Prozess Norderstedt

14.800 Euro: Kassenwartin bedient sich am Schulvereinskonto

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Jörg Riefenstahl
Die 38-jährige Kassenwartin am Donnerstag mit ihrem Verteidiger Jens-Uwe Friemann auf der Anklagebank in Saal F des Norderstedter Amtsgerichts.

Die 38-jährige Kassenwartin am Donnerstag mit ihrem Verteidiger Jens-Uwe Friemann auf der Anklagebank in Saal F des Norderstedter Amtsgerichts.

Foto: Jörg Riefenstahl

Die 38-Jährige soll das Geld der Grundschule Niendorfer Straße veruntreut und für private Shopping-Touren ausgegeben haben.

Norderstedt. Es begann im Sommer 2018 mit einer Überweisung von 300 Euro vom Konto des Schulvereins auf ihr Privatkonto – und endete für eine 38-jährige Norderstedterin mit einer Freiheitsstrafe: Im Prozess vor dem Amtsgericht Norderstedt sah es die Vorsitzende Richterin als erwiesen an, dass die 38-Jährige als ehrenamtliche Kassenwartin des Schulvereins der Grundschule Niendorfer Straße im Zeitraum vom 17. Juli 2018 bis 21. Februar 2020 mit der Girokarte und ohne Wissen des Schulvereins insgesamt 14.800 Euro erlangt hat, die sie für private Zwecke verwendet hat.

In eine schwarze Kapuzenjacke gehüllt, nahm die 38-Jährige zum Prozessbeginn wortlos neben ihrem Anwalt auf der Anklagebank Platz. Die Staatsanwältin verlas die Liste der Anklagepunkte. Allein das nahm eine Stunde in Anspruch: In 230 Fällen habe die 38-Jährige mit der Girokarte und per Onlinebanking Geld vom Konto des Schulvereins abgehoben und für private Zwecke genutzt und somit veruntreut, lautete der Tatvorwurf.

Mit dem Geld finanzierte die Frau Shoppingtouren

Mal zog die junge Frau mit der Karte des Schulvereins 500 Euro aus dem Geldautomaten der Volksbank, mal waren es 250 Euro oder 700 Euro bei der Commerzbank und der Deutschen Bank. Sie erledigte regelmäßig private Einkäufe – etwa bei Budni oder im Supermarkt von Rewe, Lidl bis Aldi mit der Karte. Dabei lagen die Einkäufe zum Teil zeitlich eng beieinander: Erst wurde an der Oil-Tankstelle die Rechnung bezahlt, dann ging es zu Aldi - und anschließend zu Mc Donalds. Kleidung von Kik und Ernstings-Family und Schuhe von Deichmann bezahlte die 38-Jährige auf ihren Shopping-Touren ebenfalls mit fremdem Geld. Sogar Telefonrechnungen, eine Mietzahlung und ein Strafmandat standen auf der langen Anklageliste.

Die Angeklagte räumte alles ein und schämte sich

Im Nachhinein ist der Angeklagten ihr unrühmliches Verhalten nur noch peinlich: ,,Alle Anklagepunkte sind sachlich korrekt. Ich schäme mich unglaublich dafür, es tut mir unendlich leid!“ sagte die junge Frau mit schwacher Stimme im Prozess. Wie kam es dazu, dass die Mutter von zwei Kindern (5 und 13) das Geld des Schulvereins veruntreut hat? Ihr Mann habe sich von ihr getrennt, er habe ihr Schulden hinterlassen. Sie sei in eine finanzielle Schieflage geraten, beteuerte die Frau vor Gericht.

Sie habe nicht gewusst, wie sie die Miete zahlen soll. ,,Ich dachte, ich kann es wieder gut machen. Ich habe einiges Geld an den Schulverein zurückgeführt.“ Insgesamt summierten sich ihre illegalen Abhebungen in anderthalb Jahren auf rund 30.000 Euro. Dass das beim Schulverein zunächst niemandem auffiel, hing wohl vor allem damit zusammen, dass niemand auf die Kontosauzüge schaute - außer der 38-Jährigen. ,,Ich war allein für das Konto verantwortlich“, sagte sie im Prozess. Das Konto des Schulvereins, der damals insgesamt 90.000 Euro Spenden für die Neugestaltung des Innenhofes der Schule sammelte, war zudem offensichtlich immer gut gefüllt.

Zudem begann die 38-Jährige im Jahr 2019 wieder Geld auf das Konto des Schulvereins einzuzahlen. Die Sache flog trotzdem auf: Einer weiteren Person fielen die Kontoauszüge zufällig in die Hände. Die 38-Jährige wurde zur Rede gestellt – das Spiel war aus.

7630 Euro muss die 38-Jährige nun noch zurückzahlen

Unterm Strich blieben 14.800 Euro, die sie dem Schulverein schuldete. Tatsächlich hat die Angeklagte bis heute 7185 Euro ihrer Schulden in Raten an den Verein zurückgezahlt. Warum sie immer im August keine Rückzahlungen gemacht habe, fragte die Richterin. ,,In dieser Zeit bekam ich keinen Unterhalt für meine Kinder von meinem Mann. Den Schulverein habe ich informiert“, sagte die 38-Jährige, die von ihrem Mann getrennt lebt und halbtags als Verwaltungsangestellte arbeitet. Sie habe sich therapeutische Hilfe gesucht und sei bei der Schuldnerberatung gewesen.

Die Staatsanwältin beantragte, alle Fälle unter 50 Euro wegen des zu erwartenden geringen Strafmaßes einzustellen. Sie hielt der 38-Jährige zugute, dass sie vollumfänglich gestanden, ihre Taten bereut und einen Teil des Geldes zurückgezahlt hat. Gleichwohl sei dem Verein erheblicher Schaden entstanden.

Sie forderte zwei Jahre Freiheitsstrafe für gewerbsmäßige Untreue in 104 Fällen auf drei Jahre zur Bewährung. Der Verteidiger schloss sich an, ebenso lautete das Urteil. ,,Es handelte sich um Untreue über einen längeren Zeitraum in einem besonders schweren Fall“, sagte die Richterin. Der 38-Jährigen wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Ihre Restschuld von 7630 Euro muss sie an den Schulverein zurückzahlen.

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