Corona-Update

Das Geld der Hamburger bleibt bei uns

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Jan Schröter
Kolumnist Jan Schröter

Kolumnist Jan Schröter

Foto: Jan Schröter / Schröter

Es sieht ganz danach aus, als bekäme unser schönes Bundesland in der Vorweihnachtszeit eine willkommene Booster-Geldspritze.

Alles nur wegen der deutschlandweit höchst unterschiedlich geltenden Pandemie-Regeln. Im großen Corona-Roulette gewinnt Schleswig-Holstein, jedenfalls im Advent.

Denn jetzt beginnt in den deutschen Unternehmen die herausforderndste Zeit. Jetzt kommt es darauf an, kühl zu analysieren, vorausschauend zu planen, strategisch kluge Entscheidungen abzuliefern und das Geschäftsjahr mit Genie und Kreativität zum lang ersehnten Höhepunkt zu führen: der Betriebsweihnachtsfeier. 2020 war das ja in aller Regel eine traurige Angelegenheit. Stornierte Events und Festsäle. Verzagte Mitarbeiter im Homeoffice, die vereinzelt daheim auf ihre PC-Monitore starren, auf denen das digitale Kollegen-Patchwork flimmert. Alle schaufeln sich synchron das lauwarm angelieferte Festmenü hinein und öffnen gleichzeitig die per Kurier überbrachten Firmen-Präsentpäckchen. Weil online alle mithören, enthüllt keiner, leicht angeschickert und entsprechend animiert, heiße Gerüchte aus der Chefetage. Oder liefert vertrauliche Informationen über den aktuellen Stand des betriebsinternen Liebeslebens. Niemand kommt aus sich heraus. Und sollte doch mal jemand auf dem Schreibtisch tanzen, sieht man in der Videokonferenz bloß die Füße. Alles in allem: In puncto „Weihnachtsfeier“ war 2020 ein Trauerspiel.

2021 soll anders werden. Deshalb laufen in vielen Firmen die entsprechenden Vorbereitungen, wenn auch unter schwierigen Bedingungen. Zwar ist mehr möglich als letztes Jahr. Doch wo man feiert und wie, ist oft immer noch unklar. 3G? 2G? Geht gut oder geht gar nicht? Und hier kommt für viele Unternehmen Schleswig-Holstein ins Spiel. Denn bei uns gelten bereits unter 3G-Bedingungen bei Feiern keine Beschränkung der Teilnehmerzahl, kein Tanzverbot und keine Sperrstunde für den Alkoholausschank. Tatsächlich zeichnet sich unter Hamburger Unternehmen der Trend ab, ihre diesjährige Weihnachtsfeier nach Schleswig-Holstein zu verlegen. Was für ein Coup: Mit einem Schlag retten wir unsere Landgasthäuser und vielleicht noch etliche Hotels, weil handelsübliche Weihnachtsfeier-Absolventen gewöhnlich nicht in der Lage sind, nach Ende des Gelages noch mehr als drei Schritte zu gehen. Und falls Ihr, liebe Hamburger, darauf baut, die Hotelübernachtung zu sparen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nächstens zurück in die Hansestadt zu reisen: Öffis? Nachts? Hier fährt schon tagsüber nur der Schulbus. Morgens einmal, nachmittags einmal, das war’s dann.

Falls Ihr nun spekuliert, trotz bedenklich angeschwollener Promillewerte mit dem Auto heimzufahren: Unsere Polizei kriegt Euch. Temposünder und Suffpiloten sind ihre Spezialität, das üben sie jedes Wochenende mit der Landjugend. Eure Bußgelder stärken unsere Landeskasse. Ob Ihr ein Hotel bucht oder nicht – das Geld bleibt auf jeden Fall bei uns. Was wir damit machen?

Weihnachtsfeier, ist doch klar.

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