Norderstedt

Das ist die schönste Gartenkolonie Schleswig-Holsteins

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Burkhard Fuchs
Das ist die schönste Kleingarten-Kolonie von Schleswig-Holstein: Peter Willoweit ist Vorsitzender des Kleingärtnervereins Friedrichsgabe. Die Parzellen wurden vor sechs Jahren wegen des Ausbaus der Oadby-and-Wigston-Straße an den Pilzhagen und Dreibekenweg verlagert.

Das ist die schönste Kleingarten-Kolonie von Schleswig-Holstein: Peter Willoweit ist Vorsitzender des Kleingärtnervereins Friedrichsgabe. Die Parzellen wurden vor sechs Jahren wegen des Ausbaus der Oadby-and-Wigston-Straße an den Pilzhagen und Dreibekenweg verlagert.

Foto: Burkhard Fuchs

Der Kleingärtnerverein Friedrichsgabe von 1947 gewinnt den Landeswettbewerb. Was die Gärten dort so besonders macht.

Norderstedt. Die schönste Kleingartenanlage in Schleswig-Holstein liegt in Norderstedt. Genauer an der Straße Pilzhagen. Der Kleingärtnerverein Fried­richsgabe von 1947 hat den diesjährigen Wettbewerb des Landesverbandes der Gartenfreunde in Schleswig-Holstein gewonnen, in dem 195 Vereine mit 33.000 Parzellen organisiert sind.

Kleingartenverein aus Norderstedt tritt bei Bundeswettbewerb an

Im nächsten Jahr vertritt der Norderstedter Verein mit seinen 210 Mitgliedern, die 133 Kleingärten in drei Kolonien in Friedrichsgabe bewirtschaften, damit auch als einziger Vertreter aus dem nördlichsten Bundesland beim Bundeswettbewerb an. Mit einem guten Abschneiden unter den 16 Landessiegern könnte sich der Norderstedter Verein dabei selbst das schönste Geschenk zum 75-jährigen Bestehen des Vereins machen.

„Garten total – Stadtgrün trifft Ernteglück“, lautete das Motto des Landeswettbewerbs. Dabei habe der Kleingärtnerverein Friedrichsgabe am besten überzeugen können, sagt Landesgeschäftsführer Thomas Kleinworth im Gespräch mit dem Abendblatt. „Die Gärten sind dort gut gestaltet, die Parzellen übersichtlich angeordnet. Der Verein hat ein modernes Konzept, ist behindertengerecht und hat von Jung bis Alt alle Altersgruppen in seinen Reihen“, betont der Landesgeschäftsführer.

Kleingärten wurden während Corona-Pandemie beliebter

Vor allem aber sei es ihm gelungen, eine neue, jüngere Klientel für den Verein zu gewinnen, die sich wieder verstärkt um den Obst- und Gemüseanbau kümmere, lobt Kleinworth. Dieses gemeinsame Gärtnern in der Stadt, auch urbanes Farming genannt, bringe der Norderstedter Verein wieder verstärkt ins Bewusstsein der Menschen. „Das verbessert den ökologischen Fußabdruck und mindert den CO2-Ausstoß – und das liegt heute deutlich im Trend“, sagt Kleinworth anerkennend. Kurzum: Kleingärtnern für Selbstversorger, wie es früher einmal war, ist total angesagt.

Auch die Corona-Krise habe dem Garten- und Gemüseanbau auf der Kleingartenscholle neuen Schwung gebracht, berichtet Peter Willoweit, Erster Vorsitzender des Kleingärtnervereins Friedrichsgabe. „Wir haben eine lange Warteliste von Interessenten, die zu gerne eine Parzelle übernehmen möchten“, sagt der Erste Vorsitzende. „Wir können uns vor Anfragen kaum retten. Nicht nur aus Norderstedt, auch aus der weiteren Umgebung.“ Aber nur etwa zehn Gärten würden jedes Jahr ihren Besitzer wechseln, sagt Willoweit.

