Norderstedt

Laub-Entsorgung? Aber nicht nach Feierabend!

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Michael Schick
In den Gärten von Norderstedt fällt derzeit jede Menge an Laub an. Loswerden kann man es in Norderstedt unter der Woche aber nicht nach 15 Uhr.

In den Gärten von Norderstedt fällt derzeit jede Menge an Laub an. Loswerden kann man es in Norderstedt unter der Woche aber nicht nach 15 Uhr.

Foto: Hauke Hass / Hauke Hass/Stadtreinigung Hamburg

Berufstätige Hobbygärtner bleiben in Norderstedt auf ihrem Laub sitzen – denn die Annahmestellen schließen nun früh.

Norderstedt. Die Blätter fallen, füllen Wege, Straßen und Gärten. Gartenbesitzer greifen zur Harke, hoffentlich nicht zum Laubbläser, kehren das Laub zusammen und wollen den Sommerschmuck der Bäume fachgerecht entsorgen. Nur wo? Die Stadt Norderstedt bietet zwar kostenlose Annahmestellen, aber: „Dass diese Anlaufstellen wochentags nur bis 15 Uhr, freitags sogar nur bis 12 Uhr und am Sonnabend, immerhin ein Werktag, gar nicht geöffnet sind, erbost mich über die Maßen“, sagt Manuela Krysler.

Die Norderstedterin ist voll berufstätig, arbeitet täglich von 9 bis 17 Uhr. Hinzu komme ein Fahrtweg von jeweils einer guten Stunde. Und sie ist mit ihrem Ärger über die „bürgerunfreundlichen“ Annahmezeiten nicht allein: „Beim Versuch, unser Laub sowie das Laub öffentlicher Bäume ordnungsgemäß zu entsorgen, sind wir mehrere Stellen angefahren und zum Teil auf erheblich viele erboste und verärgerte Mitmenschen getroffen“, sagt Manuela Krysler.

Norderstedt: Wo das Laub entsorgt wird

Die Stadt hatte Mitte Oktober darüber informiert, wo die Norderstedter kostenlos Laub loswerden können: bis Freitag, 10. Dezember, auf dem Betriebshof des Friedhofes Harksheide (Zufahrt über Falkenbergstraße), montags bis donnerstags von 8 bis 15 Uhr und freitags von 7 bis 12 Uhr. Zusätzlich gibt es mobile Straßenlaub-Sammlungen. Bürgerinnen und Bürger können noch am Dienstag, 9. November, Laub auf dem Rathausplatz (Rathausallee 50) und am Dienstag, 23. November, auf dem Parkplatz Ecke Distelweg/Bahnhofstraße abgeben. Hier nehmen die Mitarbeiter des Betriebsamtes die Blätter von 9 bis 15 Uhr an.

„Selbstverständlich ist eine Laubabgabe weiterhin auf dem Wertstoffhof der Stadt an der Friedrich-Ebert-Straße zu den regulären Öffnungszeiten montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr sowie sonnabends von 8 bis 12 Uhr möglich“, sagt Bernd-Olaf Struppek, Sprecher der Stadtverwaltung. Er erklärt die Annahmezeiten mit den Arbeitsabläufen der Beschäftigten. „Für sie ist die Annahme des Herbstlaubs eine Sonderaufgabe. Diese Kollegen und Kolleginnen fangen teilweise schon in den frühen Morgenstunden mit ihrer Arbeit an – also noch vor dem Beginn der Herbstlaub-Sammlung.“

"Bequeme Entsorgung von Straßenlaub" in Norderstedt?

Eine Aussage, die Manuela Krysler und viele andere Norderstedter nicht zufriedenstellt: „Es ist mehr als beschämend, dass ein Amt der öffentlichen Hand wochentags ab 15 Uhr die Tore schließt, am Freitag, einem normalen Arbeitstag, sogar schon 12 Uhr nicht mehr für die Bürger und Bürgerinnen da ist.“ Die Informationen der Stadt zur Laubabgabe empfindet sie als „zynisch“. Denn es sei von der „bequemen Entsorgung von Straßenlaub“ die Rede. Tatsächlich stelle sie alle berufstätigen Familien vor zusätzliche Kosten, Wege und Probleme.

Die Norderstedterin zieht ihre ganz persönliche Konsequenz: „Sehr gern haben wir in der Vergangenheit auch die öffentlichen Bereiche vor unserem Haus und der Straße mit gepflegt und im Herbst vom Laub befreit.“ Das gelte auch für die Rasenfläche, die öffentlicher Grund ist, den Gehweg und die Fahrbahn. 35 bis 40 Laubsäcke pro Saison seien dort zusammengekommen. Da kundenfreundliche Öffnungszeiten der Annahmestellen für Berufstätige fehlen, sehe sie sich gezwungen, in Zukunft das Laub der öffentlichen Rasenfläche vor ihrem Grundstück nicht mehr mit zu entsorgen: „Wir lassen es einfach liegen, warten auf das Betriebsamt und hoffen auf einen günstigen Wind.“

Norderstedt will nachbessern

Indes hat die Stadtverwaltung das Problem erkannt und will es abstellen. „Allerdings ist die Stadt Norderstedt gerade dabei, an einem Wochentag auf dem Betriebshof des Friedhofes Harksheide eine Herbstlaub-Abgabe bis 18 Uhr möglich zu machen“, sagt Verwaltungssprecher Struppek. Unerwähnt in der städtischen Information bleibt der Recyclinghof an der Oststraße – nach dem jahrelangen Streit um die Kosten, hat sich Norderstedt aus der gemeinsamen Betriebsführung mit dem Wege-Zweckverband des Kreises Segeberg (WZV) verabschiedet.

Der WZV betreibt den Standort jetzt allein. Dort können alle Bürger des Kreises Segeberg ihre Gartenabfälle abgeben – auch die Norderstedter. Die müssen allerdings zahlen, während die Bewohner aller anderen Städte und Gemeinden ihre Wertgutscheine einsetzen können. Der Kubikmeter kostet 15 Euro, der Recyclinghof an der Oststraße ist montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr und sonnabends von 7 bis 12 Uhr geöffnet.

Bad Segeberg stellt Laubcontainer in der Stadt auf

Das dürfte Manuela Krysler freuen: „Es ist uns unverständlich, dass es nicht möglich war, die bürgerfreundliche und unkomplizierte Laubentsorgung in der Oststraße aufrecht zu erhalten“, sagte sie, nachdem dieses Möglichkeit in der städtischen Information unerwähnt blieb. „Dort stimmte die Infrastruktur, das Personal arbeitete professionell und sehr freundlich.“ Außerdem können die Segeberger Laub bei den Recyclinghöfen in Bad Segeberg, Schmalfeld und Damsdorf abgeben (Infos unter www.wzv.de).

Einen anderen Weg geht zum Beispiel die Kreisstadt Bad Segeberg. Bürgermeister Toni Köppen hat erkannt, dass die meisten Anwohnerinnen und Anwohner ihrer Reinigungspflicht an öffentlichen Straßen anstandslos nachkämen – aber eben längst nicht alle. Um es diesen und allen anderen leichter zu machen, stellt die Stadt fünf Container verteilt im Stadtgebiet auf, in denen Herbstlaub bis Mitte des Monats entsorgt werden kann – und zwar dann, wenn die Bürgerinnen und Bürger die Zeit dazu finden.

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