Schröters Wochenschau

Die Nutzung nutzloser Kreiselinseln für den Klimaschutz

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Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Foto: Sophie Labyk

Trockene Moore sind Klimakiller. Weil die kein Kohlendioxid aufnehmen. Also einfach nass machen und gut ist?

Kreis Segeberg.  Das war diese Woche eine wirklich verblüffende Schlagzeile in dieser, meiner Lieblings-Lokalbeilage: „Moore sind genauso umweltschädlich wie gesamter Pkw-Verkehr“. Explizit ging es um das Glasmoor in Norderstedt, stellvertretend für sämtliche Moorflächen Schleswig-Holsteins, die zusammen jährlich in etwa genauso viel CO2 in die Atmosphäre ballern wie der hiesige Autoverkehr.

Das liegt daran, dass unsere Moore zugunsten der landwirtschaftlichen Nutzung und Torfgewinnung über Jahrhunderte systematisch entwässert wurden und deshalb zu weiten Teilen keine Moore mehr sind. Einmal trockengelegt, verbindet sich der in ihnen gespeicherte Kohlenstoff mit Sauerstoff zu CO². Im Glasmoor will man das jetzt umkehren. Alles allmählich fluten, dann wird das Moor wieder zum Moor. Es produziert kein CO² mehr, sondern es speichert sogar CO². Kann man sowas nicht öfter und auch anderswo machen?

Auf den Verkehrsinseln im Kreisverkehr, beispielsweise? Wir könnten im Kreisel mit unseren Verbrennungsmotorkisten unbesorgt Karussell fahren, denn alles, was hinten aus dem Auspuff dieselt, würde sofort vom Moorloch in der Mitte verschluckt. Falls Sie glauben, es wäre viel zu teuer, jeden Kreisverkehr zentral zu vermooren, verweise ich auf die aktuelle Diskussion um die Aufstellung von Kunstobjekten an den Kreiseln Berliner Allee/Kohfurt und Ochsenzoller Straße/Achternfelde, beides in Norderstedt.

Für die beiden dort geplanten Skulpturengruppen rechnet man mit Kosten von 340.000 Euro. Dafür könnte man in der Kreiselmitte schon eine Menge Wasser einlaufen lassen und behielte gewiss noch Geld übrig, um weitere Verkehrsinseln zu fluten. Zumal dann eine zusätzliche Nutzung der bisher so nutzlosen Kreiselinseln möglich wäre, als öffentliches Freibad nämlich.

Jedenfalls, solange sich noch nicht zu viel Moor gebildet hat. Wenn es einmal soweit ist, wird eben nicht mehr geplantscht, sondern wir lassen kreiselmittig zwei, drei Galloway-Rinder grasen. Die können das ab und ihr Anblick entschleunigt, da man hier im üblicherweise Stau steht und sich eigentlich aufregen müsste. Jedem Kreisel sein Mini-Moor, das ist viel besser als eine Skulptur, über die sich dann doch nur alle wieder streiten.

Die für Norderstedt gedachten Kreiselkunstwerke heißen „Ursprung“ und „Zukunft“. Die Namen können ja bleiben, sie passen perfekt zum Moor: Die Menschheit kroch aus dem Urschleim und endet in hoffentlich entferntester Zukunft vermutlich in einer ähnlich zähen Materie.

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