Kreis Segeberg

Bundestagswahl – Zwei Neulinge gegen einen Routinier

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Frank Knittermeier
 Ein Mann wirft seinen Stimmzettel für die Bundestagswahl in eine Urne (Symbolbild).

Ein Mann wirft seinen Stimmzettel für die Bundestagswahl in eine Urne (Symbolbild).

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Im Wahlkreis 8 Segeberg/Stormarn-Mitte treten neun Direktkandidaten an. Für wen es eng werden könnte

Kreis Segeberg.  Neuling gegen Routinier – das ist das Motto für den Zweikampf im Wahlkreis 8 Segeberg/Stormarn-Mitte. So lautete die Schlagzeile im September 2017. Im September 2021 sieht es ähnlich aus, wobei allerdings neue Namen auftauchen. „Platzhirsch“ Gero Storjohann (63) von der CDU, seit 2002 im Bundestag, muss sein Direktmandat gegen zwei Kandidaten verteidigen, die ebenfalls Chancen haben, direkt in den Bundestag gewählt zu werden: Bengt Bergt (39) für die SPD und Nils Bollenbach (20) für die Grünen.

Bei der Bundestagswahl 2017 konnte sich Gero Storjohann noch deutlich gegen den damaligen SPD-Kandidaten Alexander Wagner durchsetzen. 41,1 Prozent stimmten damals für Storjohann, 27,3 Prozent für Wagner. Die Grünen schafften 8,3 Prozent, die FDP 8,1 Prozent. Jetzt sehen die Vorzeichen etwas anders aus: Nach einer Analyse des Forschungsinstituts Insa könnte die SPD den Wahlkreis 8 direkt gewinnen. Aktuell liegen CDU und SPD bei 23 Prozent gleich auf. Auch die Grünen können sich Chancen ausrechnen.

Das sind die aussichtsreichsten Kandidaten

Gero Storjohann (63, CDU) aus Seth kann trotz der Umfragen entspannt in die nähere Zukunft sehen: Er hat den Wahlkreis 8 bereits viermal direkt gewonnen und würde, sollte es am 26. September nicht klappen, aller Wahrscheinlichkeit nach trotzdem wieder im Bundestag sitzen. Er belegt auf der CDU-Landesliste Platz fünf – das sollte reichen, zumal die CDU-Landesgruppe im Bundestag zurzeit aus zehn Abgeordneten besteht.

Sollte Storjohann nicht direkt gewählt werden, kommt es darauf an, wie die anderen Direktkandidaten der CDU in Schleswig-Holstein abschneiden. Im Bundestag setzt sich Gero Storjohann für die Verkehrspolitik ein. Er ist Berichterstatter für Verkehrssicherheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Zu seinen Zielen gehört die Verbesserung der Infrastruktur im Norden. Seit September 2020 ist Storjohann Vorsitzender des Eisenbahninfrastrukturbeirates bei der Bundesnetzagentur.

Bengt Bergt (39, SPD) aus dem Norderstedter Ortsteil Glashütte, Betriebsrat beim Windkraftunternehmen Nordex, schaffte es als Neuling immerhin auf Platz neun der SPD-Landesliste, wobei er das drittbeste Ergebnis aller 20 Listenkandidaten erzielte. Aktuell kommen sechs SPD-Bundestagsabgeordnete aus Schleswig-Holstein – es wird für Bergt also eine Reise ins Ungewisse. Es könnte klappen, muss aber nicht. Er hat sich vorgenommen, als Abgeordneter für eine starke Infrastruktur für alle zu kämpfen, flächendeckend, auch auf dem Land: Dazu gehören seiner Ansicht nach schnelles Internet, flexibler ÖPNV und kostenfreie Kitas.

Nils Bollenbach(20, Die Grünen) aus Bargteheide sorgte für eine Überraschung, als er sich im vergangenen Mai gegen Mitbewerberin Ulrike Täck (53), die schon vor vier Jahren Bundestagskandidatin der Grünen im Wahlkreis 8 war, durchsetzen konnte. Bei den Grünen-Parteimitgliedern ist der Fridays-for-Future-Aktivist und Künstler in der Filmbranche bekannt, in der breiten Bevölkerung noch nicht – aber das will er bis zur Bundestagswahl ändern. Auf der Grünen-Landesliste belegt Bollenbach Platz 14. Das dürfte für einen Einzug in den Bundestag nicht reichen: Aktuell stellen die schleswig-holsteinischen Grünen drei Abgeordnete. Bollenbach, der selbst Asperger-Autist ist, will sich für Vielfalt, eine bunte Gesellschaft und Inklusion einsetzen. Nach eigenen Angaben weiß niemand besser als er, wie sich Diskriminierung anfühlt.

Das sind die weiteren Kandidaten

Neben den drei Direktkandidaten mit Chancen auf den Einzug in den Bundestag treten fünf weitere Bewerber im Wahlkreis 8 an:

Jan Schupp (48, FDP): Der Ortsvorsitzende der Henstedt-Ulzburger FDP ist bei IBM in der Großkundenbetreuung für Cyber-Security verantwortlich. Für die FDP in Schleswig-Holstein ist er der Mann für die Digitalisierung. Das ist sein Kernthema, das er von Berlin aus vorantreiben möchte. Auf der Landesliste der FDP belegt Jan Schupp Platz zehn.


Sven Wendorf (49, AfD): Der Verwaltungsfachangestellte aus Norderstedt will in die Bundespolitik gehen, um Bildung und Kultur vor „linksideologischem Aktivismus“ zu schützen. Als bürgerliches Mitglied sitzt er für die AfD unter anderem im Kulturausschuss der Stadt Norderstedt. Auf der Landesliste seiner Partei belegt der gebürtige Lübecker Platz acht.

Malin Schultz (26, Die Linke): Die Informatik-Studentin aus Norderstedt setzt sich für die Gleichstellung der Frauen, für die Bekämpfung von Armut, für den Schutz von Minderheiten und den Umweltschutz ein. Außerdem will sie die Folgen des zunehmend digitalen Lebens mehr betont wissen. Auf der nur sechs Personen umfassenden Landesliste der Linken ist Malin Schultz nicht vertreten.

Beate Schreiber (42, Die Partei): Die Angestellte im öffentlichen Dienst aus Norderstedt hat sich vorgenommen, „die Welt zu retten“ und sie vor den „regierenden Spaßparteien zu schützen“. Ein „Exitenzmaximum“ ist ihr Ziel. Auf der Landesliste ist sie nicht vertreten.

Julia Glagau (38, Freie Wähler): Die Gesundheits- und Krankenpflegerin aus Norderstedt, Mutter von vier Kindern, will sich für die Sicherung des Rentenniveaus einsetzen. Die Rentenpolitik dürfe sich nicht nur an Bestandsrentnern orientieren, sondern muss für junge Menschen eine Perspektive auf eine Absicherung im Alter geben. Julia Glagau steht auf Platz zwei der Freien-Wähler-Landesliste.

Claudia Westphal (48, die Basis): Die Bankkauffrau aus Kaltenkirchen will sich als Politikerin für bezahlbaren Wohnraum und die Verbesserung der Infrastruktur auf dem Lande einsetzen. Auf der dieBasis-Landesliste ist Claudia Westphal nicht vertreten.

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