Henstedt-Ulzburg

Bewährungsprobe für Bürgermeisterin Ulrike Schmidt

| Lesedauer: 6 Minuten
Christopher Herbst
Ulrike Schmidt (48) ist seit Juni 2020 Verwaltungschefin der Großgemeinde Henstedt-Ulzburg. Als sie das Amt antrat, lief die Organisationsuntersuchung bereits viele Monate.

Ulrike Schmidt (48) ist seit Juni 2020 Verwaltungschefin der Großgemeinde Henstedt-Ulzburg. Als sie das Amt antrat, lief die Organisationsuntersuchung bereits viele Monate.

Foto: Thorsten Ahlf

Überlastete Mitarbeiter, unzufriedene Bürger: Die Henstedt-Ulzburger Verwaltung muss reformiert werden.

Henstedt-Ulzburg. „Das ist ihre erste Bewährungsprobe“, hatten Politiker in Henstedt-Ulzburg geraunt, bevor Bürgermeisterin Ulrike Schmidt vor der Sommerpause die Pläne für die Umstrukturierung der Verwaltung vorstellte. Es handelt sich um ein Mammutprojekt, das sie von ihrem Vorgänger Stefan Bauer erbte, als die 48-Jährige ihr Amt im Juni 2020 antrat.

Die Firma Kubus, ein Beratungsunternehmen kommunaler Spitzenverbände, hatte 2019 für mehr als 200.000 Euro den Auftrag erhalten, das Rathaus zu durchleuchten. Die politische Initiative hatte die BfB-Wählergemeinschaft sogar bereits im Februar 2015 gestartet. Das Ziel: „Die Verwaltung zukunftssicher für die nächsten zehn bis 20 Jahre aufstellen.“

Bürgermeisterin bangt um das Wohl der Mitarbeiter

Dafür wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter interviewt, die Politik anonym befragt, es gab mehrere interne Workshops, hinter den Kulissen war vieles in Bewegung – denn letztlich ging es eben auch darum, Stellen zu schaffen oder Fachbereiche umzuschichten. Und zwar natürlich so, dass der Service für die Bevölkerung besser wird.

Schmidt – „ich werde nicht nahtlos weitermachen“, sagte sie im Vorjahr bei ihrer Vereidigung – zog eine ernüchternde Bestandsaufnahme. „Ich bange um das Wohl meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich weiß, dass es ihnen schon lange nicht gut geht.“

Sie habe auf ihrer „Reise durch die ersten Tage, Wochen und Monate alle möglichen Gemütszustände durchlebt“, sagte sie, sprach von Konflikten zwischen allen Seiten, die sie schon vor ihrer Wahl beobachtet hatte, als sie regelmäßig Gremiensitzungen besuchte. „Ich habe die Verwaltung in einer Phase übernommen, in der sich die Untersuchung schon über viele Monate hingezogen hatte.“

Zeitdruck führt zu wiederholten Fehlern

Gerne hätte sie mehr Gestaltungsspielraum gehabt. Die täglichen Probleme bekam sie offenbar ungeschönt mit. „Ich habe es mit kompetenten, engagierten Menschen zu tun, aber auch mit Personal, das unter enormem Druck steht. Interne Sitzungen fanden oft ohne Tagesordnung, ohne Protokoll statt, Jahresgespräche waren oft nicht standardisiert. Ich bekomme Vorlagen für Ausschüsse oft erst kurz bevor sie in das Allris-System gestellt werden. Es kommt zu Fehlern, Rückstellungen führen zu Frust bei Bürgern, die Politik wünscht sich mehr Initiative durch die Verwaltung, eine schnellere Abarbeitung – sie und ich wundern uns über wiederholte Fehler.“

