Kreis Segeberg

Die Kinder haben bereits gewählt

| Lesedauer: 5 Minuten
Miriam Opresnik
Sie haben bereits gewählt: Ines Lüth kam mit ihren drei Kindern Frederik, Isabelle und Fabian nach Henstedt-Ulzburg (v. l.).

Sie haben bereits gewählt: Ines Lüth kam mit ihren drei Kindern Frederik, Isabelle und Fabian nach Henstedt-Ulzburg (v. l.).

Foto: Miriam Opresnik (FMG) / Miriam Opresnik

Bei der U18-Wahl haben mehr als 262.000 Jungen und Mädchen ihre Stimme abgegeben. Im Kreis Segeberg liegen demnach die Grünen vorn.

Henstedt-Ulzburg. Das Ergebnis der Bundestagswahl steht fest – wenn es nach den Kindern und Jugendlichen im Land geht. Denn die Generation U18 hat bereits am Freitag gewählt – neun Tage vor der offiziellen Bundestagswahl am kommenden Sonntag. Mehr als eine viertel Millionen Kinder und Jugendlichen haben in rund 2700 Wahllokalen in ganz Deutschland ihre Stimme abgegeben und entschieden, wer Deutschland ihrer Meinung nach die nächsten vier Jahre regieren sollte. Wahlsieger sind die Grünen mit ihrer Spitzenkandidatin Annalena Baerbock, die auf 21,02 Prozent der Stimmen kommen. Die SPD bekam 19,21 Prozent der Stimmen, die CDU 16,92 Prozent und die FDP 12,03 Prozent. Die AfD schafft die Fünf-Prozent-Hürde – ebenso die Tierschutzpartei.

Auch Isabelle (7) ist das Thema Tierschutz wichtig. Weil es bei ihr in Tangstedt kein eigenes Wahllokal gab, hat sie zusammen mit ihren Brüdern Fabian (9) und Frederik (11) in Henstedt-Ulzburg gewählt. Ihre Mutter Ines Lüth (42) hatte in der Zeitung von der Aktion gelesen und war sofort begeistert. „Das ist eine großartige Möglichkeit, um mit Kindern über das Thema zu sprechen und sie an Wahlen heranzuführen“, sagt Ines Lüth, die schon mehrmals als Wahlhelferin im Einsatz war. „Bei der letzten Bürgerschaftswahl in Hamburg, bei der auch 16-Jährige wählen durften, ist mir aufgefallen, dass viele von den Jugendlichen überfordert waren.“ Trotzdem – oder gerade deswegen: In den vergangenen Wochen hat man sich im Hause Lüth immer wieder gefragt, warum es zwar eine Untergrenze für das Wahlalter gibt, aber keine Obergrenze. „Bei der Bundestagswahl entscheiden wir über die Zukunft in unserem Land – und damit über die Zukunft unserer Kinder. Viele Menschen wählen aber nicht im Interesse der nächsten Generation“, so Lüth. Daher sei es wichtig, dass Kinder bei der U18-Wahl ihre Stimme abgeben könnten.

Die Idee zu den Wahlen für Kinder und Jugendliche entstand 1996 in Berlin. Was mit einem einzigen Wahllokal begann, hat sich zu einer bundesweiten Aktion für politische Bildung entwickelt. Ziel der Initiative ist es, jungen Menschen das Thema Politik und Wahlen näherzubringen und die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass Kinder und Jugendliche ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind und gehört werden sollten. „Die Jugendlichen merken sehr genau, wie wichtig Wahlen für unser Land und für sie selbst sind“, sagt Finn Jacobsen (43). Er ist Erzieher im Jungendzentrum Tonne in Henstedt-Ulzburg und hat in den vergangenen Wochen viel mit den Kinder und Jugendlichen über das Thema gesprochen. Sein Ziel ist es, Politik greifbar und verständlich zu machen. Daher geht es am Wahltag nicht nur um die Wahl selbst, sondern auch darum, sich zu informieren und eine Meinung zu bilden. Dafür haben die Erzieher verschiedene Möglichkeiten für die Jungwähler geschaffen: An einem Computer können sie die Wahlprogramme einsehen, an einem zweiten PC den Wahl-O-Mat machen. Es gibt Plakate mit einer Übersicht der Parteien und ihren Positionen und eine Stellwand, an der einzelne Themen aufgegriffen und beantwortet wird, wie die Parteien dazu stehen. Zum Beispiel „Wählen ab 16“ . Auf einem Zettel stehen zwei Positionen dazu: „Klar, Jugendliche sollen auch mitbestimmen“ oder „Alles soll so bleiben, wie es ist.“ Darunter sind die Logos der Parteien zu sehen, die die eine oder die andere Meinung vertreten.

„Wir wollen den Kindern nichts aufdrängen, sie sollen sich vollkommen frei entscheiden“, sagt Finn Jacobsen. Immer wieder erklärt er den Jungwählern, wie sie den Stimmzettel ausfüllen müssen. „Heimlich hinter der Stellwand, niemand darf das Ergebnis sehen“, sagt er. Und: „Ihr müsst ein Kreuz machen. Keinen Smiley malen!“ Im Gegensatz zur Bundestagswahl gibt es bei der U18-Wahl nur eine Stimme. Es ist nicht der einzige Unterschied: Denn bei den Kindern und Jugendlichen dürfen alle wählen – unabhängig von ihrer Nationalität. „Wir dürfen auf keinen Fall die AfD wählen“, sagt ein 13-jähriger Junge. Er hat gehört, dass er abgeschoben wird, wenn die AfD gewinnt. Er ist an diesem Tag einer von 1000 Jugendlichen, der im Kreis Segeberg seine Stimme abgibt.

Inzwischen steht fest, dass die AfD im Wahlkreis Segeberg/Stormarn Mitte nicht die Fünf-Prozent-Hürde geschafft hat und lediglich bei „Sonstige Parteien“ auftaucht. Die CDU kommt auf 10,42 Prozent der Stimmen, die Grünen auf 22,06 und die SPD auf 27,27 Prozent.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt