Kreis Segeberg

Henstedt-Ulzburgs Rathaus hat ein Personalproblem

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Christopher Herbst
Viele Stellen in der Henstedt-Ulzburger Verwaltung konnten neu geschaffen und auch besetzt werden. Nur der wichtige Posten des Büroleitenden Beamten ist bereits seit Februar, als Jens Richter sich in den Ruhestand verabschiedete, vakant.

Viele Stellen in der Henstedt-Ulzburger Verwaltung konnten neu geschaffen und auch besetzt werden. Nur der wichtige Posten des Büroleitenden Beamten ist bereits seit Februar, als Jens Richter sich in den Ruhestand verabschiedete, vakant.

Foto: Thorsten Ahlf

Die Suche nach einer Büroleitung im Rathaus wird zur endlosen Geschichte. Warum sich das Verfahren verzögert.

Henstedt-Ulzburg. Einen neuen Klimaschutzmanager hat die Gemeinde Henstedt-Ulzburg kürzlich eingestellt, eine neue Energiebeauftragte, es gibt nach elf Jahren wieder zwei duale Studentinnen für den gehobenen Verwaltungsdienst, dazu zwei Azubis zur Verwaltungsfachangestellten. Doch eine Stelle konnte Bürgermeisterin Ulrike Schmidt in den vergangenen Monaten nicht schließen.

Stelle des Büroleitenden Beamten seit Februar unbesetzt

Seit dem 11. Februar, als der langjährige Büroleitende Beamte Jens Richter in den Ruhestand ging, ist im Henstedt-Ulzburger Rathaus der Schreibtisch verwaist. Gerne hätte Schmidt mittlerweile eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für die Schaltzentrale im Rathaus präsentiert – und es ist auch keineswegs so, als hätte die Gemeinde nicht gesucht.

Vielmehr gab es schon mehrere Ausschreibungsrunden. Warum das bislang erfolglos war, hat einen Grund. Über Monate hat sich Henstedt-Ulzburg im Rechtsstreit befunden mit einem unterlegenen Bewerber, dem Polizeioberrat Markus Knapp aus Berlin. Er hatte sich auf die zweite Stellenanzeige beworben, wurde genauso wie eine Bewerberin zu einem Assessment-Center eingeladen – jenes Gremium, das die Personen, die eine Stelle haben wollen, bewertet und eine Empfehlung ausspricht.

Knapp erhielt eine Absage. Er schaltete daraufhin seinen Anwalt ein, der beim Verwaltungsgericht Schleswig Einspruch gegen die Besetzung der Stelle mit der Konkurrentin einlegte. In der „Segeberger Zeitung“ sprach Knapp von mangelnder Wertschätzung, warf der Gemeinde unter anderem Intransparenz beim Auswahlverfahren vor.

Der unterlegene Kandidat zog vor Gericht

Und tatsächlich: Die Richter befanden, dass Henstedt-Ulzburg mit seinem Auswahlprozess nicht rechtskonform gehandelt habe. Der wesentliche Punkt: In der Kommission, die die Bewerber unter die Lupe nahm und die von einem externen Dienstleister organisiert wurde, saßen Personen, die dort wegen möglicher Interessenkonflikte nichts zu suchen hatten: der Personalrat und Mitglieder der Fraktionen. „Es ging darum, wer am Ende mit abgestimmt hat“, heißt es aus dem Rathaus. Neu war diese Praxis nicht, es hatte sich nur nie jemand beschwert, als es unter anderem um die Leitung des Kita-Eigenbetriebs oder den Posten des Wirtschaftsförderers ging.

Die Gemeinde musste also eine dritte Ausschreibung beginnen – während der unterlegene Knapp zunächst ein Eilverfahren auf Fortführung der zweiten Runde anstrengte, den Antrag aber am 19. August zurücknahm. Der Rechtsstreit ist also beendet. Bürgermeisterin Ulrike Schmidt nimmt hierzu Stellung. Sie sagt, dass Knapp der Gemeinde geschadet habe.

„Neben dem verursachten Personalaufwand, den Gerichts- und Anwaltskosten in mittlerweile fünfstelliger Höhe sowie der Mehrbelastung der Verwaltungsmitarbeitenden durch die fortwährende Vakanz der Büroleitung ist nun auch der befürchtete Fall eingetreten: Die erfolgreiche externe Bewerberin aus dem vorangegangenen Ausschreibungsverfahren hat inzwischen ihre Bewerbung zurückgezogen.“

Gemeinde hat neue Stellen in der Verwaltung geschaffen

Die Frau hat in einer anderen Verwaltung eine Stelle gefunden. Um die Situation zu verdeutlichen, verschickte Schmidts Sprecher Malte Pohlmann sogar ein Foto des leeren Schreibtisches im früheren Zimmer von Jens Richter. Henstedt-Ulzburg sichtet nun die Bewerbungen der dritten Runde. Und wird auch wieder ein Assessment-Center durchführen. Aber eben im Sinne des Gerichtsurteils, also ohne Politik und Personalrat, dafür unter anderem weiterhin mit der Bürgermeisterin, der Fachabteilung und der Personalchefin.

Wer auch immer irgendwann den Job übernimmt, beginnt in einer neuen, durch die Gemeindevertretung in der jüngsten Sitzung beschlossenen Verwaltungsstruktur – und dazu gehört eine neue Stabstelle der Bürgermeisterin, geführt durch den oder die Büroleitung. Ein Teilbereich, der hier integriert wird, ist jener des Klimaschutzmanagers. Louis Schwien soll ein Klimaschutzkonzept für Henstedt-Ulzburg erarbeiten.

Sein Vorgänger Jens Uffenkamp hatte das Rathaus nach kurzer Zeit wieder verlassen. Neu ist auch Alexandra Hunke als Energiebeauftragte, die zuständig sein wird für die Liegenschaften der Gemeinde. Dieser Posten gehörte bisher zum Klimaschutzbereich. „Wir haben eine Trennung der Stellen vorgenommen“, so die Bürgermeisterin. „Wir hatten viele gute Bewerbungen. Frau Hunke und Herr Schwien haben uns gleich überzeugt mit Fachwissen und persönlichem Engagement.“

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