Impfaktion Norderstedt

Corona: 300 Menschen lassen sich im Herold-Center impfen

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Christopher Herbst
Louis (25) aus Garstedt entschied sich trotz Skepsis für die Impfung. Jetzt müsse es eben sein, sagte er. Dafür gab es ein Gratis-Eis.

Louis (25) aus Garstedt entschied sich trotz Skepsis für die Impfung. Jetzt müsse es eben sein, sagte er. Dafür gab es ein Gratis-Eis.

Foto: Christopher Herbst

Hohe Resonanz bei zweitägiger Aktion. Angebot erreicht viele bislang nicht immunisierte Personen. Die Details.

Norderstedt.  Der Gong ertönt, es folgt die offizielle Durchsage. „Verehrte Kunden: Lassen Sie sich bei uns gegen Corona impfen. Nutzen Sie die Chance. Zur Belohnung gibt es eine Kugel Eis gratis.“ Der Aufruf des Herold-Centers ist nicht ungehört verhallt. Ganz im Gegenteil. Die offene Impfaktion ohne Anmeldung, zusammen durchgeführt von der Stadt, dem Bereitschaftsdienst des Deutschen Roten Kreuzes und einem mobilen Impfteam der Kassenärztlichen Vereinigung, ist auf eine ungeahnt hohe Resonanz getroffen.

300 Menschen erhielten eine Dosis im Einkaufszentrum, 135 am Freitag, 165 am Sonnabend. Die meisten von ihnen war vorher noch gar nicht geimpft gewesen, sodass das Angebot tatsächlich jene erreicht hat, die bisher aus vielerlei Gründen außen vor geblieben waren.

Viele junge Menschen bei Impfaktion im Herold Center

Ein Beispiel ist Louis (25) aus Garstedt, der zusammen mit Freundin Jennifer (20) vorbeigekommen ist. Er ist ganz offen. „Bisher hatten wir uns gegen die Impfung gewehrt. Aber jetzt muss man ja irgendwie. Man will ja auch ein bisschen leben“, sagt er. Das Paar entschied sich für den Einmal-Impfstoff von Johnson & Johnson. In der Kabine saßen sie nebeneinander. „Zusammen war es besser.“ Und sie verraten, dass es in ihrem Freundeskreis eine ablehnende Haltung gegen die Schutzimpfung gibt. Ob sie nun positiven Einfluss ausüben können? Sie sind da eher skeptisch.

Das war bei Mina Matzat aus Henstedt-Ulzburg ganz anders. Aber die 12-Jährige ist eben erst seit kurzer Zeit überhaupt impfberechtigt gemäß Stiko-Empfehlung. „Vom Alter her war es ein bisschen unklar“, sagte ihre Mutter Britta, „aber sie spielt Handball beim SV Henstedt-Ulzburg, hat so viele Kontakte. Wir haben uns dann umgehört und für die Impfung entschieden. Beim Kinderarzt haben wir keinen Termin bekommen, also sind wir heute hierhin gefahren.“ Mina erhielt einen Pieks mit dem Biontech-Wirkstoff. „Das war in Ordnung, es hat nicht weh getan. In meiner Mannschaft sind sogar schon fast alle geimpft“, sagte sie – und holte sich gerne ihre Kugel Gratis-Eis vom Giovanni L. nebenan.

Kommunen können Impf-Initiativen anmelden

Es war ein permanentes Kommen und Gehen in dem umfunktionierten früheren Modegeschäft. Julia Major vom Sozialdezernat ging hierbei immer wieder die Warteschlange ab, fragte nach Impfstoff-Präferenzen, nach Unterlagen, manchmal waren auch Übersetzungen nötig. Auch für die Verwaltung waren die Impftage im Herold-Center ein wichtiger Indikator, schließlich werden Kommunen landesweit weiterhin die Möglichkeit haben, vergleichbare Initiativen anzumelden. Das dicht besiedelte Garstedt scheint prädestiniert zu sein.

Es gab auch besondere Fälle wie den von Marc. Dessen Frau lebt in Norderstedt, der Libanese arbeitet allerdings im Kongo. „Dort habe ich eine Firma. Aber es gibt da nur den chinesischen und den russischen Impfstoff.“ Beide sind in der EU nicht zugelassen, er wäre also nicht von einer Testpflicht befreit. „Hier im Einkaufszentrum ist es sehr gut organisiert, die Mitarbeiter sind sehr freundlich, haben alles gut erklärt“, sagte er. „Es wird einfacher sein, wenn ich die Tests nicht mehr machen muss.“

Viele Hamburger lassen sich in Norderstedt impfen

Das hörten die Organisatoren öfter. Ab dem 11. Oktober werden die Schnelltests für die meisten Menschen nicht mehr umsonst sein, was ebenso eine gewisse Dynamik ausgelöst hat. Wobei es eine Vielzahl an Gründen gibt. Marlies Rathsack vom DRK sagte, man sei „teilweise erschrocken“ gewesen, dass manche immer noch auf Termine in Arztpraxen gewartet hätten. Darunter auch Senioren, die eigentlich schon im Frühjahr an der Reihe gewesen wären. „Die Impfzentren waren für manche Menschen abschreckend. Wir hatten erst gedacht, dass es vielleicht viele Dritt- oder Zweitimpfungen sind, die in den Zentren durch deren Schließung nicht mehr drangekommen sind.“

Sie berichtete davon, dass auch viele Hamburger nach Norderstedt gekommen seien. „Zum Teil waren es wirklich lange Anfahrtswege. Und sie waren auch erfreut, dass wir alle Impfstoffe hier hatten – Biontech, Moderna und Johnson & Johnson –, sie also die Auswahl hatten.“ Centermanager Thomas Krause schaute an beiden Tagen immer mal wieder vorbei. „An jedem Tag sind bei uns so 25.000 Menschen unterwegs. Wir sind ein Standort, wo sich viele Menschen aufhalten, die sich freuen, jetzt die Impfung im Rahmen ihres Einkaufsbummels miterledigen können.“ Er bekräftigte: „Wir würden das jederzeit gerne wieder unterstützen.“

Ende Oktober ist die nächste Impfaktion in Garstedt

Jeweils gegen 17 Uhr wurde das provisorische Impfzentrum dann wieder geschlossen. Wer minimal zu spät kam, bekam den Tipp, sich auf impfen-sh.de zu informieren, dort werden nun regelmäßig neue Aktionen quer durch Schleswig-Holstein angekündigt. Ein nächster Termin für Norderstedt, und zwar in unmittelbarer Nachbarschaft zum Herold-Center, ist auch schon bekannt: Am 29. und 30. Oktober (jeweils 9.30 bis 17 Uhr) kommt ein mobiles Impfteam in das VHS-Gebäude in der Dunantstraße 4. Auch dann gilt wieder: Erst-, Zweit- oder Drittimpfung, alle Menschen sind eingeladen.

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