Norderstedt

„Kreisel-Ausbau darf Weihnachtsgeschäft nicht verhageln“

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Burkhard Fuchs
WiN-Fraktionschef Reimer Rathje fordert, dass der Umbau der Kreuzung Ochsenzoller Straße/Tannenhofstraße/Achternfelde in Garstedt zu einem Kreisverkehr das Weihnachtsgeschäft nicht stören darf.

WiN-Fraktionschef Reimer Rathje fordert, dass der Umbau der Kreuzung Ochsenzoller Straße/Tannenhofstraße/Achternfelde in Garstedt zu einem Kreisverkehr das Weihnachtsgeschäft nicht stören darf.

Foto: Burkhard Fuchs

WiN-Chef: „Herold-Center muss erreichbar sein“. Ein Jahr soll der geplanten Ausbau des Kreisels an der Ochsenzoller Straße dauern.

Norderstedt. Dies wird eine Mega-Baustelle sein, die den gesamten Verkehr in Garstedt und vor allem die Erreichbarkeit des Herold-Centers erheblich beeinflussen wird: Der Kreuzungsbereich Ochsenzoller Straße/Tannenhofstraße/Achternfelde, der zurzeit noch mit mehreren Ampelanlagen gesteuert wird, soll zu einem Kreisverkehr mit vier Ausfahrten umgebaut werden. Etwa ein Jahr werde der Ausbau dauern, hat die Verwaltung auf eine Anfrage der WiN-Fraktion geantwortet.

WiN: „Geschäftsleuten nicht das Weihnachtsgeschäft verhageln“

Deren Fraktionsvorsitzender Reimer Rathje ist damit nicht zufrieden. „Wir können und dürfen den Geschäftsleuten nicht schon wieder das Weihnachtsgeschäft verhageln. Dann brauchen wir uns jedenfalls keine Gedanken mehr zu machen, wie wir die Nachfolge bei Karstadt regeln oder die Geschäfte im Herold-Center attraktiver gestalten und unterstützen können.“

Denn einen erneuten Umsatzeinbruch wie durch den Lockdown im vorigen Jahr würden die meisten Gewerbetreibenden dort nicht überleben. „Dann haben wir nur noch Online-Handel hier“, warnt Rathje und fordert: „Die Zufahrt zum Herold-Center muss im Weihnachtsgeschäft gesichert sein.“ Seine Fraktion werde einen entsprechenden Antrag in den politischen Gremien stellen, dass vom 1. November bis 15. Januar keine der wichtigen Zufahrtsstraßen zum Herold-Center gesperrt sein werden.

Wann der Ausbau des Kreisels beginnt, ist unklar

Die Verwaltung hält sich in dieser Frage bedeckt. So konnte sie auf die Anfrage der WiN im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr weder genau sagen, wann der Ausbau des Kreisels beginnen noch wie sie dabei Rücksicht auf die Geschäftstreibenden in Garstedt nehmen werde. So teilte sie nur vage mit, dass der Kreisel von Mitte 2021 bis Mitte 2022 gebaut werden solle.

„Da die Ausführungsplanung für die Umsetzung dieser Tiefbaumaßnahme noch nicht abgeschlossen ist, können diese Fragen zu genauem Baubeginn und Zeitbedarf zurzeit nicht beantwortet werden“, lautet die Antwort aus dem Rathaus.

Eine Baustellenkoordinations- und Umleitungsplanung sei ebenfalls noch nicht abschließend erarbeitet worden, heißt es dazu weiter von Mario Kröska vom Fachbereich Verkehrsflächen aus dem Rathaus. „Von daher ist es augenblicklich nicht möglich anzugeben, welche Straßenabschnitte (Teileinmündungen) überhaupt, wann und wie gesperrt werden (müssen).“

Straßensperrungen immer schwer zu vermitteln

Gleiches gelte für die Dauer der Baustelle am Knotenpunkt Ochsenzoller Straße/Tannenhofstraße. Es sei aber „davon auszugehen“, dass dieser Kreisel-Ausbau ähnlich lange dauern werde wie der „inzwischen fertiggestellte Kreisel Berliner Allee/Ochsenzoller Straße“, für den es „rund ein Jahr Gesamtbauzeitbedarf (ab Beginn/inklusive Schlechtwetter- und Feiertagspausen)“ gegeben hätte.

Und auf Rathjes Frage, ob „die Verwaltung dabei bedacht (habe), dass es nach Beendigung des Lockdowns im Einzelhandel den Geschäftsinhabern schwer zu vermitteln ist, dass Straßensperrungen vorgenommen werden“, antwortet die Verwaltung: „Zunächst ist aus Erfahrung hierzu festzustellen, dass Straßensperrungen (unabhängig davon, ob vor, während oder nach einem Lockdown) immer schwer beziehungsweise gar nicht zu vermitteln sind.“

Die Verwaltung selbst könne „weder entscheiden noch beurteilen, ob momentan Baumaßnahmen aus diesem Grund verschoben oder ausgesetzt werden sollen/können“, teilt Kröska mit. Diese „Grundsatzfrage“ habe die Politik „bei Bedarf mehrheitlich zu beschließen“.

Unterstützung gibt es von der Norderstedter CDU

Und da 2019 und 2020 der Bau dieses Kreisels nun einmal beschlossen und die Finanzmittel dafür freigegeben wurden, sei „die hauptamtliche Verwaltung nicht berechtigt, Beschlüsse anderweitig zu interpretieren oder dessen Umsetzung eigenmächtig auszusetzen beziehungsweise terminlich zu verschieben.“

WiN-Fraktionschef Rathje sagt dazu: „Diese Denkweise reicht für Norderstedt nicht aus.“ Wenn die Stadt sich einerseits gerne mit der Ansiedlung des Tesa-Konzerns oder der Casio-Europazentrale „in der ersten Liga“ wähne, könne sie nicht ein so vages und unabgestimmtes Baustellenmanagement präsentieren. Schließlich müssten die Gewerbetreibenden langfristig planen, wann sie wegen der Sperrungen, die den Kundenverkehr zum Herold-Center erheblich beeinträchtigen werden, vielleicht vorsorglich ihre Mitarbeiter in Urlaub schicken sollten.

Unterstützung gibt es von der Norderstedter CDU

Auch die Bürger und vor allem Senioren hätten einen Anspruch darauf, frühzeitig zu wissen, wann und wie sie die Geschäfte dort erreichen könnten. Denn der gesamte Bus- und Durchgangsverkehr werde dadurch umgeleitet werden müssen, warnt Reimer Rathje. „Wir sind ja hier nicht auf dem Dorf. Da erwarte ich von der Verwaltung Lösungen und mehr Weitsicht im öffentlichen Interesse.“

Unterstützung erfährt der WiN-Fraktionschef von seinem CDU-Kollegen Peter Holle. „Der Bau des Kreisels muss so gehen, dass das Weihnachtsgeschäft für die Geschäftsleute im Herold-Center nicht beeinträchtigt wird. Die haben alle genug gelitten.“ Es sei ohnehin ein „großes Problem“ in Norderstedt, dass die Baustellen zwischen Verwaltung und Stadtwerken oft nicht aufeinander abgestimmt oder koordiniert werden, kritisiert Holle. So wie in der Glockenheide geschehen, die in kurzer Zeit „dreimal wieder aufgerissen wurde“.

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