Neue Wege in der Jugendarbeit

Zwei Streetworker für Kaltenkirchen

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Wolfgang Klietz
Tatjana Storm (links) und Michele Potschkat gehen zunächst als Team los, später werden sie auch einzeln unterwegs sein.

Tatjana Storm (links) und Michele Potschkat gehen zunächst als Team los, später werden sie auch einzeln unterwegs sein.

Foto: Wolfgang Klietz

Die Sozialpädagoginnen Tatjana Storm und Michele Putschkat bieten Jugendlichen ihre Unterstützung an.

Kaltenkirchen . Tatjana Storm und Michele Putschkat gehen dorthin, wo Jugendliche sich treffen: auf dem Bahnhof, im Freizeitpark oder in Parkpaletten. Aufsuchende Jugendarbeit heißt der neue Job der Sozialpädagoginnen, die im Auftrag der Stadt Kaltenkirchen arbeiten. Sie sollen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ansprechen, die eine organisierte Freizeitgestaltung wie im Jugendhaus oder in Sportvereinen ablehnen.

Aufsuchende Jugendarbeit ist ein Konzept, das Kaltenkirchen neu einführt. „Die Fachkräfte der aufsuchenden Jugendarbeit dienen als Ansprechpartner und praktische Unterstützer in alltäglichen Fragen oder belastenden Lebenslagen bis hin zu einer intensiven sozialpädagogischen Begleitung“, heißt es dazu aus der Stadtverwaltung. Im Klartext: Tatjana Storm und Michele Putschkat helfen den jungen Menschen dort, wo sich außer ihnen niemand um sie kümmert. Tatjana Storm ist im Jugendhaus beschäftigt, das von der Stiftung Tausendfüßler betrieben wird. Michele Putschkat arbeitet für den Verein Regenbogen. Gemeinsam gehen sie seit wenigen Tagen auf die Straße. Beide Organisationen hatten bei einer Ausschreibung ein gemeinsames Angebot vorgelegt. Ausgestattet sind die Frauen jeweils mit einer halben Planstelle.

Wichtig ist es, zunächst ein Grundvertrauen herzustell

„Durch diese Kooperation wird das bisherige Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene in unserer Stadt sinnvoll erweitert“, sagt Kaltenkirchens Bürgermeister Hanno Krause. „Ich begrüße es, dass die Stadtvertretung Geld bereitgestellt hat, um auch den Menschen zu helfen, die durch andere Angebote und soziale Netzwerke nicht aufgefangen und geleitet werden und hoffe, dass das Angebot von ihnen angenommen wird.“ Insgesamt 66.000 Euro lässt sich die Stadt das neue Angebot kosten. Der Anteil junger Menschen an der Stadtbevölkerung von 23.300 Menschen ist mit 30 Prozent außerordentlich hoch. „Wir sind im Land die zweitjüngste Stadt nach Kiel“, sagt Krause. Es gehe darum zu erfahren, welche Probleme und Bedürfnisse die Jugendlichen haben, die sich in ihre Nischen zurückziehen, auf sich allein gestellt sind und zuweilen reichlich Alkohol konsumieren. Diese Menschen zu erreichen, sei schwer, sagt Krause. Polizei und Ordnungsamt könnten diese Aufgabe nicht leisten.

In diesen Tagen gehen die beiden Frau im Team zu den Treffpunkten, um erste Kontakte herzustellen. Später sind sie auch einzeln unterwegs und planen, mit den Jugendlichen über gemeinsame Projekte zu sprechen. „Wir müssen erst einmal ein Grundvertrauen schaffen“, sagt Tatjana Storm. „Dabei wollen wir sehen, was die Leute brauchen.“ Das könnten zum Beispiel legale Graffitiflächen sein. Oder ein Ort, wo man sich treffen könnte, ohne dass es zu Konflikten komme.

Einer dieser Orte könnte zum Beispiel die Skaterbahn sein, die an der Barmstedter Straße für rund 500.000 Euro renoviert werden soll. Die Pläne, an denen auch Jugendliche beteiligt wurden, werden demnächst in den politischen Gremien beraten. Selbst wenn die Kosten 500.000 Euro übersteigen sollten, dürfe das Projekt daran nicht scheitern, meint der Bürgermeister. Die bestehende Anlage ist veraltet und marode. Auch dort treffen sich regelmäßige Jugendliche aus der Stadt.

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