Norderstedt

Perfekte Momente aus Licht, Poesie und Musik

| Lesedauer: 4 Minuten
Andreas Burgmayer
Die Pflanzen leuchten im Spektrum der Farben: Das Staudenband im Feldpark lädt zum Traumwandeln ein.

Die Pflanzen leuchten im Spektrum der Farben: Das Staudenband im Feldpark lädt zum Traumwandeln ein.

Foto: Andreas Burgmayer

Das ParkFunkeln in Norderstedt ist eine mystische Inszenierung. Was die Besucher im Stadtpark erwartet.

Norderstedt.  Den betörenden Klängen in Richtung Birkenarboretum gefolgt, in der immer dunkler werdenden Dämmerung vorbei an den magenta leuchtenden Baumstämmen, schließlich angekommen in einer fabelhaften Inszenierung inmitten der Stadtpark-Natur. Da sitzt eine junge Frau, Katharina Turau, und streicht über die Harfe, eines der ältesten Instrumente der Menschheit und vielleicht durch seinen Klang das schönste.

Auf dem Rundweg durch den funkelnden Park

Sie spielt „Fields of Gold“ von Sting und neben ihr, auf einem riesigen LED-Bildschirm leuchten die Neo-Paintings von Jason Engelbart, der barocke Malerei am Computer so verzerrt, das am Ende abstrakte Farborgien entstehen, ebenso betörend, fliegend und flirrend wie der Harfenklang, der aus der stillen und nur sanft beleuchtenden Dunkelheit des Parks aufsteigt und sich nun kongenial mit den Neo-Paintings zu einem magischen Ganzen verbindet.

Engelbart sagt, er suche in seiner Kunst immer den perfekten Moment, den Moment der perfekten Liebe, das Göttliche. Nun, es geschieht, genau hier beim ParkFunkeln Norderstedt, zwischen Birken, Gras und leise zirpenden Grillen.

Wobei Sting bei seinen „Fields of Gold“ eigentlich an golden leuchtende Weizenfelder erinnerte, in denen sich Liebende Treue schwören. „You’ll forget the sun in his jealous sky, as we walk in fields of gold“, singt Sting. Weiter auf dem Rundweg durch den funkelnden Park schlängelt sich der Weg durch das zauberhaft beleuchtete Staudenband, in dem rot, blau, grün und gelb beleuchtete Blumen, Sträucher und Kräuter einen derart satten Augenschmaus ergeben, dass man in der Tat die Sonne und ihr goldenes Licht nicht eine Sekunde vermisst, sich vielmehr wünscht, die stilvoll inszenierte Dunkelheit möge ewig währen.

Ausgemusterte Koffer und ausrangierte Leuchtgloben

Drüben im Wald, da machen Dinge Sachen, für die sie nie gedacht waren, und das mit Bravour. Leuchtende Bahnhofsuhren hängen zwischen Bäumen, drehen rückwärts durch und machen Nachtfalter kirre. Leuchtgloben hängen im Geäst der Bäume, wirken in der Dunkelheit wie Planeten, die im unendlichen Schwarz des Weltalls dümpeln. Betagte, weit gereiste und ausgemusterte Koffer reißen ihre Klappe ganz weit auf, spucken Leuchtflaschen mit OP-Masken aus, erzählen Geschichten oder fragen ganz bescheiden: „Ist da jemand?“

Und obwohl der Stadtparksee noch ein ganzes Stück entfernt ist, plumpst man keine 50 Meter weiter mitten rein ins Wasser. Denn wo sonst der Kletterspielplatz an der Waldbühne ist, wogt plötzlich grün-blau das Wasser, Fischschwärme ziehen vorbei und blubbern unzählige Luftblasen umher.

Das Maske-Tragen wird zum Solidaritätsakt

Gut, wenn man das Seepferdchen hat und auf ihm nun hurtig hinüber reitet, vom Spielplatz zur Funkelbar am Fuß der Waldbühne, ein schönes Norderstedt-Pils in Anschlag nimmt und sich endlich – endlich! – die gottverdammte FFP2-Maske vom Gesicht reißen kann, um einen kühlen Schluck zu genießen.

Die Corona-Pandemie liegt wie Blei auch über dem ParkFunkeln. Und wir alle wissen, wie wichtig Hygiene, Abstand und Maske sind. Aber, Herrgott, warum darf ich etwa beim Flanieren am alltäglichen Sonntag zwischen Hunderten im Stadtpark unverhüllt auf Abstand bleiben und nur hier, nur jetzt, in dieser heimeligen Atmosphäre des Gefunkels, wo mir zwischen Wald, Wiese und Nachtfalter kaum jemand zu nahe kommt (und wenn, dann nur geimpft, genesen oder getestet), da muss ich mir permanent den Filter ins Gesicht drücken?

Noch gibt es Tickets für das diesjährige ParkFunkeln

Ja, muss sein, so sind die Regeln. Streng. Aber nur so geht’s, dass Tausende Zuschauer in den Genuss kommen können, diese kleine, feine Neuauflage des Parkfunkelns Norderstedt zu erleben. Dass sie zu sehen bekommen, wie viel das Team von Stadtpark-Chef Kai-Jörg Evers und Veranstaltungsleiterin Eva Reiners aus wenig machen können, mit Liebe zum Detail, Stil, Kreativität und dem Enthusiasmus der freiwilligen Helferinnen und Helfer.

Und wenn man sieht, wie froh der Bratwurst-Griller, die Bar-Frau, die Waffelbäckerin über Kundschaft sind und wie sehr sich die Musikerinnen und Musiker entlang des Rundweges freuen, endlich wieder auftreten zu können, dann kommt man sich piefig vor, mit seiner Masken-Genervtheit und zieht sich das Ding bereitwillig für die nächste Runde im illuminierten Stadtpark übers Gesicht.

ParkFunkeln Norderstedt 2021, Sa+So, 21.+22.8 (Sa ausverkauft). Fr-So, 27.-29.8 (Fr ausverkauft). Tickets 8 Euro (plus Vvk), Kinder 6 bis 15 Jahren 2 Euro, unter www.parkfunkeln-norderstedt.de

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