Norderstedt

Erleben, woher die Kürbis-Marmelade kommt

| Lesedauer: 5 Minuten
Andreas Burgmayer
Im Schulgarten der Grundschule am Wittmoor: Luisa, Betreuerin Gabriele Timm, Jason und Catalya ernten Kürbisse im neuen Hochbeet.

Im Schulgarten der Grundschule am Wittmoor: Luisa, Betreuerin Gabriele Timm, Jason und Catalya ernten Kürbisse im neuen Hochbeet.

Foto: Claudia Blume / blume

Von der Bedeutung des Schulgartens bei der Erziehung der Kinder – am Beispiel der Ganztagsgrundschule am Wittmoor in Glashütte.

Norderstedt.  „Die Spitzen müssen nach oben zeigen, bevor Erde drauf kommt“, erklärt der siebenjährige Mattis seiner Klassenkameradin Elisabeth und dreht mit ihr einige Tulpenzwiebeln um, die in einer Gitterschale liegen. Die kommen heute in den Boden, damit der Schulgarten der Grundschule am Wittmoor im kommenden Frühjahr bunt wird. An der Grundschule in Glashütte wurde der Schulgarten gerade auf 150 Quadratmetern Fläche neu angelegt. Die 160 Kinder der zweizügigen Offenen Ganztagsgrundschule (OGGS) wühlen hier gerne und mit Spaß im Mutterboden, besonders die 105 Kinder unter ihnen, die in der Nachmittagsbetreuung ihre Zeit im Freien verbringen wollen.

„Die Kinder erleben die Natur spielerisch mit allen Sinnen und unterstützen sich mit ihrem erworbenen Wissen gegenseitig“, sagt Gabriele Timm. Sie ist Betreuerin der städtischen Gesellschaft Bildung, Erziehung und Betreuung (BEB), die an Norderstedter Schulen die Ganztagsbetreuung organisiert.

Schulgärten sind an deutschen Schulen nach wie vor keine Pflicht. Wenngleich so ziemlich alle pädagogischen Institutionen sie als vielfältige und moderne Lernorte empfehlen. So zumindest ist es in den Leitlinien für leistungsfähige Schulbauten in Deutschland vermerkt, die vom Bund Deutscher Architekten und dem Verband für Bildung und Erziehung herausgegeben wurden.

Obst, Gemüse, Kräuter sollen angebaut und sogar Kleintiere könnten gehalten werden, empfiehlt die Leitlinie, die von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten verbreitet wird. Diese hat – in Ermangelung von bundeseinheitlichen Vorgaben für die Flächenausstattung und Infrastruktur eines idealen Schulgartens – Empfehlungen für Schulträger und Stadtentwickler erarbeitet.

Diese besagen, dass ein Schulgarten mindestens einen Quadratmeter Fläche für jeden Schüler der Schule bereithalten, mindestens aber 200 Quadratmeter groß sein sollte. Die Kinder sollen sich richtig bewegen können, Gruppenarbeit störungsfrei möglich sein. Das Gelände sollte eben sein, um einen barrierefreien Zugang auch für Menschen mit Behinderung zu garantieren. Er sollte nicht durch Baumwurzeln beeinträchtigt und nicht von Südwesten, Süden oder Südosten beschattet sein. Denn Bäume machen vielen Gartenpflanzen Nahrungskonkurrenz, und ohne Sonne wird es nichts mit Gemüse und Obst.

Der Schulgarten war auch der ausdrückliche Wunsch der Erst- bis Viertklässler

Der neu angelegte Schulgarten der Grundschule am Wittmoor erfüllt die Kriterien – auch wenn er die 200 Quadratmeter nicht erreicht. Die ehemalige Grundschule Glashütte-Süd, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiert, hat gerade ein neues, großzügiges Ganztagsgebäude mit Mensa und neue Betreuungsräumen eingeweiht, in denen die Kinder nach dem Unterricht spielen, Sport machen und basteln können. Der Schulgarten wird als „Herzstück“ der Schule gesehen. Er war auch der ausdrückliche Wunsch der Erst- bis Viertklässler.

Es gibt dort Beete mit Frühblühern, Stauden oder Kräutern, Naschbeete mit Johannisbeeren und Erdbeeren sowie ein Hochbeet mit Mais und Kürbissen. Und es wird sogar schon die erste Ernte in diesem Jahr eingefahren. Mit einem großen Messer geht Luisa gerade den Kürbissen „Aladin“ und „Casper“ an die Schale – das reife Fruchtgemüse werde geerntet, um daraus Halloween-Marmelade zu kochen. „Der Aufstrich geht auf dem Schulbasar ebenso reißend weg wie unser selbst gemachtes Kräutersalz“, sagt Anja Rathjen, Leiterin des BEB-Betreuungsteams.

Die Schüler Sipan und Mobasher pflücken unterdessen eifrig intensiv duftende Pfefferminze. „Die brauchen wir für unseren absoluten Lieblingstee!“ Alles im Schulgarten könnten die Kinder gefahrlos probieren, sagt Betreuerin Gabriele Timm. Sie ist ein Kind vom Lande, in der Natur aufgewachsen und hat an ihrem Wohnort in Langenhorn nun zumindest einen großen Garten. „Ich freue mich über das Interesse der Kinder an der Natur und möchte sie darin unterstützen.“ So habe sie mit ihnen in den Sommerferien Nisthilfen und Wassertränken für Insekten gebaut, damit sich Schmetterlinge, Bienen und Käfer im Schulgarten wohlfühlen.

Timm ist überzeugt, dass der intensive Umgang mit Pflanzen und Tieren den Kindern helfe, an ihren Kompetenzen zu arbeiten und zu wachsen. „Ich mag es, mich um Pflanzen zu kümmern, damit sie genügend Sauerstoff für Tiere und Menschen produzieren“, sagt die siebenjährige Elisabeth. Derweil beäugt Jason eine Spinne, die auf der Umrandung des Hochbeetes läuft.

Damit im Schulgarten ganzjährig etwas zu tun ist, wünscht sich das BEB-Team ein Gewächshaus, um dort eigene Blumensaat vorziehen zu können. „Zudem bewerben wir uns kommendes Jahr bei der Schenkungsaktion der Stadt um einen Apfelbaum“, sagt Anja Rathjen. Dann soll es neben Halloween-Marmelade und Kräutersalzen auch selbst gemachten Apfelsaft geben.

An der Grundschule am Wittmoor und an zehn weiteren Standorten sucht die BEB dringend neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Betreuung. Wer mitmachen will, meldet sich unter bewerbung@beb-norderstedt.deoder 040/64 66 33 00.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt