Kreis Segeberg

Kahlschlag im Schulwald: 150 Tannen werden gefällt

| Lesedauer: 4 Minuten
Christopher Herbst
Die Forstwirte Victor Karow und Sven Dammann sowie der Auszubildende Marvin Flindt (von links) von der Firma Wittek arbeiten sich durch den Wald. Bei den Fällungen gehen sie mit großer Sorgfalt vor, um sich selbst und die anderen Bäume und Pflanzen zu schützen.

Die Forstwirte Victor Karow und Sven Dammann sowie der Auszubildende Marvin Flindt (von links) von der Firma Wittek arbeiten sich durch den Wald. Bei den Fällungen gehen sie mit großer Sorgfalt vor, um sich selbst und die anderen Bäume und Pflanzen zu schützen.

Foto: Christopher Herbst

Forst als Ort für Erholung und Bildung soll resistenter gegenüber Klimawandel werden. Wie das umgesetzt wird.

Henstedt-Ulzburg. Systematisch arbeiten sich in diesen Tagen Männer mit Kettensägen durch den Henstedt-Ulzburger Schulwald. Der Forstbetrieb Wittek aus Arpsdorf hat den Auftrag, ungefähr 150 Küstentannen zu fällen. Schon von der Straße Hasselbusch im Ortsteil Henstedt ist das Kreischen der Werkzeuge zu hören, immer gefolgt von einem kurzen Rummsen, wenn wieder einer der bis zu 35 Meter hohen Bäume auf den Waldboden gekracht ist.

Die Maßnahme ist nicht alltäglich. „Eine Fläche in dieser Größenordnung haben wir noch nicht gefällt“, sagt Petra Walz, Sachgebietsleiterin für Grünplanung in der Großgemeinde. Doch die Küstentannen sind eine Gefahr geworden, ihre Standsicherheit nicht mehr gewährleistet. Bei heftigen Stürmen könnten sie umkippen. Und ursprünglich sind diese Bäume sowieso nicht heimisch gewesen – sie kommen erstens aus Nordamerika, und sind zweitens eher in Lagen ab 400 Metern anzutreffen. Sie wachsen schnell, haben ihre heutige Höhe in 15 bis 20 Jahren erreicht. Und dazu verfügt die Tanne über ein Pfahlwurzelsystem, das sich auf den feuchten Böden im Schulwald nur flach ausbilden konnte.

Die Maßnahme konnte nicht mehr aufgeschoben werden

Genauso wie die Verwaltung kamen auch die Untere Forstbehörde und das zuständige Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume zu dem Schluss, dass es sich um eine dringende Angelegenheit handelt, die noch in diesem Herbst erledigt werden muss – bevor die Sturmsaison beginnt. Deswegen ist der Schulwald derzeit absolutes Sperrgebiet – Spaziergänger könnten sich in Lebensgefahr begeben, wenn sie sich inmitten der Fällarbeiten bewegen. Sobald ein tonnenschwerer Baum kippt, wäre es schon zu spät, auszuweichen.

Die Fachleute achten sorgfältig darauf, in welche Richtung eine Tanne fällt. Sven Dammann und Victor Karow sind gelernte Forstwirte, Marvin Flindt in der Ausbildung. Sie seien vor drei Jahren schon einmal hier gewesen, sagen sie, wobei es da nicht explizit um die Tannen ging, sondern allgemein um Arbeiten im Sinne der Verkehrssicherheit. In ungefähr 14 Tagen wollen sie fertig werden. „Es darf nur nicht zu windig sein“, sagt Dammann – ein bisschen Regen stört nicht, denn Forstpflege passiert eben in der Regel zur kalten Jahreszeit.

Die Olzeborchschule erhält Holz für ein Klassenzimmer

Das Fällen selbst ist Routine. „Nadelholz wächst auch schön gerade, da sind die Kronen nicht so ausgeprägt.“ Vor Ort werden die Äste abgetrennt, die Stämme dann in rund fünf Meter große Stücke zersägt. „Die werden dann auf einer Fläche nördlich des Sportplatzes gelagert“, sagt Petra Walz. Die Stümpfe bleiben, sie werden zu kleinen Lebensräumen für Insekten und Pflanzen. Das Areal wird abschließend noch einmal untersucht werden, ehe es wieder für die Öffentlichkeit freigegeben wird.

Die Olzeborchschule hatte schon im Sommer die Zusage erhalten, dass sie Holz aus dem Schulwald bekommt, um dort das eigene Klassenzimmer in der Natur – ein Projekt, das in diesem Jahr gestartet wurde – mit selbst gebauten Stühlen und Tischen auszustatten. Das Material wird nun aus dem Lagerbestand der Gemeinde gestellt, im Tausch geht das verbliebene Holz an den Baubetriebshof. „Das verheizen wir“, sagt Petra Walz. So könne man Geld einsparen. Anders als früher verkauft die Gemeinde indes kein Holz mehr an die Bevölkerung.

Anfang 2022 werden die neuen Bäume gepflanzt

Die Zukunft des Schulwaldes ist bereits geplant. Die gefällten Küstentannen werden Anfang 2022 durch neue Bäume ersetzt, die resistenter sind gegenüber dem Klimawandel – also besser gerüstet gegen Trockenheit und geschützt vor Schädlingsbefall. Die Pflanzung wird zusammen mit den Kindern und Jugendlichen des Projektes der Olzeborchschule vorgenommen.

Dort, wo durch die Fällungen Lücken entstanden sind, sollen künftig Stieleichen, Rotbuchen, Flatterulmen oder Esskastanien wachsen. Eine größere Vielfalt soll dafür sorgen, dass der Schulwald gesund bleibt und langfristig seinen Zweck als Ort für Naherholung und Bildung erfüllen kann.

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