Norderstedt

Frage-Antwort-Spiel mit Katrin Göring-Eckardt

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Katrin Göring-Eckardt auf der Bühne des Kulturwerks.

Katrin Göring-Eckardt auf der Bühne des Kulturwerks.

Foto: Burkhard Fuchs

Bei Wahlkampfauftritt im Kulturwerk verzichtete die Grünen-Politikerin auf lange Reden. Worüber sie trotzdem sprach.

Norderstedt.  Sie kam etwas verspätet aus Mölln zum Bürgerdialog in Norderstedt. Dem lokalen TV-Sender mochte Katrin Göring-Eckardt, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, dann vorab kein Interview geben, um die etwa 70 Zuhörer im Kulturwerk am Stadtpark nicht länger warten zu lassen. Von draußen nach drinnen hatten die Grünen die Veranstaltung kurzfristig verlegt, damit kein Besucher vom ständigen Regen nass werden würde.

Klimaschutz, Atomausstieg, Mobilität

Auf eine lange Rede verzichtete Katrin Göring-Eckardt auf der Bühne im Kulturwerkssaal. „Wir wollen Sie ja nicht zutexten.“ Lieber ließ sie sich von der Grünen-Landesvorsitzenden Ann-Kathrin Tranziska und den Zuhörern Fragen stellen, die sie spontan beantwortete.

Dabei kam die ganze Bandbreite grüner Themen wie Atomausstieg, Klimaschutz und Mobilität zur Sprache, ebenso wie aktuelle Themen, also der Truppenabzug aus Afghanistan, Corona-Lockdown und der Umgang mit weichen Drogen. Sie sei „elektrisch“ nach Norderstedt gefahren worden, sagte Katrin Göring-Eckardt. Die Grünen wollten dafür sorgen, dass alle Bundesbürger auch in den ländlichsten Regionen innerhalb von einer Stunde mit Bus und Bahn die nächste Stadt erreichen könnten. „Ich bin gerne auf dem Dorf“, bekannte die Abgeordnete aus Thüringen.

Klare Worte zur Situation in Afghanistan

Den Zusammenbruch der afghanischen Regierung hätte man erwarten können, sagte sie. „Man konnte absehen, dass es so eskaliert. Vielleicht nur nicht so schnell.“ Eine regelrechte „Katastrophe“ sei es aber, dass die Bundesregierung offenbar überhaupt nicht darauf vorbereitet gewesen sei, wie sich jetzt an den chaotischen Ereignissen in Kabul gezeigt habe. „Es ist ein Drama, was da geschieht“, sagte Katrin Göring-Eckardt.

Afghanen, die sich für mehr Freiheit, Demokratie und Menschenrechte eingesetzt hätten, müssten nun um ihr Leben fürchten. Frauen und Mädchen würden gar nicht mehr auf die Straße gelassen. Da sei es gut, dass die Jamaika-Koalition in Kiel gerade die Aufnahme von 300 verwandten Afghanen nach Schleswig-Holstein eingeladen habe, wie Ann-Kathrin Tranziska sagte.

Für den Atomausstieg bedürfe es noch einer „sicheren Endlagerungsstätte für den Atommüll“, sagte Katrin Göring-Eckardt. Für die Grünen gebe es aber kein Zurück zu fossilen Brennstoffen. „Unser klarer Plan ist ein Mix aus erneuerbaren Energieformen, Wind und Sonne, mehr Effizienz und Energieeinsparung, um den Energiehunger zu decken.“

Weiche Drogen entkriminalisieren

Kulturschaffenden und Soloselbstständigen versprach sie mehr und schnellere finanzielle Hilfen, falls sie erneut unter der Corona-Politik leiden müssten. „Es muss Ausfallbürgschaften für sie geben“, sagte Göring-Eckardt.

Etwas überrascht und konservativ zeigte sich Katrin Göring-Eckardt, als ein 72 Jahre alter Zuhörer sie darum bat, sich für „eine Legalisierung von Marihuana gerade für ältere Menschen“ einzusetzen und in Altenheimen für Medizinalhanf zu werben, damit die alten Leute dort nicht mehr nur mit chemischen Antidepressiva gegen ihre Depressionen und Einsamkeit allein gelassen würden.

„Drogen bringen ja auch ein bisschen Spaß“, sagte der Zuhörer. Was Katrin Göring-Eckardt aber zu weit ging. Weiche Drogen müssten entkriminalisiert werden, aber „Prävention und Aufklärung“ müsse jede Freigabe begleiten.

( bf )

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