20-Millionen-Projekt

Grüner Wasserstoff aus Bad Bramstedt

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Wolfgang Klietz
Hans-Günther Lüth hat mit seinem Planungsbüro bereits zahlreiche Windparks in der Region realisiert. Diese Anlagen sollen den sauberen Strom liefern, um den Wasserstoff herzustellen.

Hans-Günther Lüth hat mit seinem Planungsbüro bereits zahlreiche Windparks in der Region realisiert. Diese Anlagen sollen den sauberen Strom liefern, um den Wasserstoff herzustellen.

Foto: Wolfgang Klietz

Der Wiemersdorfer Hans-Günther Lüth will mit der Stadt und den Stadtwerken der Rolandstadt ein im Norden einmaliges Projekt realisieren.

Wiemersdorf/Bad Bramstedt . Manchmal sind es im Kampf gegen den Klimawandel die einfachen Ideen, die den Fortschritt vorantreiben. Zum Beispiel beim Wasserstoff, der als absolut sauberer Energielieferant noch immer ein Nischenprodukt darstellt, weil die CO2-freie Herstellung zu teuer ist. Doch das muss nicht sein, glaubt der Wiemersdorfer Hans-Günther Lüth, der gemeinsam mit den Bramstedter Stadtwerken und Bürgermeisterin Verena Jeske an einem im Norden bislang einmaligen Projekt arbeitet. Sie wollen Wasserstoff ohne Verluste herstellen, indem sie die Abfallprodukte verkaufen, die bei der Herstellung anfallen: Wärme und Sauerstoff.

Viele Wasserstofffabriken können bereits „grünen Wasserstoff“ produzieren und nehmen dabei in Kauf, dass 30 Prozent der Energie über die Abfallprodukte verloren gehen und den Energielieferanten zu teuer machen. Die schlichte Idee, wie es anders geht, entstand in der Bramstedter Region: Die Wärme von der Wasserstofffabrik wird auf kurzem Weg mit geringen Verlusten verkauft und ins Fernwärmenetz der Stadtwerke eingespeist. Auch für den sauberen Sauerstoff haben Lüth, Jeske und Co. Abnehmer im Visier, zum Beispiel für die Reinigungsprozesse im Bramstedter Klärwerk und bei Lieferanten für Medizintechnik

Investitionssumme wird etwa 20 Millionen Euro betragen

„Wir rechnen mit Investitionen von rund 20 Millionen Euro“, sagt Hans-Günther Lüth, der mit seinem Planungsbüro bereits zahlreiche Windparks in der Region realisiert hat. Diese Anlagen sollen den sauberen Strom liefern, um den Wasserstoff herzustellen, wenn mehr produziert wird als die Kunden benötigen. Nachts wird wenig Strom verbraucht, doch wenn ein kräftiger Wind weht, liefern die Windparks Energie im Übermaß.

Dieses Plus will Lüth für die Wasserstofffabrik nutzen. Er ist überzeugt: „So wird es sich rechnen. Die Nebenprodukten machen den Standort hier so charmant. Sie zu nutzen, wäre im Norden wirklich einmalig“ Allerdings geht er davon aus, dass das Unternehmen in der Startphase auf Förderung angewiesen ist.

Für das Hauptprodukt, den Wasserstoff, hat er ebenfalls Interessenten ausgemacht, zum Beispiel als Energielieferant für den Straßenverkehr und die Industrie. Lüth hat zum Beispiel bei Logistikunternehmen festgestellt, dass dort großes Interesse an einer Alternative zum Diesel besteht. Besonders im Raum Neumünster hätten sich viele Logistiker angesiedelt. „Die Bereitschaft vieler Speditionen ist vorhanden, Wasserstoff auszuprobieren“. sagt Lüth. Der umweltfreundliche Kraftstoff biete gegenüber dem von Akkus angetriebenen Fahrzeuge den Vorteil größerer Reichweiten. Als potenzielle Kunden kämen außerdem Busunternehmen und die AKN mit ihren Triebwagen in Betracht.

Lüth geht davon aus, mit seinen Partnern als Lieferant von Wasserstoff aufzutreten und die Verteilung an den Endverbraucher, zum Beispiel über Tankstellen, einem anderen anderen Unternehmen zu überlassen. Für die Lieferung des grünen Stroms stehen im Bramstedter Umland genügend Anlagen bereit, neue kommen hinzu. Lüth hat als Planer die Windparks in den Gemeinden Großenaspe (siehe Info-Kasten unten) und Lentföhrden konzipiert, die derzeit realisiert und demnächst angeschlossen werden. Die schon älteren Windmühlen in Wiemersdorf werden durch moderne ersetzt und möglicherweise um zwei ergänzt.

Ebenfalls plant Lüth im Auftrag von Investoren in Wiemersdorf und Lentföhrden Fotovoltaikanlagen. Ob auch diese Kraftwerke, die aus Licht Strom herstellen, als Bürgerparks mit Beteiligungsmöglichkeiten privater Investoren konzipiert werden, ist noch offen. In einem ersten Schritt hat Lüth darüber mit den Landeigentümern gesprochen, auf deren Flächen der Sonnenstrom produziert wird.

Sauberer Strom für eine Wasserstoffproduktion wäre damit reichlich vorhanden. Läuft alles Plan, hofft Lüth auf einen Beginn in drei bis vier Jahren. Die Stadt Bad Bramstedt hat zugesagt, nach einem verkehrsgünstigen Standort in einem Gewerbegebiet Ausschau zu halten.

Auch bei der Finanzierung sieht es gut aus: Bei Lüth haben sich bereits mehrere potenzielle Investoren gemeldet. Er würde sich freuen, wenn sich regionale Unternehmen an dem Projekt beteiligen. So verbleibe auch die Gewerbesteuer in der Region.

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