Schröters Wochenschau

Alle brav im Helgoländer Körbchen bleiben

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Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Foto: Wolfgang Klietz

Ein Besuch auf der Hochseeinsel – ohne Überfahrt im Börteboot, dafür mit reichlich Strandkörben. Wie kann das sein?

Kreis Segeberg.  Mittwochabend waren wir auf Helgoland im Landkreis Segeberg. Ohne Fähre. Und ohne jeden Anflug von Seekrankheit, trotz einiger Windböen. Die Anreise erfolgte von zu Hause aus und im eigenen Auto, nach knapp einer halben Stunde waren meine Frau und ich bereits vor Ort. Für das letzte Stück mussten wir den Wagen verlassen. Auf den Transfer mit einem der auf Helgoland üblichen Börteboote konnten wir allerdings verzichten. Wir legten diese kurze Strecke zu Fuß zurück und wurden nicht mal nass dabei. Innerhalb weniger Minuten erreichten wir unseren vorgebuchten Strandkorb. Er stand zwischen etlichen, baugleichen und durchnummerierten Exemplaren.

Die Anzahl der Körbe und ihrer Nutzer hätte von der schieren Menge her eigentlich eher nach Rimini gepasst als nach Helgoland. Trotzdem hätten wir uns gewiss bis auf ein paar Anstandsklamotten entblättert und die Sonnencreme benutzt, doch leider entstiegen den umliegenden Maisfeldern bereits leichte Abendnebel. Dahinter schweifte der Blick zu den dunklen Wipfeln des Segeberger Staatsforstes. Über Helgoland kreisten zwei Störche.

Plötzlich entlud sich ein heftiges Schlagzeuggewitter, ein zackiges Gitarren-Riff zersägte die Stille, grelle Stroboskopblitze zuckten über den Abendhimmel. Die Störche zischten ab wie vom Katapult geschossen, und ich lehnte mich im Strandkorb zurück und dachte: So entspannt durfte ich noch nie ein Rockkonzert genießen. Danke, Corona. Mein Mittwochabend-Helgoland lag auf einer Landebahn, genauer gesagt auf dem Flugplatz Hartenholm in der beschaulichen Gemeinde Hasenmoor.

Hier findet in diesem Sommer unter der Bezeichnung „Strandkorb-Open-Air“ eine bunte Reihe von Konzerten statt. Hier grenzt Helgoland direkt an Rügen, Sylt und Poel – so heißen die voneinander abgegrenzten Zuschauerbereiche. Zwischen den Strandkörben ist genug Platz. Vorm gebuchten Strandkorb darf jeder tanzen, springen und singen.

Nach Konzertschluss bleiben alle brav im Körbchen, bis auf den Video-Walls die eigene Strandkorbnummer aufleuchtet – erst dann verlässt man das Gelände und genießt den nächsten Vorteil dieser Aktion: kein Gedränge, kaum Stau bei der Abfahrt, wie normalerweise bei Großveranstaltungen üblich. Alles nur ein paar Dörfer von Zuhause entfernt. Hasenmoor ist viel angenehmer als Ostseehalle oder Elphi. In freier Natur, trotzdem in Gesellschaft, aber niemand latscht einem auf die Füße. So lieben es die Norddeutschen. Von mir aus können wir das ab jetzt immer so machen.

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