Kreis Segeberg

18 Millionen Euro für neue und autonome Buslinien

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Burkhard Fuchs
Autonome Kleinbusse – wie hier in der Hamburger HafenCity – sollen in Zukunft auch in Norderstedt und Wahlstedt im Kreis Segeberg rollen. Das Geld aus dem Modellprojekt soll bei der Umsetzung der Pläne helfen.

Autonome Kleinbusse – wie hier in der Hamburger HafenCity – sollen in Zukunft auch in Norderstedt und Wahlstedt im Kreis Segeberg rollen. Das Geld aus dem Modellprojekt soll bei der Umsetzung der Pläne helfen.

Foto: Hamburger Hochbahn AG

Die nördliche Metropolregion wird eines von zwölf deutschen ÖPNV-Modellprojekten. Was im Kreis geplant ist.

Kreis Segeberg.  Der Öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) im Hamburger Umland wird weiter gestärkt und ausgebaut. So ist es den vier Kreisen Segeberg, Pinneberg, Stormarn und Herzogtum-Lauenburg gelungen, als eines von bundesweit zwölf Modellprojekten bis 2024 voraussichtlich 18 Millionen Euro zusätzlich für neue Busprojekte zu erhalten. Für jeden Kreis wären das etwa 1,5 Millionen Euro im Jahr, erklärt Claudius Mozer, der den Busverkehr in den Kreisen Pinneberg und Segeberg organisiert.

Kreis Segeberg investiert 18 Millionen Euro in ÖPNV

Die vier Kreise rücken beim ÖPNV ohnehin zusammen. Erstmals werden sie im kommenden Jahr einen gemeinsamen Regionalen Nahverkehrsplan für die nächsten fünf Jahre aufstellen. Mit der Bearbeitung ist federführend die SVG Südholstein ÖPNV-Verwaltungsgemeinschaft der Kreise Segeberg, Pinneberg und Dithmarschen beauftragt, deren Geschäftsführer Claudius Mozer ist und die ihren Sitz in Norderstedt hat.

Den öffentlichen Nahverkehr lässt sich der Kreis Segeberg etwa 18 Millionen Euro in diesem Jahr kosten. Darum begeistert es auch Arne Hansen, den Fraktionschef der Grünen im Segeberger Kreistag und und Vorsitzenden des Ausschusses für Umwelt, Natur und Klimaschutz des Kreistages, dass nun bald weitere finanzielle Fördermittel aus Berlin bereit stehen. „Jetzt kann der ÖPNV zusätzlich an Fahrt aufnehmen.“ Die Fahrgastzahlen im ÖPNV seien in der Corona-Krise massiv eingebrochen. „Um hier den Klimaschutz voranzubringen und die Verkehrswende einzuleiten, müssen wir jetzt doppelt so viel in diesen Bereich investieren.“

Erste Projekte könnten schon Ende 2022 starten

ÖPNV-Planer Mozer sagt: „Wir freuen uns sehr über die Bundesförderung, auch wenn der letzte Segen noch nicht erteilt ist.“ Das Bundesverkehrsministeriums investiert bundesweit 250 Millionen in den nächsten drei Jahren in neue ÖPNV-Projekte, um den CO2-Ausstoß signifikant zu senken.

„Bei der Bewerbung haben wir verbindende Aspekte beim Busverkehr in den Vordergrund gestellt“, sagt Mozer. So sei ein Ziel die Einführung eines „metropolitanen Stadt-Land-Taktes“. Jeder Kreis habe auch seine spezifischen Wünsche im Blick. Jetzt müssten bis Ende Oktober die einzelnen Maßnahmen in ihrer konkreten Ausgestaltung dem Verkehrsministerium vorgestellt werden. „Dann hoffen wir, dass wir bis Ende des Jahres die endgültige Zusage aus Berlin erhalten werden“, sagt Mozer. Zum Fahrplanwechsel Ende 2022 könnten dann die ersten Projekte umgesetzt werden.

Busverkehr in Henstedt-Ulzburg wird neu organisiert

„Der dickste Fisch im Köcher“ werde die völlige Neugestaltung des Busverkehrs in und um Henstedt-Ulzburg sein, erklärt Mozer. So soll die Linie 293 zwischen Henstedt-Ulzburg und Norderstedt-Mitte in einem ganztätigen 20-Minuten-Takt fahren. Eine neue Buslinie 893 wird geschaffen, die zwischen Harkshörn-Nord, Rhen, dem AKN-Bahnhof Meeschensee und Quickborn-Heide verkehrt. „Das ist neu“, sagt Mozer. So wird der neue Park-and-Ride-Platz Meeschensee ebenso angefahren wie die Paracelsus-Klinik. Und die Buslinie 196 soll verlängert werden, damit sie das Gewerbegebiet Ulzburg erschließt.

Darüber hinaus soll der Busverkehr in der Großgemeinde an eine Smartphone-App angeschlossen sein, die es den Bürgern ermöglicht, außerhalb der Hauptverkehrszeiten Kleinbusse anzufordern, sogenannte „On-demand-Verkehre“. Ein Gutachten hat errechnet, dass das Fahrgastaufkommen in Henstedt-Ulzburg durch diese Verbesserungen um fast zwei Drittel anwachsen wird. Der ÖPNV-Anteil an den Gesamtverkehren soll sich so in der Großgemeinde auf zwölf Prozent nahezu verdoppeln und so den täglichen Stau auf den Straßen verringern. 1,7 Millionen Euro sollen alleine diese Verbesserungen kosten.

In Norderstedt werden die autonomen Busse getestet

Aber auch für Norderstedt sind neue Busangebote geplant. So soll in einem Modellversuch das autonome Fahren eines Linienbusses erprobt und getestet werden. Ursprünglich war dafür mal der Stadtpark angedacht. Nun wird der Glashütter Damm als erste Modellstrecke geplant, sagt Mozer.

Auch in Wahlstedt zum Bahnhof soll ein solches selbstfahrenden Busshuttle-System, wo Kleinbusse eingesetzt werden, die technisch in der Lage sind, autonom und ohne Fahrer zu fahren, erprobt werden. Ganz ohne Busfahrer sei dies in Deutschland zwar noch nicht erlaubt, erklärt Mozer. Ein Fahrer müsse noch immer an Bord sein, der notfalls eingreifen kann. Auch hier komme das Bundesförderprogramm gerade richtig, um die Praxistauglichkeit solcher Systeme weiter zu untersuchen. „Wir hoffen, dass wir hier weiter experimentieren können. Die technische Entwicklung ist da sehr dynamisch. Für einen flächendeckenden Einsatz ist es allerdings noch zu früh“, betont Mozer.

Für Autopendler, die einen Teil ihres Weges zur Arbeit mit Bussen und Bahnen zurücklegen, soll zudem die Nutzung von Park-and-Ride-Anlagen erleichtert werden, indem sie diese über eine bestimmte Plattform im Voraus buchen könnten. Alle Maßnahmen sollen vom Bund mit 80 Prozent der Kosten gefördert werden. Die Technische Universität Harburg soll das Projekt wissenschaftlich begleiten und dabei untersuchen, wie viel des klimaschädigenden CO2-Ausstoßes die jeweiligen Projekte tatsächlich reduzieren können.

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