Aus Sicht der Bürgermeisterin liegt das nicht an der Belegschaft im Rathaus. „Ich habe eine Menge zukunftsweisender Vorschläge gehört. Wir sind eine Verwaltung mit vielseitigen, talentierten, facettenreichen Mitarbeitenden. Wir wollen Vorlagen inhaltlich perfekt erstellen, ein Miteinander in der Kommunikation – und freundlichen Service für die Bürgerinnen.“ Aber sie bekomme täglich Überstunden zur Gegenzeichnung, „die Mitarbeiter leisten quantitativ zu viel, wir machen qualitativ Abstriche. Es ist das Gegenteil einer aufgeblasenen Verwaltung.“

Mehrbedarf von mehreren Dutzend Stellen

Was Kubus als Empfehlung vorlegte, ist umfassend. So soll die Bürgermeisterin eine eigene Stabstelle erhalten mit Befugnis unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit, das Integrierte Gemeinde-Entwicklungskonzept, den Klimaschutz, Veranstaltungen oder interkommunale Zusammenarbeit. Verantwortlich wäre der leitende Beamte oder die leitende Beamtin – nach der Pensionierung von Jens Richter im Februar konnte dieser Posten aber noch nicht neu besetzt werden. Derzeit läuft die erneute Ausschreibung der Stelle bis 31. Juli.

Weitere Neuerungen: ein Fachbereich Finanzen, eine Aufteilung des bisherigen Sachgebietes Bildung, Jugend und Freizeit, ein Fachbereich für die Grundstücks- und Gebäudewirtschaft, ein neues Sachgebiet für Verkehr. Alles ist verbunden mit einem Mehrbedarf von mehreren Dutzend Stellen, der bereits in einem diesjährigen Nachtragshaushalt ausgewiesen sein soll. „Das ist ungewöhnlich“, räumte Schmidt ein.

Beratungsfirma Kubus ließ Fragenkatalog unbeantwortet

Die Politik fühlte sich übergangen, auch wenn sie grundsätzlich auf Seite der Bürgermeisterin ist. „Wir wissen um die Not. Ich glaube, was sie sagen“, sagte Thomas Becker von der BfB, schränkte aber ein: „Wir haben die Unterlagen vor einigen Monaten bekommen, uns aber kein einziges Mal ausgetauscht.“ Vielmehr sei eine Hauptausschuss-Sitzung abgesagt worden. Auch der Vorsitzende des Gremiums, Dietmar Kahle (CDU), mahnte: „Wir müssen die Zeit haben, es ausreichend zu diskutieren. Es geht ja nicht um eine Kleinigkeit, es hat große Auswirkungen auf die Gemeinde, auf die Mitarbeitenden. Die Politik kann nicht diejenige sein, die Zeit aufholt, indem sie keine Diskussion führt.“

Die Fraktionen hatten teils umfangreiche Fragenkataloge geschickt, die Kubus nicht beantwortete. Schmidt musste zugeben, dass der Kubus-Auftrag erfüllt worden sei („Das Geld ist alle“). Der Ausschuss forderte eine weitere Sitzung. Also wurde sondiert, was schon vor den Ferien in der Gemeindevertretung beschlossen werden könnte. Schmidt bat um ein „Signal“, das sie dann auch bekam mit einer Zustimmung zu den Fachbereichen Finanzen und Gebäudewirtschaft und dem Sachgebiet für Verkehr.

Effizienterer Service, mehr Zeit für die Bürger

Der Bereich „Bildung, Jugend und Freizeit“ wird noch in einem Arbeitskreis besprochen. Genauso wie der größte Brocken, nämlich die Stabsstelle. Hier äußerten Politiker Zweifel, ob Schmidt nicht unnötig Zuständigkeiten weggebe und der Klimaschutz nicht besser im Fachbereich für Bauen, Planen und Umwelt aufgehoben sei.

„Wir werden dem Klärungsbedarf nachkommen“, sicherte die Bürgermeisterin zu, „ich bin bereit, ins Gespräch zu gehen.“ Dennoch war sie mit dem Etappenziel zufrieden. „Ich glaube, das wird schnell Auswirkungen haben. Die Bevölkerung wird die Verbesserung des Services schnell spüren. Nicht nur, dass dieser effizienter ist, sondern auch, dass wir mehr Zeit für die Menschen haben.“

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