Schröters Wochenschau

Nie zufrieden und immer latent neidisch

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Jan Schröter
Kolumnist Jan Schröter

Kolumnist Jan Schröter

Foto: ophie Labyk / Sophie Labyk

So nimmt man uns Deutsche im Ausland wahr: stets bereit, dem Mitbürger einen reinzuwürgen. Die Asiaten machen vor, wie es besser geht.

Die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein, kurz: MA HSH, initiierte eine Experten-Diskussion zum Thema „Gegen Online-Hass“. Natürlich online, nicht etwa in der Norderstedter Rathausallee, dort sitzt die MA HSH nämlich. Es ging um die wachsende Bereitschaft zur digitalen Hassrede im Internet. In einleitender Rede beklagte eine Korrespondentin des ZDF-Hauptstadtstudios mit der Formulierung „Shitstorm-Republik Deutschland“ die Verbal-Aggressionen auf allen Kanälen der „Sozialen Medien“.

Ja, leider: Von TikTok bis Twitter wird auf sämtlichen Portalen im Internet gemeckert. Empörung in allen Steigerungsformen bis hin zur widerlichsten Gewaltandrohung wabert durchs Netz. Verleitet durch die scheinbare Online-Anonymität nimmt kaum noch jemand ein Blatt vor den Mund, denn Blätter sind analog und online völlig überflüssig (weshalb der Spruch „ein Blatt vor den Mund nehmen“ wahrscheinlich längst auf der Roten Liste der bedrohten Redensarten steht, weil er von jüngeren Generationen bedeutungsmäßig gar nicht mehr verstanden wird).

Was tut die MA HSH dagegen? Sie klagt. Sofern der oder die Urheber eines Hass-Kommentars ermittelt werden kann. Zudem pflegt sie kurze Drähte zu Facebook, Instagram & Co., um entsprechende Beiträge möglichst rasch sperren und entfernen zu lassen. Dieses Bemühen ist ehrenwert. Man ahnt allerdings, dass es zur Beschwichtigung des digitalen Pöbel-Pöbels auch nur bedingt wirksam ist. Dann pöbelt diese Meute darüber, dass sie nicht mehr pöbeln darf. Shitstorm-Republik Deutschland. Ist ja nichts Neues. So nimmt man uns im Ausland wahr: nie wirklich zufrieden, immer latent neidisch, stets bereit, dem Mitbürger einen reinzuwürgen.

Japaner und Chinesen machen uns vor, wie es geht

Dabei wäre die Lösung simpel. Wir importieren jeden Schrott aus Asien, aber das Wichtigste, was Fernost uns zu bieten hätte, lernen wir nicht: Dass nämlich jeder öffentlich ausgetragene Streit auf sämtliche Beteiligten zurückfällt. Wer die Beherrschung verliert, verliert sein Gesicht. Wer sein Gesicht verliert, ist peinlich für alle. Nach dieser schlichten Regel schaffen es Japaner, Chinesen, Koreaner, in gigantischen Städten auf engstem Raum zu leben, ohne sich ständig an die Gurgel zu gehen. Wer täglich im apokalyptischen Gedränge gnadenlos überfüllter Verkehrsmittel die Contenance bewahrt und noch lächelt, wenn ihm jemand auf den Fuß latscht – der bleibt auch souverän, wenn er er sich mal über Irgendwas im Internet ärgert. Das sollte uns ein Beispiel sein

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