Kreis Segeberg

Kirchen zwischen 3G, 2G und Null-G

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Christopher Herbst
Pastor Andreas Spingler und Heike Ufen vom Kirchenbüro der Erlöserkirche hoffen, mit 3G etwas mehr Normalität für die Besucher zu schaffen.

Pastor Andreas Spingler und Heike Ufen vom Kirchenbüro der Erlöserkirche hoffen, mit 3G etwas mehr Normalität für die Besucher zu schaffen.

Foto: Christopher Herbst

Erlöserkirche ermöglicht das Singen ohne Maske und Abstand. Nicht alle Kirchen sehen hierin den richtigen Weg.

Kreis Segeberg.  Es passiert selten, dass in einer Kirche applaudiert wird. Am vergangenen Sonntag war so ein Moment in der Erlöserkirche Henstedt. Pastor Andreas Spingler gab bekannt, dass beginnend mit dem Reformationstag an diesem Sonntag die Gottesdienste unter 3G-Bedingungen durchgeführt werden. „Das bedeutet ziemlich viele Änderungen auf einmal.“ Und zwar hin zum Positiven, findet er – sonst hätte sich die Kirchengemeinde ja auch nicht dazu entschlossen.

Niemand soll ausgegrenzt werden

Bisher mussten sich die Gäste für die Gottesdienste anmelden, die Bänke und Stühle waren durchnummeriert, das bedeutete viel Bürokratie – das entfällt nun, außer Weihnachten. Lediglich die Nachweise müssen vor dem Betreten vorgezeigt werden. „Sitzplätze dürfen frei gewählt werden. Und es entfällt die Maskenpflicht beim Singen. Jeder kann, wie er möchte“, sagt Spingler. „Wer sich im vorderen Bereich hinsetzt, nimmt in Kauf, dass sich Leute sehr nah kommen können. Im hinteren Bereich werden wir ein paar Stühle herausnehmen, damit sich dort diejenigen hinsetzen können, die ein bisschen Abstand brauchen.“

170 Plätze hat die Erlöserkirche so. Der Pastor spricht von einem „Schritt in die Normalität“. Auch die Teilnahme am Abendmahl ist nun wieder möglich, dazu wird wieder der sonntägliche Kirchenkaffee angeboten. Allerdings weiß er, dass 3G in Kirchen nicht unumstritten ist. „Wir sind uns auch gar nicht so sicher, was klug ist, da es auch Leute gibt, die nicht geimpft sind.“ Wer aus welchen Gründen auch immer keine Corona-Schutzimpfung haben möchte oder kann, könnte aber ja trotzdem ein engagiertes Gemeindemitglied sein. Nur der Schnelltest müsse eben sein. „Wir bauen den Ungeimpften eine Brücke. Vor Ort ist es möglich, sich unter Aufsicht testen zu lassen. Es wird niemand ausgegrenzt. Die Leute müssen halt 20 Minuten vorher da sein.“ Die Erlöserkirche wird für Ausnahmefälle auch einige Selbsttests zur Verfügung stellen, für Kinder unter sieben Jahren bei Interesse „Lolli-Tests“, wobei diese von einer Nachweispflicht gesetzlich ausgenommen sind.

Andreas Spingler betont: Die Kirche ist für alle da. „Es ist nicht unser gesellschaftlicher Auftrag, für die Impfung zu sorgen, auch wenn ich die total gut finde.“ Heike Ufen vom Kirchenbüro weist darauf hin, dass gerade die Maskenpflicht für manche Gläubige ein Hindernis gewesen sei. „Wir wissen von Menschen, die nicht zu uns gekommen sind, weil sie sagten, sie könnten beim Gottesdienst nicht unter der Maske sein, oder sie hätten die Maske schon unter der Woche die ganze Zeit auf. Die haben wir lange, lange nicht gesehen.“

Grundsätzlich empfiehlt die Nordkirche für Schleswig-Holstein und Hamburg, dass möglichst Gottesdienste unter allen Voraussetzungen angeboten werden sollten. In der Hansestadt ist sogar 2G eine Option – wobei dies gleichzusetzen wäre mit den 3G-Kriterien für Schleswig-Holstein. Die Maskenpflicht entfällt in Hamburg also nicht beim Singen, wenn auch Besucher mit Negativtests kommen dürfen.

Einem anderen Pastor aus Hen­stedt-Ulzburg, Jürgen Schacht von der Kreuzkirche, bereiten die Einschränkungen für Gottesdienste Sorgen. „Wenn wir mehr Besucher haben, zum Beispiel Weihnachten oder am Toten- und Ewigkeitssonntag, müssen wir Gottesdienste mit 3G feiern.“ Für den Kirchenkaffee seien die Tests nötig, auch die Kreuzkirche stellt diese zur Verfügung. Allerdings berichtet Schacht auch von Gemeindemitgliedern, die nicht geimpft sind und auch keinen Test machen möchten. Es sind unangenehme Gespräche für Pastoren. „Wir versuchen, eine Spaltung zu vermeiden“, sagt er. Dass es in Hamburg bereits Gottesdienste unter 2G-Voraussetzungen gegeben hat, nennt er „problematisch“.

In der Emmaus-Gemeinde gilt ein „Null-G-Modell“

In Norderstedt gelten unter anderem bei der Thomaskirche in Glashütte ebenfalls die 3G-Regeln, Tests können vor Ort gemacht werden. In der Emmaus-Gemeinde, zu der die Christuskirche und die Paul-Gerhardt-Kirche gehören, ist es wiederum anders, wie Pastor Martin Lorenz erklärt. „Wir haben uns für Null-G entschieden. Das heißt: Schachbrettmuster. Für Weihnachten haben wir dann die Familiengottesdienste mit Anmeldung und Null-G geplant, die anderen mit 3G.“ Beim Adventsbasar will man sich aus Gründen der Vorsicht auf Geimpfte und Genesene beschränken. „Einen Kirchenkaffee haben wir noch nicht gemacht, weil wir uns nicht so wirklich trauen.“

Die Kirche in Bad Bramstedt wird am 31. Oktober und 7. November erstmals Gottesdienste veranstalten, die für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete sind. Dadurch habe man die Möglichkeit, mit mehr Besucherinnen und Besuchern zu feiern, heißt es. Masken müssen also keine mehr getragen werden. Die Anzahl der Plätze ist aber auf 120 begrenzt, damit gewünschte Abstände eingehalten werden können.

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