Kreis Segeberg

Gegenwind für den umstrittenen Anti-Drogen-Zug

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Heike Hiltrop
Mitinitiator Jürgen Schlichting am Bahngleis: Im Oktober rollt der Anti-Drogen-Zug „Revolution Train“ in den Kreis.

Mitinitiator Jürgen Schlichting am Bahngleis: Im Oktober rollt der Anti-Drogen-Zug „Revolution Train“ in den Kreis.

Foto: Heike Hiltrop

„Revolution Train“ wird in Norderstedt, Bad Bramstedt und Bad Segeberg erwartet. Was dahinter steckt.

Kreis Segeberg. Seitdem Segebergs Kreisverkehrswacht den „Revolution Train“ in den Kreis holen will, gibt es scharfen Gegenwind. Dennoch war es dem Team um Initiator Jürgen Schlichting seit 2019 gelungen viele Streetworker, Sozialpädagogen, Schulen, Sponsoren und Politiker und Politikerinnen zu überzeugen. Dann kam die Corona-Pandemie. Mit bummelig einjähriger Verspätung rollt der Anti-Drogen-Zug demnächst nun aber doch Richtung Norden. Norderstedt – mit großer Auftaktveranstaltung und R.SH-Moderator Carsten Kock –, Bad Segeberg, Bad Bramstedt und Neumünster sind die vorgesehenen Schleswig-Holstein-Stationen.

„Einen Stopp in Heide hätten wir auch gerne organisiert. Schulen hatten wir. Auch einen Sponsor. Aber da wurde so viel Druck aufgebaut, dass das dort nichts wird“, sagt Jürgen Schlichting bedauernd.

Sozialministerium lehnt den „Revolution Train“ ab

Die Widerstände gegen das Projekt aus Tschechien sind nicht abgeebbt. Der Präventionsansatz, der auf Abschreckung beruhe, sei längst überholt, wettern die einen. Prominenteste Gegnerin dürfte Schleswig-Holsteins Sozialministerium sein. Die Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein, ein eingetragener Verein der sich als Schnittstelle sieht, argumentiert, dass „Angebote der Prävention, die auf Ressourcen stärkende Elemente und positive Aspekte der Lebensgestaltung abzielen, als wirksam anzusehen sind. Diesem Ansatz wird der ,Revolution Train’ in keiner Hinsicht gerecht. Die Inhalte entsprechen nicht den Lebenswelten und -Realitäten der Jugendlichen.“

Der Verein „Europäische Gesellschaft für Präventionsforschung“ (EUSPR), ist aufmerksam geworden. Er warne vor Erfahrungsberichten von ehemaligen Drogenkonsumenten, vor Theaterstücken mit dem Fokus auf Folgen von Drogenmissbrauch – und dem „Revolution Train“, da „bloßes Verstehen der Risiken noch lange nicht zu Verhaltensänderungen führt“.

„Revolution Train“ mit aktualisiertem Konzept

Das sieht man beispielsweise in der Stadt Norderstedt, beim Segeberger Kreistag und beim Kriminalpräventiven Rat in Norderstedt, der zu den Unterstützern zählt, ganz anders. Zumal der „Revolution Train“ überarbeitetet und mit aktualisiertem Konzept unterwegs ist – derzeit im Osten der Republik.

Und während der Anti-Drogen-Zug, der klimafreundlich durch die Republik zuckelt und zu den Schülerinnen und Schülern kommt, durch Kritik in Schleswig-Holstein ausgebremst werden sollte, wurde in Erfurt für 15 Millionen Euro „Das Haus der Versuchung“ auf den Weg gebracht. Hierbei handelt es sich um ein geplantes Suchtzentrum mit 20 nachgebauten Lebenssituationen – es ist also ein ähnlicher Ansatz wie bei dem tschechischem Projekt. Es wird schon jetzt, lange bevor der Bau fertig ist, als Pilotprojekt gefeiert.

Konzept des „Revolution Trains“ wurde überarbeitet

Noch 2016 lobte die damalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, den „Revolution Train“ als Projekt des Monats und „sinnvolle Ergänzung, wenn er in die Suchtprävention vor Ort eingebettet wird“. Schlichting: „Das würden wir sehr gerne, ernten aber immer wieder Gelächter. Wer dagegen ist, ist dagegen. Punkt. Da rennen wir gegen eine Wand, die wollen mit uns einfach nichts zu tun haben. Angesehen habe sich den ,Revolution Train’ von den Gegnern im Norden jedoch so gut wie niemand. „Das zeigt schon, dass es nur um Geld und Macht geht.“

Befürworter argumentieren, dass es endlich einmal etwas gebe, das nachhallt und so aufbereitet ist, dass Jugendliche sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen. Gute und sehr gute Noten hat das Projekt beispielsweise von mehr als 2000 Schülern im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen (Thüringen) bekommen. Dort wird es von Schulsozialarbeitern sehr wohl als nachhaltig erachtet.

Schlichtig: „Die Leute an der Basis wollen das Projekt.“ Die Weichen dafür sind gestellt. Das Hygienekonzept ist so gut wie rund – große Unbekannte, die erneut für Verzögerung sorgen könnte, ist und bleibt die Corona-Pandemie. „Aber ich denke, dass wir das hinbekommen“, sagt Schlichtig optimistisch. „Ich hoffe, dass sich auch die Gegner ein eigenes Bild machen.

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