Norderstedt

Falsche Polizisten: Passantin rettet Senioren vor Betrug

| Lesedauer: 3 Minuten
Andreas Burgmayer
Ein Mann hält einen Telefonhörer in der Hand. Immer wieder versuchen Betrüger, sich als Polizeibeamte auszugeben und so Geld zu ergaunern (Symbolbild).

Ein Mann hält einen Telefonhörer in der Hand. Immer wieder versuchen Betrüger, sich als Polizeibeamte auszugeben und so Geld zu ergaunern (Symbolbild).

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

79-Jährige aus Norderstedt wollte Betrügern 10.000 Euro überreichen – da bewies eine Unbeteiligte Zivilcourage.

Norderstedt.  Immer wieder haben die Betrüger Erfolg. Selbst bei Menschen, die es zuvor nicht für möglich gehalten hätten, dass sie auf diese Tricks reinfallen würden. Am Dienstag hätten es falsche Polizisten beinahe wieder geschafft, einem betagten Ehepaar aus Norderstedt 10.000 Euro abzunehmen. Nur einer aufmerksamen Passantin in der Hamburger Innenstadt ist es zu verdanken, dass der Plan vereitelt wurde.

„Herr Weber“ warnte vor Erpresserbande

Wie die Polizei am Donnerstag berichtet, meldete sich am Dienstagvormittag ein angeblicher Polizeibeamter bei einer 79-jährigen Norderstedterin am Telefon. Der „Beamte“ mit Namen „Herr Weber“ erklärte wortgewandt, man sei in Norderstedt einer größere Erpresserbande auf der Spur und würde sie bald „schnappen“.

Doch dafür bräuchte die Polizei die Senioren und 10.000 Euro als Köder für eine Übergabe – als Falle für die unbekannten Erpresser. Die falschen Polizisten verstanden es, den Fall weiter zu dramatisieren. Schließlich willigte die 79-Jährige ein, bei dem Plan mitzumachen. Sie fuhr gemeinsam mit ihrem Mann zu ihrer Bank an der Hamburger Rathausstraße und hob dort 10.000 Euro vom Konto ab.

Währenddessen hielt der angebliche „Herr Weber“ durchgängig mittels Mobiltelefon Kontakt zu der Norderstedterin, um sie zu überwachen. Zwischen 12 und 12.15 Uhr sollte die Übergabe an einen weiteren Ermittler vor dem Hamburger Rathaus erfolgen.

Unbeteiligte zeigt Zivilcourage, Täter flüchtet

An der Kreuzung Poststraße und Neuer Wall wurde das Norderstedter Seniorenpaar dann auch tatsächlich von einem anderen „Polizeibeamten“ angesprochen. Er übergab ihnen ein weiteres Handy, an dem sich wiederum der vorherige Gesprächspartner, „Herr Weber“, meldete.

Doch den Eheleuten wurde die Sache zu heiß, sie wollten das Geld nicht übergeben. „Herr Weber“ übte per Telefon aber weiter Druck auf die Senioren aus. Nun kam eine unbeteiligte Passantin ins Spiel, die das Telefonat offenbar mitgehört hatte. Sie wies die Eheleute darauf hin, dass es sich bei dem Abholer sicherlich nicht um einen Polizeibeamten handeln würde.

Erkannt und ertappt suchte der Abholer schnell das Weite und verschwand in unbekannte Richtung. Die unbekannte Helferin und Zeugin ging ebenfalls ihrer Wege. Die Eheleute wandten sich an einen vor dem Rathaus befindlichen echten Polizeibeamten, der eine Strafanzeige aufnahm.

Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen

Die Kriminalpolizei Norderstedt hat nun die Ermittlungen übernommen und sucht sowohl die beherzte Passantin als auch weitere mögliche Zeugen, die Hinweise auf die Identität des Flüchtigen geben können. Es soll sich um einen zwischen 1,70 und 1,75 Meter großen Mann im Alter von 30 bis 40 Jahren gehandelt haben. Er hatte eine kräftige Statur und war mit einem hellen langärmligen Sweatshirt mit einem Schriftzug, einer dunklen Stoffhose und einem Cap bekleidet (Hinweise an die Polizei unter 040/52 80 60).

Unbekannte Anrufer versuchen immer wieder mittels dieser Masche an Bargeld und Wertgegenstände zu kommen. Der Fantasie der Betrüger sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Nicht selten werden sie am Telefon aufdringlich oder betteln regelrecht um Hilfe. Oftmals verfügen die Betrüger sogar über Detailwissen und verunsichern die Bürgerinnen und Bürger dadurch enorm. Die Polizei rät: Sofort auflegen und die echte Polizei informieren.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt