Geld vom Staat winkt

Tiny Kate – Das Bauernhaus unter den Tiny Houses

| Lesedauer: 7 Minuten
Annabell Behrmann
Peter L. Pedersen ist Chef der Rolling Tiny House GmbH - er hat mit seinem Team eine Tiny Kate entwickelt.

Peter L. Pedersen ist Chef der Rolling Tiny House GmbH - er hat mit seinem Team eine Tiny Kate entwickelt.

Foto: Annabell Behrmann / HA

Peter L. Pedersen produziert in Bad Segeberg Minihäuser, die von der KfW-Bank gefördert werden können. Exklusive Einblicke.

Bad Segeberg. Von außen sieht das Tiny House wie eine typische Bauernkate aus. Die Fassade ist im Fachwerkstil gehalten, Holzbalken durchziehen den weißen Putz. Eine Treppe führt in die 25 Quadratmeter kleine Tiny Kate. Das Mini-Fachwerkhaus teilt sich in zwei Räume auf. In der Wohnstube befinden sich Küche, Ess- und Sofaecke sowie ein Pellet-Ofen.

An den Enden des Zimmers liegt jeweils eine Holztür, die ebenfalls im Stil eines urigen Bauernhauses gehalten ist. Hinter der einen verbirgt sich das Badezimmer mit Dusche und Toilette, hinter der anderen das Schlafzimmer mit einer ganz besonderen Konstruktion: Das Doppelbett ist in eine Kuppel aus Holz integriert. Durch das runde Dachfenster blicken die Bewohner in den Nachthimmel.

Tiny Kate wurde eineinhalb Jahre entwickelt

„Eineinhalb Jahre haben wir für die Entwicklung der Tiny Kate gebraucht“, sagt Peter L. Pedersen, Chef der Rolling Tiny House GmbH. Der 63-Jährige sitzt auf dem Sofa des Minihauses und nippt an seinem Kaffee. Sehr detailliert berichtet er, mit welchem Aufwand die Bauernkate entstanden ist.

Der Geschäftsmann, der neben der Kate auch klassische Tiny-Häuser sowie Bungalows vertreibt, lässt nicht einfach kleine Holzhäuschen zusammenzimmern. Hinter seinen Unterkünften steckt mehr. Die Tiny Kate etwa, die zehn Meter lang und 2,5 Meter breit ist, wurde mit einem Team bestehend aus einem Dutzend Fachleuten konstruiert – dazu gehörten unter anderem Bauzeichner, Architekten, Zimmerer, Baustatiker, Klempner und Elektriker.

Die Bauernkate wurde in Bad Segeberg produziert. Dreieinhalb Monate hat der Bau des ersten Modells gedauert, künftig soll er nur noch sechs Wochen in Anspruch nehmen. Das fertige Objekt steht nun im niedersächsischen Visselhövede. Für 95 Euro die Nacht können Interessenten im Mini-Bauernhaus zur Probe wohnen.

Tiny Kate entspricht KfW-Anforderungen

Die Tiny Kate ist so konstruiert, dass sie den hohen ökologischen Anforderungen eines KfW-55-Energieeffizienzhauses entspricht. „Es ist das erste Tiny House überhaupt, das diesen Anspruch erfüllt und über die KfW-Bank förderfähig ist“, sagt Pedersen. Zur Erklärung: Je kleiner die Effizienzhaus-Stufe ist, desto weniger Energie verbraucht das Gebäude.

Die Energieeffizienz ist bei Neubauten ein wichtiger Bestandteil der Energiewende und wird deshalb staatlich gefördert. Ein Haus mit KfW-70 entspricht dem Mindeststandard und erhält keinen Zuschuss – KfW-55 wird ab einem Gebäude-Wert von mehr als 120.000 Euro mit bis zu 18.000 Euro bezuschusst. Die 13 Meter lange Version der Tiny Kate kostet 143.395 Euro – ein Kauf würde also von der KfW-Bank bezuschusst werden.

Tiny Kate ist auch baugenehmigungsfähig

Der Unternehmer konzipiert seine Tiny Häuser aber nicht nur nachhaltig – sie sind allesamt baugenehmigungsfähig. Denn in Deutschland dürfen die mobilen Mikrohäuser nicht einfach auf eine freie Fläche gestellt werden. Baurechtlich werden sie wie klassische Einfamilienhäuser behandelt. Sie müssen also über eine geprüfte Baustatik, eine Zeichnung sowie einen Wärmeschutznachweis verfügen, damit ein Architekt einen Bauantrag stellen kann.

Nur mit Baugenehmigung ist das dauerhafte Wohnen in einem Tiny House erlaubt. Dies stellt viele Menschen, die von einem Leben auf kleinem Wohnraum träumen, vor große Herausforderungen: Zum einen erfüllen nicht alle Miniheime die nötigen Kriterien. Zum anderen gibt es bisher nur wenige Flächen, auf denen das dauerhafte Leben im Tiny House gewünscht ist.

Pedersen ärgert sich über Dauercamper

Einige weichen auf Campingplätze aus. Da diese aber der Erholung dienen sollen, sind feste Wohnsitze verboten. Pedersen ärgert sich darüber, dass trotzdem viele Menschen dauerhaft auf Campingplätzen leben. „Das ist aus umwelttechnischen Gründen eine riesige Sauerei“, schimpft er.

Der Tiny-House-Bauer kritisiert, dass Menschen auf Campingplätzen in nicht „energetisch hergerichteten“ Hütten hausen würden. Diejenigen hingegen, die auf klassische Weise ein neues Haus bauen, müssten sich an teure Energiestandards halten. „Ich erwarte, dass sich alle nach den Vorgaben richten müssen und auf Campingplätzen keine Hintertür offen gelassen wird.“

Tiny Kate wurde an das Baurecht angepasst

Selbst wenn das Tiny House eine Baugenehmigung erhält, heißt das aber noch lange nicht, dass sich der Traum vom minimalistischen Leben erfüllt. Zwar entwickelt sich die Wohnform in Deutschland immer mehr zum Trend, aber Flächen für die mobilen Miniheime sind rar. Kommunen haben häufig genaue Vorstellungen von Neubauten. Meistens ist für sie entscheidend, dass sich die Häuser harmonisch in das Ortsbild einfügen.

In vielen Bebauungsplänen werden Satteldächer und Putzfassaden vorgeschrieben – deswegen hat Peter L. Pedersen die Tiny Kate genau nach diesen Kriterien konstruiert. „Wir haben das Bauernhaus an das Baurecht angepasst“, sagt der Geschäftsmann. „Ein Tiny House aus Holz fügt sich nämlich nur schwer in die Nachbarschaft ein.“

Tiny House: Idee durch Umzug des Sohnes

In dieser kleinen Kate steckt also wesentlich mehr Komplexität als sich auf den ersten Blick erahnen lässt. Pedersen, der in Mecklenburg-Vorpommern lebt, betreibt zusätzlich eine Maschinenbau-Firma in Neumünster und ist Unternehmensberater.

Das erste Mal mit Tiny-Häusern hat er sich beschäftigt, als sein Sohn zum Studieren von Rostock nach Greifswald ziehen wollte. Eine Wohnung war schwer zu finden, die Mieten teuer. „Dann baue ich dir eben in irgendeinem Hinterhof ein Tiny House“, sagte der Vater damals zu seinem Sohn. Das Studium ist inzwischen lange beendet. In einem Minihaus hat sein Sprössling nie gewohnt. Dafür hat Pedersen ein neues Geschäftsmodell entdeckt und 2018 die Rolling Tiny House GmbH gegründet.

Tiny House: 850.000 Euro für die Entwicklung

Zwei Jahre lang hat der Unternehmer mit einem 14-köpfigen Team an der Entwicklung seines ersten Tiny-House-Modells gearbeitet. 850.000 Euro hat er in die Forschung investiert.

Sein neuestes Projekt, die Tiny Kate, kommt ebenfalls gut an. Das Bauernhaus, das derzeit in Visselhövede steht, hat er bereits verkauft. „Mit sieben bis acht Käufern befinde ich mich in Gesprächen“, sagt er.

Vor allem sogenannte Best Ager würden sich für seine Objekte interessieren. „Ich verkaufe zu 90 Prozent an Singles oder Paare ab 50“, erzählt Pedersen. Sie würden seit 30 Jahren im selben Einfamilienhaus leben, ihre Kinder seien längst ausgezogen und manche Zimmer würden sie das ganze Jahr nicht sehen. „Diese Menschen verkleinern sich nicht aus der Not heraus, sondern weil sie erkennen, dass sie nicht mehr so viel Platz brauchen.“

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