Strandkorb-Open-Air

Zwei gute Tage auf dem Flugplatz Hartenholm

| Lesedauer: 6 Minuten
Annabell Behrmannund Luka Simon
Mit Johannes Oerding am Lagerfeuer: Zu Beginn der Konzerte entzündete der Singer-Songwriter ein Feuer auf der Flugplatz-Bühne.

Mit Johannes Oerding am Lagerfeuer: Zu Beginn der Konzerte entzündete der Singer-Songwriter ein Feuer auf der Flugplatz-Bühne.

Foto: Annabell Behrmann

Als einziger Künstler der Strandkorb-Open-Air-Serie trat Johannes Oerding gleich zweimal in Hasenmoor auf.

Hasenmoor.  Die Band stimmt die ersten Takte von „Kreise“ an. Johannes Oerding läuft aus dem Hintergrund auf die Bühne, die Gitarre über die Schulter geschnallt, den Hut auf dem Kopf. „Har­tenhölmchen, ich freue mich jetzt schon auf ein schönes Wochenende mit euch“, ruft der 39 Jahre alte Popsänger und entzündet vor der Bühne ein Feuer, das den ganzen Abend brennen wird. Die lodernde Flamme schafft eine gemütliche, intime Atmosphäre, als säßen die Fans mit Oerding gemeinsam um ein Lagerfeuer.

Als einziger Künstler in der Strandkorb-Open-Air-Serie, die Mitte August auf dem Flugplatz Hartenholm gestartet ist und am nächsten Wochenende endet, spielt Johannes Oerding gleich zwei Konzerte in Hasenmoor. Die Tickets für seine erste Show am Sonnabend waren so schnell vergriffen, dass der Künstler am Freitag noch ein Zusatzkonzert gab – wieder vor knapp 1700 Fans, wieder ausverkauft. Der Sänger weiß so viel Treue zu schätzen: „Wir rechnen euch das hoch an, dass ihr nach wie vor Bock auf uns habt. Ich kann mich glücklich schätzen, so treue Fans zu haben.“

Immer wieder sucht Oerding das Gespräch mit den Zuschauern. „Gibt es Leute, die in einem Körbchen mit jemandem sitzen, den sie gar nicht kennen? Hat jemand ein Tinder-Date hier?“, fragt er und entscheidet dann: „Wir brauchen ein Liebeslied!“ Die Bühne dunkelt sich ab, Scheinwerfer strahlen in Blau und Lila. „So schön“ singt der Sänger und stellt eindrucksvoll unter Beweis, über was für einen enormen Umfang seine Stimme verfügt. Insbesondere die hohen Töne beeindrucken. „Bei denen, die mich von euch noch nicht kennen, möchte ich mich kurz vorstellen“, sagt Oerding, und das kann er natürlich am besten mit seinem Song „Unter einen Hut“. Die meisten wissen allerdings ganz genau, wer er ist – zu seinen Konzerten kommen viele Stammfans.

Die Akustikversion von „Love Me Tinder“ ist ein Höhepunkt

Zu „Traurig aber wahr“ imitiert der Wahl-Hamburger mit seinem Mund eine Trompete, dann setzt er eine Maske auf und marschiert ins Publikum. „Ich will mal gucken, wer so da ist“, singt er und setzt sich nicht ganz zufällig zu Pia in den Strandkorb, die seit 18 Jahren seine Friseurin ist, wie er berichtet. Ein Höhepunkt des Abends ist die Akustikversion von „Love Me Tinder“. „Ich will doch nur eine Nacht“, singt die Band mit Oerding und drängt sich dicht um ein Mikrofon und einen Kontrabass.

In einem Moment tanzen die Fans vergnügt, dann sitzen sie wieder andächtig in ihren Strandkörben und lauschen den traurigen Zeilen von „Wenn du gehst“. Nach „Blinde Passagiere“ und „Anfassen“ stimmt Oerding Lagerfeuerlieder an, die jeder kennt und mitsingen kann. Los geht es mit „Country Roads“ von John Denver. Dann gratuliert der Sänger Renate aus Korb 31, die am Freitag auf dem Flugplatz Geburtstag feiert, und singt für sie „Happy Birthday“. Die Zuschauerin darf sich sogar ein Lied wünschen, und Oerding und Band performen spontan „Nichts geht mehr“.

Beim Schlussakkord von „Hundert Leben“ schlägt der Singer-Songwriter eine Axt in einen Baumstamm. Das Klavier ist hinter Holzblöcken versteckt, das Bühnenbild trägt zur Gemütlichkeit bei. Als Oerding seine „Heimat“ besingt, leuchten im Hintergrund Glühlampen wie kleine Sterne auf. Die Stimmung ist ausgelassen. Mittlerweile erzählt der Künstler, der 2009 als Vorband von Simply Red erstmals auf sich aufmerksam machte, Witze. „Wie nennt man einen Delfin in Unterhose?“, fragt er und gibt wenig später die Antwort: „Slipper!“. Seine überwiegend weiblichen Fans lachen und gackern. Es kommt von Herzen. Alle tanzen vor ihren Strandkörben und feiern zu „An guten Tagen“.

Bettina Bockelmann (52) und Kerstin Baumann (47) sind so begeistert von Johannes Oerding, dass die Freundinnen gleich für beide Tage Tickets gekauft haben. „Er ist ein richtig guter und sympathischer Musiker“, sagt Baumann, die eigentlich eher Anhängerin von Andreas Bourani ist. Am Handgelenk hat sie sich ein Tattoo für den Popsänger stechen lassen. Freundin Bettina hat sie aber vor einigen Wochen mit zu ihrem ersten Oerding-Konzert genommen – und seitdem ist auch sie infiziert. „Wenn ich ihn mal persönlich treffen sollte, lasse ich mir für Johannes Oerding auch noch ein Tattoo stechen“, sagt die Neubrandenburgerin.

Einen ganz besonderen Moment erleben Florentina (8) und Carla (11) auf dem Konzert am Sonnabend. Unermüdlich halten die Mädchen in der ersten Reihe selbst gebastelte Plakate hoch – bis Oerding sie auf die Bühne holt. Zu dritt setzen sie sich auf den Boden, und der Künstler singt für seine jungen Fans, die T-Shirts von seiner Tour 2020 tragen, den Hit „Ungeschminkt“. Die Botschaft passt perfekt. „Ihr braucht kein Make-up, um schön auszusehen. Guckt euch an!“, sagt er zu den Mädchen und die beiden Freundinnen strahlen.

„Sehr cool war es“, berichten sie anschließend. Ihre Familien haben sie in den hinteren Strandkörben zurückgelassen und sich lieber direkt vor die Bühne in den Durchgang gesetzt. Ein Security-Mitarbeiter bringt den Mädchen sogar zwei Becher mit Orangensaft und einen Pappteller voll mit Süßigkeiten.

Nach jeweils knapp zweieinhalb Stunden beendet Johannes Oerding die Konzerte in Hasenmoor mit „Für immer ab jetzt“. Die Folge der Lieder glich sich zwar größtenteils – dennoch hat der Musiker es geschafft, die Abende individuell zu gestalten und für sich zu etwas Besonderem zu machen.

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