Wirtschaft

So soll Norderstedts neue Schokoladenfabrik aussehen

| Lesedauer: 4 Minuten
Michael Schick
So sieht das neue Gebäude des Schokoladenherstellers Herza in Norderstedt aus, das direkt an den Altbau auf dem Firmengelände an der Segeberger Chaussee anschließt.

So sieht das neue Gebäude des Schokoladenherstellers Herza in Norderstedt aus, das direkt an den Altbau auf dem Firmengelände an der Segeberger Chaussee anschließt.

Foto: Herza

Traditionsunternehmen Herza investiert rund 15 Millionen Euro in neue Produktionsanlagen und Büroräume. Der Konzern hat große Pläne.

Norderstedt. Rund 60 Meter lang, 13 Meter breit und vier Stockwerke hoch: An der Segeberger Chaussee 132 entsteht ein neuer Gebäudekomplex – für eine Firma mit Tradition. Herza Schokolade baut neu und wächst weiter. Rund 15 Millionen Euro investiert der Norderstedter Schokoladenhersteller in neue Produktionsanlagen und Büroräume. Damit setzt das Unternehmen die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre fort und schafft zugleich rund 50 neue Arbeitsplätze.

Große Nachfrage nach Energie- und Eiweißriegeln

Im Neubau, für den am gestrigen Dienstag der Grundstein gelegt wurde, sollen zusätzliche Anlagen für die Produktion von Energie- und Eiweißriegeln untergebracht werden – Produkte, die Herza kontinuierlich wachsenden Umsatz bescheren. Sport und Fitness liegen im Trend, die kleinen Proteinlieferanten werden immer stärker nachgefragt.

„Der Riegelmarkt boomt. Marktforschungsinstitute prognostizieren für Protein- und Energieriegel auch in Zukunft ein starkes Wachstum“, sagte Florian Bayerlein, Geschäftsführer des Unternehmens, das die Riegel im Auftrag von Handel und Markenanbietern produziert. Mit dem neuen Gebäudekomplex und den erweiterten Produktionskapazitäten investiere Herza in die Zukunft und könne damit nicht nur die anhaltende Nachfrage bedienen, sondern gleichzeitig das Sortiment um neue Produkte ergänzen.

Seit 1949 ist Herza in Norderstedt

Die energiereichen Riegel sind die moderne Variante der Schokoladenherstellung, die vor 100 Jahren in Altona begonnen hat. Hermann Zapf (HerZa) gründete die Firma, die 1949 nach Norderstedt umzog. Produziert wurden Klassiker, die noch immer zum Sortiment gehören, aber keine Umsatztreiber mehr sind: Schokoriegel für den Tannenbaum, Fondant-Eier, die aussehen wie Spiegeleier und Herza zu nationaler Bekanntheit verhalfen. „Da waren wir Weltmarktführer“, sagte Torsten Wywiol, geschäftsführender Gesellschafter der Wywiol-Gruppe, die Herza 2000 gekauft hat.

Mit Herza sind weitere Superlative verknüpft. Hier entstand die erste quadratische Schokolade der Welt, in den 60er-Jahren stellten die Mitarbeiter Raspelschokolade in großen Mengen her, in den 70er-Jahren kam das erste Schokomüsli auf den Markt – natürlich mit Herza-Schokolade.

Herza hat 2020 Beschäftigte in Norderstedt

Mit Wywiol kam der Umbruch. Herza stieg in die Produktion der Energieriegel ein. Der Verkauf florierte, der Umsatz stieg. Immer wieder waren Geschäftsführung und Mitarbeiter auf der Suche nach Lösungen, um die Produktion der Nachfrage anzupassen. „Doch nun ist die Kapazitätsgrenze erreicht, uns fehlt einfach der Platz, um weiterzuwachsen“, sagte Geschäftsführer Florian Bayerlein. Jedes Jahr klettere der Umsatz um rund zehn Prozent. Ein Teil der aktuell 220 Beschäftigten sei schon ausgelagert und arbeite in Containern.

Da sei ein Neubau einfach unverzichtbar. Dass der 2021 beginnt, ist kein Zufall, wird Herza in diesem Jahr doch 100 Jahre alt und macht sich mit dem neuen Gebäude, das direkt an den Altbau anschließt, das entsprechende Geburtstagsgeschenk. Auf 700 Quadratmetern wird die dritte Produktionsanlage für die Riegel gebaut, zudem eine Anlage für besondere Riegel. Ins Obergeschoss wird die Verwaltung einziehen.

Der Plan: 100 Millionen Riegel pro Jahr

In einem Jahr soll das neue Gebäude fertig sein. „Dann werden wir 100 Millionen Riegel pro Jahr herstellen“, sagte Wywiol. Damit würde sich der jetzige Ausstoß verdoppeln. Aktuell produzieren die Mitarbeiter in drei Schichten an sechs Tagen rund 130.000 Riegel pro Schicht, rund 500 pro Minute.

„Wir wollen natürlich auch die Synergien nutzen, die durch die neuen Produktionsanlagen entstehen. Wir können zum Beispiel Reinigungszeiten reduzieren, indem wir unser Portfolio neu zusammenstellen“, sagte Betriebsleiter Andreas Brooks. Denkbar sei beispielsweise, in Zukunft auf einer Linie nur Bio-Riegel zu produzieren, auf der zweiten nur Riegel mit Nüssen und anderen Allergenen, auf der dritten dagegen nur allergenfreie oder auch vegane Produkte. „Durch die neuen Anlagen haben wir sehr viel mehr Spielraum als bisher“, sagte Brooks.

Herza produziert mehr als 130 verschiedene Riegel

Und den werden die kreativen Köpfe sicher ausschöpfen und das Sortiment kontinuierlich erweitern. Schon jetzt werden, so Betriebsleiter Brooks, mehr als 130 unterschiedliche Riegelsorten hergestellt: „Und ständig kommen neue hinzu.“

„Sie sind die Schokoladenseite von Norderstedt“, sagte Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder, die sich selbst als „Schokoholic“ bezeichnete. Es erfülle sie als Stadtoberhaupt schon mit Stolz, wenn ein solches Traditionsunternehmen in der Stadt wachse. „Ich hoffe, dass der Energieschub, den Schokolade liefert, auf die Zukunft von Herza durchschlägt“, sagte Roeder.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt