Norderstedt

Der seltsame Radweg an der Harckesheyde

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Burkhard Fuchs
 CDU-Politiker Patrick Pender (links) und Anwohner Thomas Riese kritisieren die neue Radverkehrsregelung an der Harckesheyde.

CDU-Politiker Patrick Pender (links) und Anwohner Thomas Riese kritisieren die neue Radverkehrsregelung an der Harckesheyde.

Foto: Burkhard Fuchs

Politik und Anwohner kritisieren Baumaßnahme der Stadt. Welche Stellen für Radler besonders gefährlich sind.

Norderstedt . Die Umgestaltung des Radverkehrs an der Straße Harckesheyde sorgt weiter für Unverständnis und Verärgerung in der Bevölkerung und der Politik. So hat sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr vor wenigen Tagen erneut mit diesem Umbau beschäftigt, der 220.000 Euro gekostet hat und nach Angaben der Verwaltung nur eine provisorische Maßnahme darstellen soll. „Das ist eine absolute Verschlimmbesserung, die zu teuer und ohne Nutzen ist, weil die Radfahrer sie nicht annehmen“, kritisiert CDU-Stadtvertreter Patrick Pender nach der dreistündigen Sitzung, die sich fast ausschließlich um den Radverkehr drehte. „Die Harckesheyde bleibt im Ausschuss ein heißes Eisen.“

Fahrradspur an der Harckesheyde besonders gefährlich?

Dabei geht es vor allem um die neue Fahrradspur, die mit einigen Hundert rot-weiß markierten Pfosten auf der nördlichen Seite der Harckesheyde zwischen der Oststraße und dem Containerstellplatz markiert ist.

Ein großer Kritikpunkt ist dabei die enge Stelle kurz vor dem Containerplatz, wo die Radfahrer die geschützte Radspur (sogenannte protected Bike-Lane) verlassen und auf die Fahrbahn fahren müssen, wenn sie in Richtung Ulzburger Straße fahren. Hier ist nur ein schmaler weißer Streifen auf die Fahrbahn gemalt worden, der aber von fast allen Fahrzeugen, die hier entlangfahren, überquert wird. Ein Radfahrer würde so umgefahren werden. Wegen der Enge und der uneinsichtigen Kurve trauen sich die meisten Autofahrer nicht, diesen Fahrradstreifen in einem Bogen zu umfahren, weil sie hier mit Gegenverkehr rechnen müssen.

Radfahrer sprechen von einer „unverantwortlichen Lösung“

Entsprechend harsch und eindeutig fällt das Urteil in einer Spontanumfrage bei Radfahrern vor Ort aus. „Das ist doch viel zu gefährlich“, schimpft Hilke Schmidt, die mit ihrem Enkel Josse hier oft entlangfährt. „Wer denkt sich bloß sowas aus? Wir bleiben lieber auf dem Geh- und Radweg auf der anderen Straßenseite. Das ist sicherer.“ Ähnlich äußert sich der leidenschaftliche Freizeitradfahrer Siegfried Laskawy. „Da fahre ich im Leben nicht lang. Das ist mir viel zu gefährlich.“

Anwohner Thomas Riese hatte bereits im Juni auf diese Gefahrenstelle aufmerksam gemacht – „der Radweg endet plötzlich im Nichts“ – und die Stadtverwaltung um Stellungnahme gebeten (wir berichteten). Bis heute habe er keine Antwort aus dem Rathaus erhalten, wundert sich Riese. „Muss hier denn erst etwas passieren, bevor die Verwaltung reagiert? Das ist doch unverantwortlich.“

Politiker können Ärger der Anwohner verstehen

In dem CDU-Ratspolitiker Pender hat Riese einen Verbündeten. „Diese seltsame Radwegführung birgt ein großes Gefahrenpotenzial“, sagt Pender. Dies habe er bereits auf der Juni-Sitzung des Verkehrsausschusses angemerkt und dabei durchaus Verständnis von der Verwaltung geerntet. Ein leitender Mitarbeiter vom Fachbereich Verkehrsflächen, Entwässerung und Liegenschaften habe ihm zugestimmt, dass diese enge Stelle gefährlich sei und damit der städtischen Verkehrsaufsicht widersprochen, die diese neue Radwegführung veranlasst habe.

Doch im Protokoll der Sitzung sei zu seiner Anfrage nur die Formulierung wiedergegeben worden: „Die Verwaltung antwortet direkt und teilt mit, dass es sich bei der Maßnahme um eine Anordnung der Straßenverkehrsbehörde der Stadt Norderstedt handelt und diese sicher ist.“ Penders Antrag, diese Aussage in der von ihm zitierten Erinnerung zu korrigieren, wurde dann von der Ausschussmehrheit abgelehnt. Stadtsprecher Fabian Schindler bleibt bei dieser Sprachregelung. Penders Aussage sei „so nicht richtig“. Der von ihm zitierte Mitarbeiter könnte aber zurzeit auch nicht dazu befragt werden.

Dies ist nicht der einzige Kritikpunkt des Norderstedter Stadtvertreters. So wundere er sich, wie der Umbau habe finanziert werden können, da die Politik dafür nur 200.000 Euro freigegeben habe. Dieser aber am Ende 20.000 Euro teurer ausgefallen sei. Im Sitzungsprotokoll gebe es dazu nur die lapidare Antwort, dass diese Frage „bereits geklärt“ sei. Für Stadtvertreter Pender ist sie das jedenfalls nicht.

Die Stadt hat mehr als 200.000 Euro aufgegeben

Zudem frage er sich, wie viele der rot-weiß markierten Pfosten bereits auf Kosten der Stadt ersetzt werden mussten, da an den Einfahrten zu den Gewerbegrundstücken diese des Öfteren umgefahren werden, weil die ein- und ausfahrenden Lkw diese nur mit absolutem fahrerischen Können umfahren könnten. Diese „protected Bike Lane“ hätte die Stadt auch mit anderen Aufbauten schaffen können, die weniger kostspielig und schon gar nicht ständig repariert werden müssten, kritisiert Pender. „Hier wird ein teures Experiment ausgeführt und den Norderstedtern vorgeschrieben, wie sie den Radweg zu benutzen haben.“

Aber auch die SPD ist nicht zufrieden mit dem Umbau der Harckesheyde. So fragt sich das bürgerschaftliche Ausschussmitglied Gerd Segatz, wie die Radfahrer von der Oststraße kommend überhaupt den markierten Fahrradstreifen sicher erreichen sollen. Über den Gehweg dürften sie eigentlich nicht fahren. Und von der Bushaltestelle müssten sie eine durchgezogene weiße Linie überqueren, um zwischen den eng gestellten Pfosten auf den markierten Fahrradstreifen zu kommen. „Warum ist nicht dieselbe Lösung wie an der Ulzburger Straße gewählt worden, wo ein Radfahrstreifen über den Haltebereich des Busses führt?“, wundert sich der SPD-Politiker.

Fahrradspur soll in Zukunft zurückgebaut werden

Die Stadtverwaltung wiederum sieht keine große Veränderung mit der neuen Bike-Lane: Sie „weist darauf hin, dass es bereits vor der Herstellung der separaten Fahrradspur (Bike-Lane) verpflichtend war, mit dem Fahrrad aus Richtung Oststraße kommend die Fahrbahn zu benutzen“, so Stadtsprecher Schindler.

Zudem sei im Straßenverkehr bei der Zusammenführung von Spuren generell „das Reißverschlussprinzip anzuwenden“, soll heißen, dass die Kraftfahrzeuge sich gegebenenfalls hinter dem vor ihnen fahrenden Radverkehr einzuordnen hätten. „Dieses Prinzip ist auch hier – insbesondere auch vom Kraftverkehr – zu beachten“, betont der Stadtsprecher. Allerdings soll der weiße Streifen an der engen Stelle nun verlängert werden, kündigte die Stadtverwaltung im Ausschuss an.

Zudem betonte sie, dass diese Fahrradspur wieder zurückgebaut wird, wenn in einigen Jahren der Kreisel an der Kreuzung Harckesheyde/Falkenbergstraße gebaut werde.

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