„Multi-Kulti“-Kleingarten in Norderstedt

Vor allem junge Familien und Zuwanderer hätten das Kleingärtnern für sich wiederentdeckt. Jeder zweite Kleingarten werde heute von Gartenfreunden angelegt und gepflegt, die ausländische Wurzeln hätten. Vor allem aus Osteuropa, Portugal und Spanien. „Wir haben hier eine richtige Multi-Kulti-Gemeinschaft.“

Für den Wettbewerb habe sich der Verein extra schick gemacht und herausgeputzt, erklärt der Vorsitzende. „Das war mit sehr viel Arbeit und Eigenleistung verbunden. Aber alle haben mitgezogen“, sagt er stolz und lobt die tolle Unterstützung in den eigenen Reihen. Offenbar habe die Verlagerung der Gartenkolonie vor sechs Jahren die Gemeinschaft noch stärker zusammengeschweißt. Wegen des Ausbaus der Oadby-and-Wigston-Straße und der damit verbundenen Drehung des Sportplatzes vom SV Friedrichsgabe mussten die Kleingärtner ihre Parzellen und Lauben an der Lawaetzstraße aufgeben und ein paar Hundert Meter weiter an den Pilzhagen und Dreibekenweg umziehen und von vorne beginnen.

Kleingartenverein hat viele jüngere Mitglieder

Einigen, vor allem älteren Vereinsmitgliedern, sei das zu beschwerlich gewesen – sie hätten sich lieber mit 2000 bis 5000 Euro abfinden lassen, erklärt Willoweit. Auch das habe die Mitgliederstruktur weiter verjüngt. 1,4 Millionen Euro hatte die Stadt Norderstedt in dieses Umsiedlungsprojekt investiert, heißt es in dem Konzept für den Wettbewerb, das aufgeschrieben und umgesetzt werden musste.

Auf mehr als 20 Seiten beschreibt darin der Vorstand, was die knapp sieben Hektar große Anlage ausmacht, welches Selbstverständnis die Gärtner pflegen und worin sie ihre Schwerpunkte sehen. Und wie die Kleingartenanlage nach dem Krieg überhaupt entstanden ist. Wichtigster Motor sei damals der Bevölkerungsdruck durch die vielen Flüchtlinge aus dem Osten und der ausgebombten Stadt Hamburg gewesen. „Die wesentliche städtebauliche Funktion von Kleingartenanlagen ist es, die Bebauung in den Städten aufzulockern und zu durchgrünen“, heißt es darin.

Kindergarten-Kinder kümmern sich um „wilden Garten“

Und das ist den Friedrichsgabern offenbar sehr gut gelungen. Sie achten auf Umwelt- und Naturschutz und gute Nachbarschaft im Stadtteil, wie Vorsitzender Willoweit berichtet. Es werde natürlich und nicht synthetisch gedüngt, es werde gepflanzt, was der Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren nütze, und es gibt Insektenhotels. Selbstverständlich kompostierten und mulchten die Gartenfreunde. Nitrat und Pflanzenschutzmittel in den Wasserkreislauf zu bringen, sei tabu, und möglichst sollten keine Böden versiegelt werden, erläutert der Kleingartenchef.

Ebenfalls vorbildlich: Der Kindergarten der evangelischen St. Johannes-Kirchengemeinde unterhält auf dem Gelände seinen eigenen „wilden Garten“. Mit Erntedankfest, Vogelkästen Basteln, Altennachmittagen, Sommerfesten, Skatturnieren und Osterfeuern zeige die Gemeinschaft ihren geselligen Charakter. Mit diesem gesellschaftlichen Anspruch und der Anwendung natürlicher und umweltfreundlicher Methoden beim Gärtnern hat der Kleingärtnerverein besonders punkten können.

Die Kosten für diese Idylle im Grünen halten sich in Grenzen. „Mit Strom und Wasser muss jeder Kleingärtner etwa einen Euro am Tag aufbringen“, erklärt der Vorsitzende Willoweit.

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