Norderstedt

Kampf ums Strandhaus – CDU vermutet "Säuberungsaktion"

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Das Strandhaus im Stadtpark von Norderstedt ist derzeit bitter umkämpft.

Das Strandhaus im Stadtpark von Norderstedt ist derzeit bitter umkämpft.

Foto: Strandhaus

Kostete eine Vertragsverlängerung mit den Pächtern Arriba-Chef Ruud Swaen den Job? Die CDU sieht Parallelen zur "Hopfenliebe-Affäre".

Norderstedt. Im Herbst 2020 kochte im Stadtpark ein Streit zwischen den Stadtwerken Norderstedt und den Pächtern des Strandhauses in der Öffentlichkeit hoch. Seitdem ist viel passiert: Arriba-Chef Ruud Swaen musste nach 26 Dienstjahren seinen Posten räumen – wahrscheinlich weil er den Mietvertrag mit den Strandhaus-Pächtern ohne Wissen seines Arbeitgebers, den Stadtwerken, um 20 weitere Jahre verlängert hat.

Strandhaus: CDU kritisiert Informationspolitik

Die Stadtwerke brachten daraufhin offenbar ein externes Unternehmen dazu, Interesse an der Strandhausgastronomie zu bekunden und zu klagen – eine Chance, den ungeliebten Pächter doch noch loszuwerden. Die Situation ist verfahren, der Streit wird vor Gericht ausgetragen. Weil der ganze Zoff Steuergelder kostet und vermutlich nicht unerhebliche finanzielle Auswirkungen auf den Haushalt der Stadt Norderstedt hat, stellte die CDU-Fraktion im Hauptausschuss nun eine Anfrage und forderte eine „lückenlose Aufklärung“.

„Wir sind mit der Informationspolitik unzufrieden. Infos über den Streit bekommen wir nur häppchenweise – aber wir wünschen uns ein umfassendes Gesamtbild“, sagt CDU-Fraktionschef Peter Holle. In der Anfrage gehen die Christdemokraten zunächst auf die Situation der Verträge ein, die im Stadtpark unabhängig voneinander mit den Gastronomen des Strandhauses und der Wirtin der Spotz Seeterrassen geschlossen wurden.

Pachtvertrag über 20 Jahre nicht ungewöhnlich?

Es heißt, dass Anne Rumpel, Besitzerin des Spotz’, über das gesamte gastronomische Angebot im Park entscheiden darf. Laut CDU soll dieser Vertrag im September 2014 mit der Stadtpark Norderstedt GmbH abgeschlossen worden sein. Die Strandhausbetreiber unterzeichneten ihren Pachtvertrag mit Arriba-Chef Swaen aber bereits im Februar 2014 – ohne diese Klausel. Der Streit um das Kaffee-und-Kuchen-Geschäft im Stadtpark brachte das Fass im vergangenen Jahr zum Überlaufen. Nun möchte die CDU wissen: Wurde die Strandhaus-Gastronomie nachträglich durch die Vereinbarung mit Rumpel beschränkt?

Es wird vermutet, dass die nicht abgesprochene Vertragsverlängerung über 20 Jahre Ruud Swaen den Kopf gekostet hat. Die CDU spielt in einer weiteren Frage darauf an, dass dieser Zeitraum aber gar keine Besonderheit sei. Denn: Die Gastronomie „Siesta“ im Arriba-Erlebnisbad sei bereits seit rund 26 Jahren an die gleiche Person, den Sohn des ehemaligen Stadtwerkeleiters, verpachtet. „Wann wurde der Vertrag zuletzt verlängert und für welche Dauer?“, fragt die Fraktion. Es heißt, der Vertrag wurde ebenfalls um 20 Jahre verlängert.

Parallelen zwischen Strandhaus- und Hopfenliebe-Affäre?

Gesondert geht die CDU auf die Person Ruud Swaen ein, der eine Schlüsselfigur in diesem Fall darstellt. Der Vertrag des Ex-Arriba-Mannes läuft im Oktober aus. Wie hoch ist die Entschädigung, die ihm gezahlt wird? In Norderstedt spricht man von einer sechsstelligen Summe. Und wie viel Geld wurde für diese Trennung bisher für Anwaltskosten ausgegeben? „Wie wir mit langjährigen Führungskräften der Stadt umgehen, ist bedenklich“, sagt Peter Holle und erwähnt im gleichen Atemzug Rajas Thiele-Stechemesser, der nach der „Hopfenliebe-Affäre“ freiwillig die Stadt verlassen hat. „Läuft in Norderstedt gerade eine Säuberungsaktion? Möchten künftig überhaupt noch Führungskräfte nach Norderstedt kommen?“

Holle sieht die Stadt in der Verantwortung, Steuergelder nicht einfach ohne Absprache herauszuschleudern. Deswegen müsse geklärt werden, wie viel Mittel und wofür die Stadtwerke Norderstedt für den Streit im Stadtpark ausgeben. „Ich glaube, das Tischtuch ist zerschnitten“, sagt Holle über eine künftige Zusammenarbeit zwischen den Strandhaus-Pächtern und den Stadtwerken.

Im aktuellen Übersichtsplan des Norderstedter Stadtparks ist das Strandhaus jedenfalls nicht mehr als Gastronomie eingezeichnet.

( anb )

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