Kreis Segeberg

Infektionsschutz verhindert „Ackerbrand“-Festival

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Burkhard Fuchs
Müssen das Ackerbrand-Festival nun schon zum zweiten Mal absagen: Die Veranstalter Marcus Peters (l.) und Thomas Kühl vom Verein Moorwerk Seth.

Müssen das Ackerbrand-Festival nun schon zum zweiten Mal absagen: Die Veranstalter Marcus Peters (l.) und Thomas Kühl vom Verein Moorwerk Seth.

Foto: Burkhard Fuchs

Gesundheitsamt untersagt Festival in letzter Minute. Welche Vorwürfe Veranstalter und Sehts Bürgermeister erheben.

Seth.  Das halbe Dorf Seth und die Rock-Fans der Region hatten sich schon auf Live-Musik unter freiem Himmel gefreut – doch nun ist das „Ackerbrand-Festival“, eigentlich geplant für den 21. August, abgesagt und sieben Heavy-Metal-Bands dürfen nicht spielen. Der Kreis Segeberg hat dem örtlichen Veranstalter die Genehmigung für das Musikfestival auf dem Lande in letzter Minute entzogen.

Festival-Veranstalter spricht von Willkür

„Wir sind nur noch enttäuscht“, sagt Thomas Kühl, einer der ehrenamtlichen Organisatoren vom Verein Moorwerk Seth. Schon im vorigen Jahr war das erste Festival wegen der behördlichen Corona-Auflagen ins Wasser gefallen. „Es ist wirklich nur noch beschämend, was der Infektionsschutz hier macht“, behauptet Kühl, bitter enttäuscht. Er spricht von „Willkür“.

Seit Monaten seien sie in ganz engem Kontakt mit der Ordnungsbehörde des Amtes Itzstedt und der Gesundheitsbehörde des Kreises Segeberg gewesen. 1300 der maximal 1500 Eintrittskarten waren bereits verkauft, Werbung geschaltet, Bühnenaufbau und Gastronomiebetriebe organisiert. „Alles war abgesprochen, jede behördliche Auflage erfüllt“, sagt Kühl.

Dachten zumindest die Veranstalter. Doch bei einem Termin zur Endabnahme mit Polizei, Feuerwehr, Sicherheitsdienst, Ordnungsamt und Kreisverwaltung sei alles ganz anders gekommen. „Da wurden wir richtig vorgeführt“, sagt Kühl. „Die haben nur noch das Haar in der Suppe gesucht, um die Veranstaltung absagen zu können. Und wir haben gedacht, dass alles gut läuft.“

Streitpunkte: Ordner, Maskenpflicht, Alkoholausschank

Hauptkritikpunkt des Infektionsschutz-Beauftragten: Die 75 vom Verein angeheuerten Ordner seien für erwartete 1500 Besucher zu wenig. Obwohl nur Besucherinnen und Besucher auf dem Gelände zugelassen wären, die geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Zusätzlich hätten sie auf dem mehreren Hektar großen Gelände Masken tragen müssen.

Kühl kann das nicht fassen: „Ein Ordner auf 20 Besucher, welches Risiko soll da noch bestehen?“ Doch der Kreis Segeberg blieb knallhart und versagte die Genehmigung. „Die beiden wesentlichen Verhandlungspunkte der letzten Wochen zwischen Kreis und Veranstalter waren die Umsetzung der Maskenpflicht und die Begrenzung des Alkoholausschanks“, teilt hingegen Kreissprecherin Sabrina Müller mit.

Dem Veranstalter sei auferlegt worden, „dass er dafür Sorge zu tragen hat, dass alle Besucherinnen und Besucher kontinuierlich eine Maske tragen müssen.“ Bei 1500 Rock-Fans, die Alkohol konsumierten und ausgelassenen feiern wollten, auf einem weitläufigen Festivalgelände mit Park- und Campingplatz, ist es aus Sicht des Infektionsschutzes nicht möglich, mit „weniger als 100 Ordnungskräften die Einhaltung der Hygienemaßnahmen sicherzustellen“, sagt Sabrina Müller.

Kreis: Veranstalter habe nicht überzeugen können

Vage bleibt die Kreissprecherin aber, was die nach Hygieneverordnung geforderte Zahl an Ordnungskräften denn wäre. „Konkrete Vorschriften über die Anzahl einzusetzender Ordnungs- und sonstiger Kräfte gibt es nicht“, sagt Müller. „Dieses muss immer nach der Risikobewertung der Besonderheit des Einzelfalles geschehen.“ Dafür sei auch „das zu erwartende Verhalten des Publikums“ ausschlaggebend. Müller: „Der Veranstalter hat mit seinen Ausführungen zum Thema Security und Ordner im als finales Hygienekonzept vorgelegten Papier nicht überzeugen können.“

So bleibt Kühl und seinen Mitstreitern nun neben der bitteren Enttäuschung ein Verlust von etwa 10.000 Euro für Auslagen und Werbemaßnahmen. Kühl: „Zum Glück stehen uns die Sponsoren dabei zur Seite, der Verein bleibt nicht allein darauf sitzen.“

Veranstalter: Infektionslage nicht mit 2020 zu vergleichen

Seths Bürgermeister Simon Herda (SPD) teilt die Entrüstung des Vereins über die Absage. „Ich kann die Entscheidung der Kreisbehörde nicht nachvollziehen. Wir alle in der Gemeinde sind ziemlich gefrustet.“ Die aktuelle Infektionslage sei überhaupt nicht mehr mit der aus dem vergangen Jahr zu vergleichen. Derzeit liege die Inzidenz bei etwa 43,3, in den vergangenen zwölf Wochen seien im Kreis Segeberg nur 24 Menschen mit Corona ins Krankenhaus gekommen, eine einzige Person sei verstorben.

„Jeder kann sich impfen lassen und sich so selber schützen“, sagt Herda. Kein Besucher wäre positiv getestet oder ungeimpft aufs Gelände gelassen worden. „Da muss es doch die Entscheidung jedes einzelnen sein, dorthin zu gehen“, sagt der Bürgermeister. Zumal andere Großveranstaltungen wie Fußballspiele oder Musikfestivals durchaus genehmigt würden. Herda: „Hier ist mit zweierlei Maß gegen die Veranstalter in Seth entschieden worden.“

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