Radverkehr

Tarpenbek-Wanderweg soll ausgebaut werden

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Andreas Burgmayer
Fahrradfahrer nutzen den Tarpenbek-Wanderweg an der Grenze von Norderstedt nach Langenhorn – auch wenn der Zustand des Weges an manchen Stellen kritisch ist.

Fahrradfahrer nutzen den Tarpenbek-Wanderweg an der Grenze von Norderstedt nach Langenhorn – auch wenn der Zustand des Weges an manchen Stellen kritisch ist.

Foto: Christopher Herbst

Jahrelang wurde über den Weg politisch diskutiert, lange war er für den Radverkehr gesperrt. 1,2 Millionen Euro kostet der Ausbau.

Norderstedt/Langenhorn.  Arbeits- und Schauweg? Wer regelmäßig auf dem naturbelassenen Pfad entlang der Tarpenbek von Norderstedt – über die Landesgrenze hinweg – nach Hamburg-Langenhorn unterwegs ist, der hat hier zwischen Matsch, dem kleinen Fließgewässer und all den Wurzeln der großen Bäume noch so gut wie nie jemanden beim Arbeiten oder Schauen beobachtet. Dafür aber beim Radfahren, beim Gassigehen, beim Mittagspausieren oder Frische-Luft-holen. Der Weg entlang der Tarpenbek ist alles – aber nur nebenbei auch ein Arbeits- und Schauweg für die Gewässeraufsicht.

Nach Jahren der politischen Diskussion um den Weg, seinen Zustand und seine Eignung, scheint sich nun eine große Lösung für den Pfad zwischen der Straße Tarpen – kurz hinter der Landesgrenze zu Norderstedt – und dem Langenhorner Suckweg anzubahnen. Eine 1,2-Millionen-Euro-schwere Lösung.

Der Weg soll überall drei Meter breit werden

Im Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Alsterdorf-Groß Borstel der Bezirksversammlung Nord wurde jetzt eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Diese hatte das Ziel, Umbauvarianten aufzuzeigen, die eine „Zugänglichkeit und Nutzbarkeit des Weges für die Öffentlichkeit gewährleisten“. Die BRW Ingenieurpartnerschaft übernahm den Job und legte dem Ausschuss drei mögliche Varianten für die Wegeverbindung zwischen Tarpen und Suckweg vor. Favorit, sowohl der Mehrheit des Regionalausschusses als auch der Bezirksverwaltung, ist nun die mit Abstand teuerste Variante 1.

Sie macht aus dem Trampelpfad entlang der Tarpenbek einen 951 Meter langen komfortablen Wanderweg, der an allen Stellen drei Meter Breite hat und so ausreichend Platz für Fußgänger und Radfahrer bietet. Gedeckt werden soll der Weg mit Glensanda, einem wassergebundenen Kiesgemisch.

Das Gewässer soll mäandern, die Ufer renaturiert werden

Der Weg bleibt immer dicht am Wasserlauf, soll aber einen bis zu zehn Meter breiten Abstand zur Tarpenbek halten. Dieser Randstreifen ist für die Renaturierung des sehr technisch geprägten Gewässerverlaufes vorgesehen. Die Tarpenbek soll an etlichen Stellen wieder mäandern, ihre Uferbereiche sollen unterschiedlich profiliert und ökologische aufgewertet werden. Diese Renaturierung reduziere noch dazu das Hochwasserrisiko für die Anlieger.

Die Arbeiten sind relativ aufwendig. Das Baufeld muss an vielen Stellen frei gemacht werden. Das erfordert laut Gutachten vereinzelte Baumfällungen. Dazu müssen zur Überwindung von Höhenunterschieden zwei Rampen im Verlauf des Weges gebaut werden. Und weil an manchen Stellen schlechte Untergrundverhältnisse herrschen, müsse Boden ausgetauscht werden, so die Gutachter.

Unter dem Strich stehen bei dieser Variante 500.000 Euro an reinen Baukosten, weitere 286.000 Euro für die Renaturierung und noch mal 414.500 Euro an Grunderwerbskosten.

Die Varianten zwei und drei vielen im Ausschuss durch

Denn für die Verbreiterung des Weges müssen Teile der Gärten von einigen sogenannten Behelfswohnheimen abgetrennt werden, die direkt entlang des Weges liegen. „Das Bezirksamt favorisiert trotz des damit verbundenen Aufwandes diese Variante, da sie sich weitestgehend am derzeitigen Arbeits- und Schauweg orientiert“, sagt der Regionalbeauftragte des Bezirksamtes, Christian Landbeck. Sie greife die bestehende und etablierte Wegebeziehung auf und schaffe ein für die breite Öffentlichkeit nutzbares Angebot. Die Varianten Zwei und Drei fielen bei der Präsentation durch. Variante Zwei umgeht den besonders sanierungsbedürftigen Nordteil der Strecke über den westlich verlaufenden Tarpenstieg und schließt sich erst weiter südlich wieder an den angestammten Wanderweg an (Kosten: 596.100 Euro).

Die Variante Drei lässt den Tarpenbek-Wanderweg im Ist-Zustand und leitet Radfahrer und Mobilitätseingeschränkte über den noch weiter westlich liegenden Tarpenring (141.000 Euro).

Der Ausbau könnte den Schlusspunkt hinter die Jahrelangen Diskussionen und Probleme setzen. Die begannen, nachdem 2015 eine Fahrradfahrerin aus Norderstedt auf dem Weg gestürzt war, den Bezirk wegen unterlassener Sicherungspflicht verklagte – und Recht bekam. Das Bezirksamt riegelte den Weg daraufhin ab und verbot das Radfahren dort. Bezirkspolitiker von CDU, SPD und Grünen sowie Anwohnerinnen und Anwohner stemmten sich gegen die Schließung des Weges. Im Übrigen wurden die Sperrungen von vielen Nutzerinnen und Nutzern einfach ignoriert.

Damit der Wegeausbau Realität werden kann, muss das Bezirksamt Nord nun das Geld lockermachen. Mit einer Vorlage werde man an die Umweltbehörde herantreten, um eine Finanzierung des Projekts zu erreichen, teilt Bezirkssprecherin Larissa Robitzsch mit.

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