Schröters Wochenschau

Bremsweg von Bad Bramstedt bis nach Harburg

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Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Foto: Wolfgang Klietz

Der Radschnellweg aus dem Kreis Segeberg in die Hansestadt kommt – aber wann? Gebaut wird jeden Falls noch nicht.

Kreis Segeberg.  Die Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg von Bad Bramstedt über Kaltenkirchen, Henstedt-Ulzburg und Norderstedt nach Hamburg-Alsterdorf ist nun, nach vier Jahren, fertig. Bis irgendwann gebaut wird, vergeht natürlich auch so einige Zeit. Bis zur Freigabe erst recht. Falls ich dann überhaupt noch unfallfrei ein Fahrrad besteigen kann, brauche ich garantiert Stützräder.

Ob ich als Greis mit Stützrädern den schicken, neuen Radschnellweg allerdings benutzen darf, ist zu bezweifeln. Als „Autobahn des Radverkehrs“ bezeichnen die Planer ihre Rennpiste. Irgendwie lustig: einerseits die Leute vom Auto abbringen wollen, andererseits den Radweg zur Autobahn umdeklarieren.

Auf Autobahnen gilt ja ein Mindesttempo von 60 km/h. Das müsste also auf dem Radschnellweg auch gelten. Die bislang schnellste Durchschnittsgeschwindigkeit während einer kompletten „Tour de France“, nämlich sagenhafte 41,654 km/h, wurde im Jahr 2005 für Lance Armstrong gemessen – und der war dabei so gedopt, dass er wahrscheinlich auch noch nachts im Bett gestrampelt hat.

Würden wir derart voller Drogen über den Radschnellweg zur Arbeit preschen und vor der Firma zu stoppen versuchen, rutschten wir noch bis Harburg – hohe Geschwindigkeit, langer Bremsweg. Bei nassem Herbstlaub oder gar Glatteis könnte man sich auch schon mal in Hannover wiederfinden.

Doch wahrscheinlich wird es nicht so kommen. Nicht, wenn es auf dem Radschnellweg wirklich wie auf der Autobahn zugeht. Auf der wird das vorgeschriebene Mindesttempo ja oft gar nicht erreicht, weil der Verkehr steht. Beispielsweise vor dem Elbtunnel. So ein amtlicher Tunnelstau gehört zum täglichen Pendlerdasein einfach dazu. Wann sonst findet man die Gelegenheit, fremde Mitmenschen zu beobachten, die sich allesamt in ihren Autos unbeobachtet wähnen und sich entsprechend benehmen (schminken, essen, nasebohren)?

Zum Glück geht uns dieses Erlebnis auch auf dem Radschnellweg nicht verloren. In Norderstedt soll die Strecke durch einen 200 Meter langen Tunnel unter der Schleswig-Holstein-Straße hindurch führen. Mit 6 Prozent Steigung, da werden die Ungedopten und Untrainierten absteigen und schieben, was verlässlich Stau bis zum Stillstand provoziert. Bestimmt lösen auch hin und wieder radelnde Sitzriesen die Höhenkontrolle aus – Vollsperrung, Stau, Stillstand.

Und auf dem Fahrrad ist dieses Erlebnis viel unmittelbarer als im Auto. Man kann nämlich vom Brot des Nachbarn abbeißen, sich gegenseitig schminken oder auch in der Nase bohren. Juhu.

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