Schröters Corona-Update

James Bond hat gegen Corona keine Chance

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Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Foto: Jan Schröter / Schröter

Die Pandemie durchkreuzt nicht nur geplante Kino-Besuche, sondern auch die Dreharbeiten zu so manchem Blockbuster.

Kreis Segeberg.  Ach ja, das Kino. Noch so ein gestriges Kulturgut, was man nach anderthalb Jahren Pandemie fast vergessen hat. Früher kannte ich etliche Leute, bei denen kaum ein Wochenende ohne Kinobesuch verlief und die auch gerne mal mehrmals pro Woche dieser Freizeitbeschäftigung nachkamen. Mittlerweile ginge das ja wieder, aber jetzt kommen die Leute nicht mehr vom Sofa und von Netflix & Co. los. Da läuft das Programm verlässlich.

Im Kino schon lange nicht mehr. Falls der neue Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ tatsächlich noch in diesem Herbst die Weltpremiere erlebt, müssten die Darsteller beim Besuch der Uraufführung schockiert feststellen, dass sie seit den glorreichen Drehtagen um Jahre gealtert sind – weil nämlich tatsächlich Jahre vergangen sind, seit die letzte Klappe fiel, so oft wurde der Erscheinungstermin in den Kinos verschoben. Die Verabredung: „Wir treffen uns, wenn der neue Bond ins Kino kommt“ wurde zum Pandemie-Gag, sozusagen zum Synonym für „Irgendwann, aber eigentlich nie“. Sollte es tatsächlich mal soweit sein, dass dieser Film ins Kino kommt, vermute ich, dass kaum noch jemand hingeht, weil alle das Gefühl haben, sie hätten den schon längst gesehen.

Eine Alternative, zumindest für Fans geballter Agenten-Action, könnte der nächste Film aus der Reihe „Mission: Impossible“ mit Tom Cruise alias „Ethan Hunt“ sein. Die Dreharbeiten laufen immerhin bereits, mussten allerdings schon sagenhafte sieben Mal aufgrund diverser Corona-Infektionen unterbrochen werden. Irgendwie desillusionierend: Ethan Hunt klettert spiegelglatte Wolkenkratzerfassaden rauf und runter wie eine Eidechse, hüpft mit dem Fallschirm durch die Stratosphäre und erledigt jeden Schurken – aber ein kleines Virus erschießen kann er nicht, der Superheld. Stattdessen prozessiert die Filmproduktion jetzt mit der Versicherungsgesellschaft, weil diese nicht mehr die Lockdown-Ausfallzeiten bezahlen will. Solche kleinkarierten Querelen erleben wir jeden Tag. Eigentlich gehen wir ins Kino, um so etwas zu vergessen – nicht, um auch noch an solchen Mist erinnert zu werden.

Aber natürlich geht es auch bei James Bond und Ethan Hunt nur ums Geld. Solche Filme sind gewaltig teuer. Einen „Bond“ ins Kino zu bringen, wenn alle im Lockdown sind, wäre ruinös für die Produktionsfirma. Und bei der Drehtags-Ausfallversicherung für einen Film vom Kaliber „Mission: Impossible“ sind horrende Policen fällig, dafür erwartet man Leistung, wenn der Versicherungsfall eintritt.

James Bond und Ethan Hunt haben also immerhin einen Plan für ihre coronabedingten Finanzausfälle. Im Gegensatz zu uns. Dieser Tage wurde der Schuldenstand zum Ende 2020 von Bund, Ländern und Gemeinden Deutschlands bekannt: über zwei Billionen Euro. Der höchste jemals erfasste Wert. Jedenfalls bis Ende diesen Jahres, haha. Ich finde, den nächsten Auftrag erledigen James Bond und Ethan Hunt zusammen, diesmal nicht für einen Geheimdienst, sondern für uns: Begleicht die Rechnung oder vernichtet die Schuldscheine. Dann kommen wir auch ins Kino.

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