Nachhaltigkeit

Deo, Handcreme und Co einfach selber machen

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Heike Hiltrop
Die Bad Segebergerin Zeruja Hohmeier (36) mit einer kleinen Auswahl an Produkten, die in der eigenen Küche entstanden sind.

Die Bad Segebergerin Zeruja Hohmeier (36) mit einer kleinen Auswahl an Produkten, die in der eigenen Küche entstanden sind.

Foto: Heike Hiltrop / Hiltrop

Die Segeberger Klimainitiative 5 nach 12 zeigt, wie leicht es sein kann, in Bad und Waschküche plastikfrei zu leben.

Bad Segeberg.  Große und kleine Gläser mit Schraub- oder Klemmverschluss stapeln sich vor Zeruja Hohmeier. Statt Marmelade, Mayonnaise oder Gurken, wie es einmal ihre Ursprungsbestimmung war, beinhalten sie weiße Pülverchen, gelbe Flocken und eine undefinierbare beige Paste. „Hier, das ist Waschpulver“, sagt die 36-Jährige, öffnet eines der Gefäße und schüttelt es lachend ein bisschen. „Geraspelte Kernseife, Soda, Natron und Spülmaschinensalz – zack fertig. Sieht erst einmal ungewohnt aus, ist aber ganz einfach zu machen und funktioniert wirklich sehr gut.“

Nachhaltigkeit: Selbermachen und Plastik vermeiden

Zeruja Hohmeier aus Bad Segeberg gehört der Klimainitiative 5 nach 12 an. Dort engagiert sie sich unter anderem in der Arbeitsgruppe „Plastikfrei(er) leben“. Ziel: Müll vermeiden und das mit Vergnügen. „Das ,er’ haben wir in Klammern gesetzt, weil so ganz ohne Plastik geht es dann ja doch nicht“, ergänzt Jagrata Drews aus Stripsdorf, die ebenfalls in der Gruppe mitwirkt.

Schon lange ist selbst gemachte Seife ein Renner auf jedem Weihnachtsmarkt. Die beiden Frauen und andere gehen einen großen Schritt weiter, um etwas zu bewegen. Zahnpulver, Handcreme, Körperlotion, Deo, WC-Reiniger und andere Drogerieartikel werden in der eigenen Küche produziert. Das spart jede Menge Umverpackung aus den verschiedensten Materialien und verlängert die Lebensdauer von Einweg-Gläsern, bis sie irgendwann doch im Altglascontainer landen und zu neuen werden.

Das helfe der Umwelt, dem Klimaschutz, „und man weiß, was drin ist“, unterstreicht Zeruja Hohmeier. „Ich schwöre voll auf das Deo, dafür gibt es ein ganz einfaches Rezept. Das ist zwar ein bisschen bröseliger, da muss man schon offen sein für die ungewohnte Haptik, die Struktur von dem Zeug, aber es ist mega gut. Ich war vorher sehr kritisch, aber das ist schon eine echt coole Sache“, schwärmt die dreifache Mutter geradezu von den Resultaten. „Und die selbst gemachte Bodylotion kann man ganz prima verschenken.“

Es gehe darum auszuloten, was man alles weglassen kann

Viele Grundzutaten seien sogar vor Ort, etwa im Unverpackt-Laden „Nixdrumrum“ von Kerstin Dathe und Dirk Boldebuck in Bad Segeberg und auch mit Bio-Label zu bekommen. Die zunächst mitunter hohen Preise würden sich dabei ganz schnell – auf die Menge gesehen – relativieren. „Am Ende kommt man sogar günstiger dabei weg, als wenn man die Artikel aus dem Supermarktregal kauft.“

Die Arbeitsgruppe reckt nicht den erhobenen Zeigefinger gegenüber jenen, die eher auf herkömmliche Produkte schwören und sie hat sich das plastikfreie Leben auch nicht zum Dogma gemacht. Es geht ihr vor allem darum auszuloten, was machbar ist, was man weglassen könne und auszuprobieren. Hohmann: „Meinen Kindern kann ich auch nicht mit dem Zahnpulver kommen. Muss ich auch gar nicht. Es ist eine Alternative, sollte Spaß machen, funktionieren und eine Bereicherung sein.“

Vor allem der Badezimmermüll lasse sich sehr leicht reduzieren. „Also mein Bad ist plastikfrei. Das war relativ einfach“, bestätigt Jagrata Drews. „In der Küche ist es schon schwieriger. Da würde ich das nie hinbekommen – unmöglich, wenn man Kinder hat. Die finden einiges eher abstoßend, aber das ist schon in Ordnung.“ Am Ende komme ihre Familie im Monat auf etwa einen gelben Sack, so die 53-Jährige.

Nachhaltigkeit: So kann Plastikmüll vermieden werden

Viele kleine Schritte könnten schon Großes bewirken. Und dafür will die Segeberger Arbeitsgruppe Plastikfrei(er) leben niedrigschwellig andere begeistern. „Ich glaube, es machen schon viele zu Hause. Jeder kann das“, sagt Zeruja Hohmeier, die mit Jagrata Drews antritt, um andere zu motivieren. Kleine Workshops schweben der Initiative vor. Aktionen mit Jungen und Mädchen in Schulen und Kitas können sich die Frauen gut vorstellen und werben für Mitstreiter: „Es gibt so gute Ideen, man kann so viel machen.“

Und dabei so viel Plastikmüll vermeiden. Die Zahlen der Initiative verdeutlichen das weltweite Problem. 1.091.300 Tonnen Kunststoffabfall gingen 2019 laut Statistischem Bundesamt von Deutschland aus in die Welt. Damit sind wir der EU-weit größte Exporteur. 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle sind laut aktuellem Plastikatlas der HeinrichBöll-Stiftung 2017 in Deutschland angefallen. Davon sind nur 810.000 Tonnen wiederverwertet worden, das sind 15,6 Prozent.

Dass immer mehr Kunststoffverpackungen durch Papierverbunde ersetzt werden, schadet der Umwelt mindestens genauso, wenn nicht sogar noch mehr, hat eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) ergeben. Denn zum einen wird so mehr Verpackung produziert und zum anderen gibt es beim Mix Recyclingprobleme. Experten sprechen vom Greenwashing und setzen auf besser recycelbare Kunststoffe.

Segebergs Klimainitiative 5 nach 12 trifft sich jeden ersten Sonnabend im Monat im Jugendcafé am Markt (JaM) in Bad Segeberg. Es gibt mehrere Arbeitsgruppen, unter anderem zum Foodsharing, zu Rad und Verkehr, Plastikfrei(er) leben und – als jüngstes Projekt das Repair-Café. Mehr Infos zur Initiative gibt es unter www.5nach12.net

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