeit verschwimmt im Nebel der Geschichte. So geschehen, als ich neulich beim Stauden pflanzen im Aushub erst ein Spielzeugauto (VW-Bus, 60er Jahre), dann ein Fußball-Maskottchen (WM 74, guter Jahrgang) und schließlich ein hübsch geprägtes Glasfläschchen mit Seriennummer fand. Das Fläschchen spülte ich aus, nahm es mit an den Schreibtisch und konnte anhand der Nummer tatsächlich recherchieren, dass es sich um eine deutsche Essigflasche aus dem Jahr 1942 handelte.

Unser Haus wurde erst 1961 an einer zeitgleich angelegten Straße gebaut. Keine Ahnung, wer knapp 20 Jahre zuvor eine leere Essigflasche in die Pampa gefeuert hat. Eigentlich ein Fall für die Reihe „Segeberger Geheimnisse“. Aber in meiner „Wochenschau“ macht er sich auch gut. Zusammen mit der Erkenntnis, dass alles, was wir hier und jetzt sehen, noch lange nicht das ist, was es gibt. Jenseits der eingefahrenen Gleise unseres Alltags liegen geheimnisvolle Inseln und Schätze aus der Vergangenheit. Und das Beste: Zukunft haben wir auch noch.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt