Corona Kaltenkirchen

Impfung im Möbelhaus: Pandemie-Bekämpfung bei Dodenhof

| Lesedauer: 5 Minuten
Christopher Herbst
Susanne-Christine Siemens, Michael Glawatz und Ludwig-Anton Kirzinger (v. r.) warten gemeinsam auf ihre Dritt- bzw. Erstimpfungen.

Susanne-Christine Siemens, Michael Glawatz und Ludwig-Anton Kirzinger (v. r.) warten gemeinsam auf ihre Dritt- bzw. Erstimpfungen.

Foto: Christopher Herbst

Zum dritten Mal werden bei XXLutz Dodenhof Corona-Schutzimpfungen angeboten – und von vielen Menschen angenommen.

Kaltenkirchen.  Manchmal muss die Pandemie eben auch im Möbelhaus bekämpft werden: „Es ist wichtig, die Nadel zum Kunden zu führen“, sagt Maik Gebauer, Leiter von XXXLutz Dodenhof in Kaltenkirchen, während im dritten Obergeschoss, wo noch vor Corona Kinder im Spieleparadies tobten, ein mobiles Impfteam fast schon im Akkord einen Andrang bewältigt, mit dem Ärztin Dr. Susanne Ngo, die von den Johannitern Ilka Dammrau und Silke Peters unterstützt wird, nach eigenem Bekunden gar nicht gerechnet hatte. „Uns wurde die Hütte eingerannt.“

Seit dem landesweiten Aus für die Impfzentren Ende September kommt Aktionen wie dieser eine zentrale Bedeutung zu, damit bisher nicht immunisierte Menschen erreicht werden oder andere ihre Auffrischungen erhalten. „Ich bin mit meiner Frau für die dritte Impfung hier“, sagt Ludwig-Anton Kirzinger aus Henstedt-Ulzburg. „Die zweite ist jetzt sechs Monate her, ich wurde vom Ministerium angeschrieben. Wir wären sonst auch zu einer Praxis gegangen. Ich habe für meine Frau beim Diabetiker-Arzt gefragt, aber die impfen leider nicht.“

Bürgermeister bedauert Schließung der Impfzentren

Neben ihm wartet Michael Glawatz. Der Kaltenkirchener ist bislang ungeimpft. „Ich hatte arbeitsbedingt bisher keine Zeit. Heute habe ich mir einen Tag freigenommen.“ Die spontane Möglichkeit ist für ihn genau richtig, wobei er auch bestätigt: Die Entscheidung habe zum Teil damit zu tun, dass Impfnachweise immer öfter verlangt würden. Ob nun Biontech, Moderna oder Johnson & Johnson, darüber habe er sich keine Gedanken gemacht. „Das weiß ich noch nicht.“ Für Susanne-Christin Siemens, die in Hamburg beim Rettungsdienst arbeitet, steht die dritte Runde an – genauso wie für ihre Mutter. „Ich hatte meine Impfungen im Januar bei der Feuerwehr Hamburg und im Februar in den Messehallen.“ Die Kisdorferin nutzt das unkomplizierte Angebot. „Ich kam gerade aus dem Urlaub, da erzählte mir meine Mutter davon, und ich sagte: Jetzt!“

Kaltenkirchens Bürgermeister Hanno Krause und Bürgervorsteher Hans-Jürgen Scheiwe schauen sich die Impfaktion vor Ort an. „Ich habe es sehr bedauert, dass die Impfzentren geschlossen wurden“, sagt der Verwaltungschef. Jenes in seiner Stadt war Anfang Januar sogar das erste im Kreis, das in Betrieb genommen wurde. „Es ist nachweislich nicht möglich, dass sich alle Menschen über die Arztpraxen impfen lassen.“ In der Tat gibt es – anders als noch vor vier, fünf Monaten – in der Regel keine Impfsprechstunden mehr. Vielmehr kommt es eher vor, dass auch ein Termin für eine Corona-Schutzimpfung – eventuell gekoppelt mit dem Grippeschutz – mehrere Wochen Wartezeit erfordert. „Nun machen wir aus der Not eine Tugend. Die Unternehmen übernehmen staatliche Aufgaben. Wir haben eine gut funktionierende Geschäftsstruktur. Daran sieht man, dass die Gesellschaft Verantwortung übernimmt“, so Krause. Kürzlich geschah das im Kaltenkirchener Ohland-Park neben dem Famila-Markt, es kamen mehr als 500 Menschen. Ähnlich war es, als ein mobiles Impfteam am Kretelmoor zwei Tage lang stationiert war.

Auch in Henstedt-Ulzburg und Norderstedt wird geimpft

Dr. Ngo und die Johanniter gehören zu zehn mobilen Einheiten der Kassenärztlichen Vereinigung. Bis vor den Herbstferien waren die Teams mit den Schulen weitestgehend ausgelastet. Mittlerweile ist es oftmals so, dass Städte und Gemeinden bei der Regierung in Kiel ihr Interesse anmelden. „Das Land entscheidet, wohin wir fahren. Wir sind die ganze Woche in Kaltenkirchen.“

Bei XXXLutz Dodenhof wird demnach noch bis einschließlich Sonnabend immer ab 10 Uhr geimpft. Und auch in Zukunft gerne wieder, sagt Maik Gebauer. „Wir machen das gerne weiter, wir sind dafür offen. Gerade jetzt, wo sich viele spontan entscheiden.“ Bis zu 15.000 Menschen seien hier täglich beim Shopping – viel Laufkundschaft also, und darunter sind nach den bisherigen Erfahrungen immer noch ungeimpfte Bürgerinnen und Bürger.

In der Nachbargemeinde Henstedt-Ulzburg startet ein vergleichbares Angebot am heutigen Mittwoch – und dann ebenso bis 30. Oktober jeweils von 10 bis 16.30 Uhr – im Real-Markt (Gutenbergstraße 7). Hier gibt es Biontech, Moderna und Johnson & Johnson. Diese Aktion – die erste dieser Art im Ort – wird von Real zusammen mit der Gemeinde und dem Gewerbeverein HHG organisiert. Als Dankeschön – oder Anreiz – gibt es sogar einen Franzbrötchen-Gutschein, der bei drei Bäckern im Ort eingelöst werden kann. Und in Norderstedt findet am Freitag und Sonnabend, 29. und 30. Oktober, jeweils von 9.30 bis 17 Uhr eine offene Impfaktion im VHS-Gebäude in der Dunantstraße 4 statt. Gleichermaßen stehen auch dort die drei zugelassenen Wirkstoffe zur Verfügung. Auf impfen-sh.de liefert das Gesundheitsministerium eine aktuelle Übersicht über die landesweiten Angebote bis Jahresende.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt