Schröters Wochenschau

Quickborn: Eine kleine Brücke mit großer Wirkung

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Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Foto: Sophie Labyk

Das Auto zu breit? Kein Problem für viele Verkehrsteilnehmer. Da hilft dann nur noch ein: Alle schön nacheinander.

Kreis Segeberg.  Falls jemand gerade eine Doktorarbeit im Fachbereich Verhaltenspsychologie plant und bezüglich des Themas noch im Unklaren ist: Die Autobahnbrücke über die Autobahnbrücke 7 an der Ulzburger Landstraße wäre ein heißer Tipp dafür.

Der Versuchsaufbau steht. Eine mit 4,90 Metern leider zu schmal geratene Brücke mit mächtig viel Verkehr. Täglich zählt man hier ca. 6400 Fahrzeuge, die in beiden Richtungen über die Brücke rumpeln. Damit es in diesem Engpass nicht zu eng wird, gelten Regeln, nämlich Tempo 30 und Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge jenseits von zwei Metern Breite. So viel zur Theorie.

Eine Prüfung vor Ort ergab jedoch, dass 15 Prozent aller Nutzerinnen und Nutzer trotz dieser Regeln illegal über die Brücke nageln. Die meisten, weil ihr Wagen (SUV, Transporter etc.) eben doch zu breit ist. Nicht selten knallt es dann. Meistens glücklicherweise mit glimpflichen Folgen, aber akute Seitenspiegelamputationen gehören zum Standard, wenn gleichzeitig auf beiden Seiten Regel-Ignoranten im bösen Spiel sind.

Was denken die sich eigentlich dabei, mit Überbreite in eine Engstelle zu brettern? Wahrscheinlich entweder: „Na gut, meine Kiste ist breiter als zwei Meter, aber dass mir jetzt einer entgegenkommt, der genau so blöd ist wie ich, ist doch unwahrscheinlich!“ Oder: „Hey, da kommt mir jemand entgegen, dessen Karre viiiiel zu breit ist – wenn der kann, kann ich ja auch!“ Und Peng, Spiegel ab. Wobei Rücksichtslose eigentlich nie einen Rückspiegel brauchen, für die lässt sich dieser Verlust also leicht verschmerzen.

Pech ist natürlich, wenn sich außer den beiden Fahrzeugen mit Überbreite auch noch Radfahrer oder Fußgänger auf der Brücke befinden – selbst, wenn die ganz schmalbrüstig sind, haben sie zwischen den Fronten (sprich: Brückenanfang bis Brückenende) schlechte Karten. Sollten sie diese Konfrontation überleben, kaufen sie sich vermutlich einen SUV, damit sie bei der nächsten Brückenfahrt nicht wieder in der Opferrolle sind.

Damit ist nun jedoch Schluss. Der Brückenverkehr wird künftig mit Ampeln und wechselseitiger Fahrtrichtung geregelt, auch wenn’s nun länger dauert und zu Staus führt. Fazit unserer verhaltenspsychologischen Studie: Der Versuch, ein Problem mit wenigen, durchaus klaren Regeln, etwas Eigenverantwortung und dem Prinzip gegenseitiger Rücksichtnahme ist eindrücklich gescheitert. Das gibt allerdings zu denken. Denn wenn die Menschheit nicht mal unfallfrei über eine kleine Brücke kommt – wie löst sie dann die wirklich großen Probleme?

Wäre vielleicht das Thema für eine Doktorarbeit. In Philosophie.

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