Norderstedt

Das Kopfsteinpflaster auf dem Rathausmarkt verschwindet

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Christopher Herbst
Marktsprecherin Karen Meyer unterstützt die Maßnahme. Sie kennt Kunden, die den Markt aus Angst vor Stürzen bewusst meiden.

Marktsprecherin Karen Meyer unterstützt die Maßnahme. Sie kennt Kunden, die den Markt aus Angst vor Stürzen bewusst meiden.

Foto: Christopher Herbst

Rathausmarkt in Norderstedt-Mitte bekommt ab Montag eine neue Oberfläche – vorerst nur als Provisorium.

Norderstedt.  Irgendwo zwischen gefährlicher Stolperfalle und unverzichtbarem historischen Erbe haben sich in den letzten Jahren die Diskussionen zum Rathausmarkt in Norderstedt-Mitte bewegt. Die Bürgerinnen und Bürger verbindet eine Hassliebe mit dem Kopfsteinpflaster, das ab Montag endgültig weitestgehend verschwinden und durch eine provisorische Oberfläche ersetzt wird.

Rathausmarkt: Stolperfalle soll verschwinden

Gut so, findet Karen Meyer, Sprecherin der Norderstedter Wochenmärkte. „Für die alten Leute ist es ganz schlimm, hier zu gehen. Wir haben oft gesagt bekommen von Kunden, dass sie auf diesen Markt nicht gehen, weil die bei dem Pflaster Angst haben, wir haben miterlebt, dass Leute gestürzt sind. Gerade zum Winter, wenn es nass ist, glatt und rutschig. Wir sind froh, dass es jetzt gemacht wird.“

Seit 16 Jahren betreibt sie ihren Imbiss bei Wind und Wetter. Wie auch die anderen Stände wird sie für einige Wochen – voraussichtlich bis 7. November – auf den Jörg-Peter-Hahn-Platz, also die Fläche vor dem Fahrradparkhaus, umziehen müssen. Dort findet der Wochenmarkt dann statt, wenn auch etwas beengt. „Es nützt ja nichts. So weit ich weiß, sind alle gut untergebracht.“ Nur für die Beschicker, die keine Lebensmittel, sondern zum Beispiel Textilien oder Batterien anbieten, ist kein Platz. Das lasse sich nicht ändern, so Meyer.

Rathausmarkt soll neu gestaltet werden – irgendwann

Wie mehrfach berichtet, hatten sich Verwaltung und Politik im Frühjahr schwergetan, eine Entscheidung für die Umgestaltung des Rathausmarktes zu finden. Mittel- bis langfristig ist ein grundsätzlicher Umbau des Areals, und zwar in Verbindung mit einer Umgestaltung der Rathausallee, vorgesehen. Inklusive schicker Freiflächen, neuer Beete und neuem Mobiliar, die Kosten werden bei mehreren Millionen Euro liegen. Künftig könnten dann vielleicht öfter Freiluftveranstaltungen stattfinden. Denn bis auf den zweifelsohne beliebten Wochenmarkt passiert vor dem Rathaus kaum einmal etwas – und das trotz bester Lage im Stadtzentrum.

All das wird aber noch dauern, die Planungen laufen, auch politisch ist das letzte Wort nicht gesprochen, es gibt lediglich eine Studie von 2019, wie der Bereich einmal aussehen könnte. Aus Sicht der Fachleute im Bauamt musste aber bereits kurzfristig etwas geschehen, der Zustand wurde als „extrem sanierungsbedürftig“ klassifiziert, das Natursteinpflaster als „uneben, lückenhaft, die Fugen vielerorts nicht mehr vorhanden“.

Die Granitsteine sind ein Stück Stadtgeschichte

Die Granitblöcke sind aber nicht irgendwelche profanen Steine, sondern ein Stück Stadthistorie. Im April hatte Walter Thomsen, von 1970 bis 1993 Hochbauamtsleiter in Norderstedt, im Abendblatt daran erinnert, dass das Pflaster einst die Straße Ochsenzoll in Garstedt gewesen sei, ehe alles in den 1960er-Jahren, also noch vor der Stadtgründung, durch Asphalt ersetzt wurde.

Dann lagerte man die Steine ein, bis Anfang der 1980er-Jahre das neue Rathaus gebaut werden sollte. Und so landete das Pflaster 1984 im neuen Stadtteil Norderstedt-Mitte, damit dort wenigstens irgendetwas an die Vergangenheit erinnern würde. Thomsen forderte, den Rathausmarkt in seiner bisherigen Form zu erhalten.

Doch jetzt sind die Tage der Steine wieder gezählt. 250.000 Euro, finanziert über den Nachtragshaushalt, kostet es, das Pflaster gegen eine ebene Oberfläche auszutauschen, die weitgehend barrierearm sein soll. Das politische Votum im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr Ende April war knapp mit acht Ja- und sechs Nein-Stimmen, kritisch wurden insbesondere die Kosten für eine bloße Übergangslösung gesehen.

Die Übergangslösung besteht mindestens zwei Jahre

Doch so wird es nun kommen. „Mit der Neupflasterung soll eine gefahrlose Nutzung des Marktplatzes für Benutzerinnen und Benutzer von Rollstühlen, Rollatoren und Kinderwagen sichergestellt werden“, teilt die Stadt mit. Das Kopfsteinpflaster werde „insbesondere in der Mitte des Platzes“ ausgetauscht. Wie das in der Praxis genau aussehen wird, werden die nächsten Wochen zeigen. Die Gehwege rund um den Rathausmarkt sollen weiter zugänglich sein, heißt es, wobei einzelne Beeinträchtigungen nicht ausgeschlossen sein können.

Das neue, graue Rechteckpflaster bleibt solange, bis die Planung für die Umgestaltung von Rathausmarkt und Rathausallee abgeschlossen ist und realisiert wird. Bisher geht die Stadt hier von zwei Jahren aus. Der provisorische Belag soll später anderweitig wieder verwendet werden.

Bleibt die Frage, was denn nun mit dem historischen Pflaster geschieht. Auf Nachfrage sagt die Verwaltung, dass ein Teil der Blöcke beim Betriebsamt eingelagert werde. Vielleicht werden diese noch als gestalterische Elemente benötigt. „Und ein Teil des Pflasters wird abtransportiert.“ Und damit endgültig entsorgt.

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