Kreis Segeberg

Katrin Schmieder ist Norderstedts neue Sozialdezernentin

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Burkhard Fuchs
Stadtpräsidentin Kathrin Oehme gratulierte der neuen Sozialdezernentin Katrin Schmieder zur ihrer Wahl.

Stadtpräsidentin Kathrin Oehme gratulierte der neuen Sozialdezernentin Katrin Schmieder zur ihrer Wahl.

Foto: Burkhard Fuchs

Die ehemalige Grünen-Vorsitzende Katrin Schmieder wurde von der Stadtvertretung gewählt. Womit sie überzeugte.

Norderstedt.  Die Stadt Norderstedt bekommt eine neue Dezernentin für Jugend, Soziales, Bildung, Kultur und Sport. Die nächste mit einer poltisch-grünen Vergangenheit. Am Dienstagabend wählte die Stadtvertretung mit 22 von 37 gültigen Stimmen Katrin Schmieder (53) gleich im ersten Wahlgang zur Zweiten Stadträtin.

Schmieder löst Sozialdezernentin Anette Reinders ab

Die frühere Partei- und Fraktionschefin der Grünen in Norderstedt wird ihr neues Amt mit 450 Mitarbeitern im Rathaus am 1. Januar 2022 antreten. Sie löst dann Anette Reinders ab, die nach zwei Amtszeiten auf eigenen Wunsch ein Jahr vorzeitig aufhört. Reinders war zuvor ebenfalls mal Fraktionschefin der Grün-Alternativen Liste in Norderstedt und wechselte unter Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote in Rathaus.

Katrin Schmieder leitet zurzeit die Hamburger Landesvertretung der DAK Gesundheitskasse mit 170.000 Versicherten. Vorgeschlagen wurde sie von den Fraktionen der Grünen und der CDU. Die SPD sprach sich für Nicolas Tsapos (52) aus, der seit acht Jahren in Leipzig das Jugendamt mit 500 Mitarbeitern leitet. Er erhielt 13 Stimmen. Dritter Kandidat war René Karl Achten aus Ahlen, den die AfD vorschlug und der zwei Stimmen bekam.

Die Stadtratskandidaten verfolgten den Ausgang der Wahl von der Empore der „TriBühne“ aus, in der die Stadtvertretersitzung tagte. Für Katrin Schmieder, die für zunächst sechs Jahre die neue Zweite Stadträtin sein wird, entschieden sich neben CDU und Grünen auch die Fraktionen von FDP und WiN – das bekundeten sie am Rande der Sitzung, denn die Wahl selbst lief geheim ab. Jeder Stadtvertreter wurde von Stadtpräsidentin Kathrin Oehme einzeln zur Abstimmung aufgerufen.

Schmieder bietet vertrauensvolle Zusammenarbeit an

Katrin Schmieder, die sofort nach Bekanntgabe des Ergebnisses von der Empore in den Saal der Stadtvertretung eilte, freute sich ungemein über das Vertrauen der Kommunalpolitik. „Ich habe richtig Bock auf dieses Amt. Ich brenne für diese Aufgabe.“ Sie bedankte sich bei ihren Unterstützern und die große Zustimmung. „Es war ein sehr anspruchsvolles Bewerbungsverfahren“, sagte Schmieder, die sich zwei Wochen zuvor den Fraktionen vorgestellt hatte.

Jenen Stadtvertretern, die sie nicht gewählt haben, bot sie die vertrauensvolle Zusammenarbeit an. Vor ihr stehe eine große und schwierige Aufgabe, ahnt die neue Stadträtin. „Was passiert nach der Pandemie?“, sei ihre Aufgabenstellung. Da werde es in ihrem großen Dezernat darum gehen, für Wohnraum zu sorgen und mögliche weitere Obdachlosigkeit von hier lebenden Menschen zu vermeiden und dagegen anzugehen, sagte sie dem Abendblatt.

Die Integration gelte es, weiter fortzuführen, die womöglich durch zusätzliche Flüchtlinge aus den Krisengebieten vor neue Aufgaben gestellt werden könnte. Die Schulen und Kindergärten müsse sie im Blick behalten. Aber sie kenne sich in der Jugendhilfe gut aus. Das sei immer ein Schwerpunkt in ihrer jahrelangen kommunalpolitischen Arbeit gewesen. „Da habe ich auch immer mit den großen Parteien zusammengearbeitet“, sagte Schmieder. „Ich weiß, wie sie ticken.“

Schmieder setzte sich gegen neun Bewerber durch

Ihre Amtsvorgängerin Anette Reinders, die elf Jahre lang Stadträtin und zuletzt auch Stellvertreterin der Oberbürgermeisterin war, habe gute Arbeit geleistet, sagte Katrin Schmieder. „Ich bin stolz darauf, das Amt aus ihren Händen zu übernehmen.“

Insgesamt zehn Bewerber und Bewerberinnen hatten sich um die mit B3 besoldete Stelle im Norderstedter Rathaus beworben, die somit mit einem Jahresgehalt von etwa 100.000 Euro brutto dotiert ist. Zum neuen Ersten Stadtrat ist der Baudezernent Christoph Magazowski einstimmig gewählt worden. Es ist Usus in Norderstedt, dass der länger amtierende Dezernent die Stellvertreterrolle von Elke Christina Roeder übernimmt.

Die Fraktionssprecher hielten sich sehr zurück zu begründen, warum sie ihre Kandidaten für die besten hielten. Lediglich Grünen-Stadtvertreterin Ingrid Betzner-Lunding führte indirekt aus, was ihre Fraktion von der neuen Stelleninhaberin erwartet: Fachliche Expertise, Führungserfahrung, guten Führungsstil und persönliches Auftreten sowie eine Vision für die Aufgabe. „Denn es geht hier um elementares Verwaltungshandeln im Spannungsfeld steigender Aufgaben bei eingeschränkten Ressourcen.“

CDU schließt sich Wahlvorschlag der Grünen an

Immerhin sei Norderstedt auch dank der guten Arbeit von Anette Reinders bei der Nachmittagsbetreuung in den Schulen führend, für die ab 2026 ein Rechtsanspruch gelte, lobte Ingrid Betzner-Lunding. 2100 Kinder in der Stadt hätten einen Hortplatz, das seien mehr als 60 Prozent aller Grundschüler. „Das ist mehr als Flair“, sagte die Grünen-Politikerin.

CDU-Fraktionschef Peter Holle schloss sich ohne Begründung dem Wahlvorschlag der Grünen an. SPD-Fraktionschef Nicolai Steinhau-Kühl und AfD-Fraktionschef Christian Waldheim nannten nur die Namen ihrer Kandidaten.

Der unterlegene Nicolas Tsapos verließ unmittelbar nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses das Rathaus. Zuvor begründete er gegenüber dem Abendblatt, warum er sich aus der siebenmal größeren Stadt in Sachsen nach Norderstedt beworben hatte. Dort hätten sie das Amt für Jugend und Familie mit 550 Mitarbeitern und 1000 Erzieherinnen erst in seiner Amtszeit zusammengelegt, um es dann wieder zu trennen, sagte der gebürtige Bielefelder. Norderstedt kenne er bereits von mehreren Urlaubsreisen nach Schleswig-Holstein und Dänemark. In Norderstedt hatte ihn „die Vielfalt der Themen“ gereizt, zuständig zu sein für Sport, Jugend, Kinder und Soziales. Das wird nun Katrin Schmieder am 1. Januar nächsten Jahres übernehmen.

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