Schröters Corona-Update

Impfgegner verstehen? Das Ende der Toleranz

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Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Foto: Jan Schröter / Schröter

Das Thema Impfen ist offensichtlich nicht verhandelbar und kann sogar lange Freundschaften zerstören.

Kreis Segeberg.  Was mach‘ ich bloß? Wie kriege ich das hin? Wie gehe ich damit um? Diese Fragen quälen mich, seitdem unsere Verabredung feststeht. Zu einem Treffen, das jährlich stattfindet und für einige meiner früheren Mitschüler und mich eine liebgewonnene Tradition geworden ist. Bis Corona kam.

Bei diesem Treffen werde ich ihr begegnen. Einer Freundin, die ich seit unserer Grundschulzeit kenne. Auch während der stürmischen Reise durch die Pubertät blieben wir enge Vertraute. Danach hielten wir Verbindung, auch wenn unsere Wege jetzt in unterschiedliche Regionen führten. Und immer, wenn sich ein Wiedersehen ergab, waren wir trotz aller Unterschiede in der persönlichen Lebensgestaltung binnen weniger Sekunden vor allem eines: beste Freunde. Die wirklich über alles miteinander reden, wunderbar streiten und sich mit der oft gegensätzlichen Meinung des anderen trotzdem arrangieren konnten.

Das ist nun leider vorbei. Meine liebe Freundin ist eine Impfgegnerin. Nicht, weil sie der Überzeugung wäre, es gäbe keinen Corona-Virus. Das fände ich zwar auch ziemlich bescheuert, empfände es jedoch als logisch nachvollziehbare Haltung – gäbe es keinen Virus, müsste man sich nicht dagegen impfen lassen. Leider hat es meine Freundin nicht so sehr mit Logik. Im Gegenteil.

Für ihre Impf-Ablehnung fährt sie jeden Schwachsinn auf, den man sich schon während der ganzen Pandemie-Ära aus der Schwurbel-Ecke anhören muss: Bill Gates will uns durch die Spritze alle mit Chips bestücken, finstere Eliten wollen mithilfe der Impfkampagne nicht nur die Weltherrschaft an sich reißen, sondern uns alle versklaven und dergleichen mehr. Dass ich, zum Beispiel, schon lange doppelt geimpft bin und es mir trotzdem gut geht, überzeugt meine Freundin überhaupt nicht.

Wäre sie irgendwann vor Corona ernsthaft erkrankt, hätte ich ihr bereitwillig eine Niere gespendet. Jetzt stößt mich ihre Haltung so ab, dass es mich große Überwindung kosten würde, mit ihr einen Kaffee trinken zu gehen. Oder nur mit ihr zu telefonieren. Dabei eiern wir um unser Tabuthema „Corona und Impfen“ herum, bis es doch wieder zur Sprache kommt.

Dann hat die seit mehr als einem halben Jahrhundert zwischen uns herrschende, einstmals bedingungslose Toleranz sofort ein Ende. Unser Gespräch auch. Das Thema „Impfen ja oder nein“ ist offensichtlich nicht verhandelbar. Es gibt in dieser Frage leider keinen Kompromiss, so nach dem Motto: okay, wir impfen nur jeden zweiten Mitbürger oder alle kriegen nur die halbe Dosis. Es gibt nur „Ja“ oder „Nein“. Ich sage „Ja“. Meine Freundin „Nein“.

Unser Treffen im vertrauten Freundeskreise findet in wenigen Tagen statt. Was mach’ ich bloß?

Moment mal. Mir kommt ein Gedanke. Ein überzeugendes Argument gegen die These mit Bill Gates und seinen Chips: „Wenn Bill Gates mir Chips gespritzt hat – wieso kann ich dann immer noch nicht rechnen?“ Quod erat demonstrandum. Das wird sogar meiner vernagelten Freundin die Luke öffnen.

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